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Demokratie stärken!

Weltweit gerät die Demokratie immer stärker unter Druck. Die Zahl der Autokratien wächst, in vielen Staaten hat die Demokratie Schaden erlitten. Klar ist: Die Demokratie muss bürgernäher, effizienter und resilienter werden, um erfolgreich zu sein. Und es gibt auch viele Beispiele, die Hoffnung machen. 

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Inhalt

Die Bertelsmann Stiftung setzt sich mit ihrer Arbeit dafür ein, die Demokratie krisenfest und zukunftsfähig zu gestalten. Ein Überblick über unsere Aktivitäten und Prioritäten:

Maia Sandu (Mitte) und Michael Otto (links) posieren nach dem Festakt zur Verleihung des Reinhard Mohn Preises 2025 mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (2. von rechts), seiner Ehefrau Elke Büdenbender (2. von links) und Liz Mohn, Ehrenmitglied des Kuratoriums und weltweite Repräsentantin der Bertelsmann Stiftung, für ein Foto.

Maia Sandu und Michael Otto erhalten den Reinhard Mohn Preis 2025

Die Bertelsmann Stiftung hat den Reinhard Mohn Preis 2025 an die Staatspräsidentin der Republik Moldau, Maia Sandu, sowie an den Unternehmer und Stifter Michael Otto verliehen. Unter dem Titel "Demokratie stärken!" würdigt die Bertelsmann Stiftung mit der Auszeichnung den Einsatz der beiden Persönlichkeiten für demokratische Werte und eine freiheitliche Gesellschaft. Die Laudationen hielten Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sowie Liz Mohn, Ehrenmitglied des Kuratoriums und weltweite Repräsentantin der Bertelsmann Stiftung.

Beide Persönlichkeiten stellten eindrucksvoll unter Beweis, wie sich die vielfach herausgeforderte liberale Demokratie durch Engagement und mutige Führung schützen, fördern und weiterentwickeln lasse, heißt es in der Begründung. Mit ihren Werten und Taten stehen sie beispielhaft für das Thema des Reinhard Mohn Preises, "Demokratie stärken!". Während Maia Sandu in der Politik für Freiheit und Selbstbestimmung kämpft, setzt sich Michael Otto in Wirtschaft und Zivilgesellschaft für die Zukunftsfähigkeit der demokratischen Idee ein.

Maia Sandu ist seit Ende 2020 Staatspräsidentin der Republik Moldau. Sie ist die erste Frau an der Spitze des an die Ukraine und Rumänien grenzenden Landes. Anfang November 2024 wurde sie für eine zweite Amtszeit wiedergewählt. Im Wahlkampf und während der Abstimmung gab es massive Versuche der russischen Manipulation, Einmischung und Desinformation, die ihre Wiederwahl verhindern sollten. Sandu setzt sich seit Jahren für die Souveränität und die EU-Orientierung Moldaus ein und hat nach Beginn des Ukraine-Krieges 2022 die Aufnahme des Landes in die Europäische Union beantragt. In einem Referendum hat die Moldauer Bevölkerung im Oktober 2024 den Kurs in Richtung eines EU-Beitritts bestätigt. Im Januar 2025 hat der Druck aus Russland noch einmal zugenommen. Am 15. Januar hat Moskau die Gaslieferung an die Republik Moldau komplett eingestellt.

Michael Otto, der zweite Preisträger, war von 1981 bis 2007 Vorstandsvorsitzender des Handelskonzerns Otto Group und steht seitdem dem Aufsichtsrat vor. Der Hamburger Unternehmer setzte sich bereits früh für Klimaschutz, Entwicklungshilfe sowie Sozial- und Bildungsprojekte ein. Otto gründete mehrere Stiftungen, darunter die nach ihm benannte Umweltstiftung und die Stiftung KlimaWirtschaft. Als Förderer und Kuratoriumsvorsitzender des Hauses Rissen in Hamburg engagiert er sich für zeitgemäße Demokratiebildung. Ende 2023 hat er mit der Gründung der Michael Otto Foundation for Sustainability ein weiteres Zeichen für eine Stärkung der offenen Gesellschaft und des Schutzes und der Weiterentwicklung der Demokratie gesetzt.

Demokratie und Popkultur

Die Bertelsmann Stiftung hat sich im Juni 2025 mit dem GenNow Space als aktive Gestalterin auf dem Kosmos Festival in Chemnitz präsentiert, das mehr als 100.000 Besucher:innen anzog. Mit dem GenNow Space schuf die Stiftung einen innovativen Raum. Ziel war es, junge Menschen zu ermutigen, ihre eigene Zukunft aktiv mitzugestalten. Die Stiftung kombinierte Popkultur, gesellschaftliche Haltung und Beteiligung und brachte diese Themen durch Live-Podcasts, Gaming-Streams, Panels und Workshops ins Zentrum des Festivals. Dabei waren mehr als 30 Jugendorganisationen aus den Netzwerken der Bertelsmann Stiftung sowie aus der Region eingebunden. Mit dem GenNow-Space demonstrierte die Bertelsmann Stiftung, dass sie sich nicht nur als Impulsgeber, sondern auch als aktive Mitgestalterin gesellschaftlicher Transformationsprozesse versteht. Der GenNow Space war zugleich ein Prototyp für zukunftsweisende Beteiligungsformate und unterstreicht das Engagement der Bertelsmann Stiftung, junge Menschen zu empowern und ihre Perspektiven sichtbar zu machen.

60 Prozent der jungen Menschen in Deutschland, die sich stark einsam fühlen, glauben nicht, dass sie politische oder gesellschaftliche Veränderungen bewirken können. Das geht aus einer Befragung von 16- bis 30-Jährigen im Auftrag der Bertelsmann Stiftung hervor. Von denjenigen, die sich nicht einsam fühlen, zweifeln 42 Prozent daran, mit ihrem Handeln etwas bewegen zu können. Ein ähnliches Bild zeigt sich auf lokaler Ebene: Während sich ein Drittel der nicht einsamen Befragten die Fähigkeit abspricht, Dinge in ihrer Stadt oder ihrer Gemeinde verändern zu können, sind es bei den stark Einsamen mehr als die Hälfte (52 Prozent). Auch das Vertrauen in demokratische Strukturen ist bei den stark Einsamen deutlich geschwächt: 63 Prozent zeigen sich unzufrieden mit der Demokratie in Deutschland, bei den nicht Einsamen sind es 41 Prozent. 

Engagierte Diskussionen auf der Bühne von GenNow beim Kosmos-Festival in Chemnitz im Juni 2025.

Zukunft gestalten – Der Podcast der Bertelsmann Stiftung

Mit dem Thema Demokratie beschäftigen wir uns auch in unserem Podcast “Zukunft gestalten”. Im Fokus steht immer wieder die Frage, wie es gelingt, insbesondere junge Menschen für die Demokratie zu begeistern. 

Als Abgeordnete:r im Bundestag arbeiten. Ist doch ein Traumjob! Oder etwa nicht? „Berlin, das war ein Fiebertraum“, erinnert sich Ye-One Rhie an ihre Zeit als Abgeordnete in der Bundeshauptstadt. Der Kontakt mit den Menschen, das Gefühl, etwas bewirken können, sich für die Demokratie einzusetzen –  das hat sie begeistert. Die schwierigen Arbeitsbedingungen weniger. In der Podcast-Folge “Traumjob oder Härtetest? Abgeordnete über ihre Arbeit im Bundestag” diskutieren Ye-One Rhie und Demokratie-Experte Finn Heinrich von der Bertelsmann Stiftung mit Malva Sucker und Jochen Arntz über die Herausforderungen, denen Bundestagsabgeordnete gegenüberstehen. 150 Parlamentarier:innen haben dem Bundestag in der vergangenen Legislatur-Periode den Rücken gekehrt. Was läuft falsch? Was lässt sich ändern? Welche Auswirkungen haben die Entwicklungen für uns als Gesellschaft? Welche Verbesserungen sind schon angestoßen? 

Social Media ist der wichtigste politische Informationsraum für junge Menschen – und die dahinterstehenden Algorithmen prägen, was Jugendliche über Politik sehen. In der Folge “Demokratie im Feed” des Podcasts “Zukunft gestalten” diskutieren Malva Sucker und Jochen Arntz mit Sibylle Gröbel und Kira Schrödel darüber, wie Plattformen wie TikTok, YouTube, Instagram oder X politische Inhalte gewichten und welche Folgen das für demokratische Diskurse hat. Die Studie der Bertelsmann Stiftung “How to sell Democracy online (fast)” zeigt, dass Algorithmen Inhalte politischer Randparteien häufig stärker verbreiten, während Beiträge der politischen Mitte deutlich seltener angezeigt werden. 

In einer anderen Episode des Podcasts “Zukunft gestalten” spricht Willi Weitzel über die Bedeutung von gesellschaftlicher Teilhabe für Kinder und Jugendliche – und darüber, warum Engagement nicht erst mit 18 beginnen sollte. Vereine, Feuerwehr, Sport und andere Orte gemeinschaftlichen Handelns wirken für Kinder wie “soziale Magneten”, die ihnen zeigen, was Mitwirkung bedeutet. Weitzel betont, dass Kinderrechte und demokratische Bildung eng miteinander verbunden sind. Das Wahlrecht ab 16 sieht er als logischen Schritt, da Jugendliche heute über so viele Wissensquellen verfügen wie nie zuvor. 

Junge Menschen fühlen sich oft nicht gehört in der Politik, sie wählen nicht mehr so progressiv wie früher und ihre Sorgen haben sich durch die aktuellen Krisen (Corona-Pandemie und Krieg in Europa) verändert. Diese Entwicklungen diskutieren Malva Sucker und Jochen Arntz mit den Expertinnen Amber Jensen und Jessica Gerke. Denn das hat unsere Umfrage von Dezember 2024 gezeigt: Wir müssen insbesondere die junge Bevölkerung für die Demokratie begeistern. Nur jede:r Fünfte der 16- bis 30-Jährigen glaubt, dass es einen Unterschied macht, wenn man sich persönlich für ein bestimmtes Thema einsetzt. Die jungen Menschen sehen konkrete Hürden für mehr politisches Engagement. So geben 43 Prozent an, dass sie gar nicht wissen, wo oder wie sie sich einbringen können. Die Hälfte der Befragten ist der Ansicht, dass es abseits von Wahlen zu wenig Möglichkeiten für Jüngere gibt, um sich zu beteiligen. Nicht einmal jede:r Zehnte glaubt, dass Parteien offen für die Ideen junger Menschen sind. Noch etwas weniger sind überzeugt, dass Politiker:innen die Sorgen der jungen Generation ernst nehmen.

Engagiert für die Demokratie: Gaming, Schule, Social Media

Gaming ist heute weit mehr als ein Hobby – es ist ein sozialer Ort, an dem Millionen junger Menschen täglich miteinander kommunizieren. Die Studie “Spielräume für Demokratie” zeigt: Auf Plattformen wie Twitch, Discord oder in Multiplayer-Communitys findet intensiver gesellschaftlicher Austausch statt. Viele Gamer:innen diskutieren politische und gesellschaftliche Themen regelmäßig und weisen sogar ein höheres Demokratievertrauen auf als Durchschnittsjugendliche. Doch die digitalen Räume bringen auch Herausforderungen mit sich: toxisches Verhalten, Mobbing, Einsamkeit oder extremistische Inhalte. Die Studie plädiert dafür, Gaming-Welten viel stärker als Orte politischer Bildung und demokratischer Kultur zu begreifen. 

Wie lernen Kinder und Jugendliche heute Demokratie – und wo gibt es noch erhebliches Potenzial? Die Studie “Demokratisierung des Lernens in Schule” zeigt: Partizipation im Schulalltag wirkt. Schülerinnen und Schüler, die regelmäßig Entscheidungen mitgestalten dürfen, entwickeln mehr demokratische Fähigkeiten, fühlen sich wirksamer und lernen motivierter. Besonders Ganztagsschulen bieten große Chancen, da sie deutlich mehr Raum für Beteiligung schaffen können. Gleichzeitig wird deutlich, dass viele Schulen noch weit von echter Mitbestimmung entfernt sind. Häufig fehlt Zeit, Qualifizierung oder Unterstützung für Lehrkräfte. Auch starre Rahmenbedingungen bremsen demokratische Prozesse aus. Die Studie empfiehlt daher gezielte Fortbildungen, mehr Gestaltungsfreiheit für Schulen und klare politische Prioritäten, um Demokratiebildung nachhaltig zu verankern.

Junge Menschen informieren sich heute überwiegend auf Social Media über politische Themen – und zwar weit häufiger als über Schule, klassische Medien oder Familie. Die Studie “How to sell Democracy online (fast)” zeigt, wie zentral Plattformen wie Instagram, TikTok und YouTube für politische Meinungsbildung geworden sind. Interessant dabei: Politische Influencer:innen genießen deutlich mehr Vertrauen als Parteien, Behörden oder journalistische Angebote. Die Analyse zeigt, dass Inhalte, die die Lebenswelt junger Menschen ernst nehmen und authentische Einblicke bieten, wesentlich erfolgreicher sind. Themen wie Migration, Klima, Bildung oder gesellschaftliche Gerechtigkeit erzielen eine besonders hohe Resonanz – allerdings werden sie von politischen Akteur:innen oft nicht in der Form kommuniziert, die junge Menschen anspricht. 

Wie funktioniert der Bundestag aus Sicht derer, die ihn verlassen haben? Eine Untersuchung, für die die Bertelsmann Stiftung 30 ehemalige Abgeordnete befragt hat, zeigt deutlich: Viele strukturelle und organisatorische Herausforderungen bremsen das Parlament aus. Besonders häufig werden überlange Sitzungswochen, kurzfristige Terminänderungen und ein insgesamt schwer planbarer Arbeitsrhythmus genannt, der sich kaum mit Familie oder Gesundheit vereinbaren lässt. Hinzu kommen veraltete digitale Prozesse sowie eine politische Kultur, die moderne Führungskompetenzen oft vermissen lässt. Die Abgeordneten fordern eine grundsätzliche Weiterentwicklung der Parlamentsarbeit – von einer konsequenten Digitalisierung über verlässliche Arbeitszeiten bis hin zu stärkeren Kontrollrechten gegenüber der Exekutive. Ziel ist ein Parlament, das auch in Krisenzeiten handlungsfähig bleibt, Mandatsträger:innen besser schützt und insgesamt attraktiver für zukünftige Generationen macht. 

Zahlreiche Vertreter:innen aus Politik, Wissenschaft, Medien und Zivilgesellschaft trafen sich Mitte Juni 2025 auf Einladung der Deutschen Nationalstiftung und der Bertelsmann Stiftung zu den Weimarer Gesprächen, um über die Zukunft der Demokratie zu diskutieren. Ausgangspunkt der Gespräche war das Diskussionspapier “Die Demokratie von morgen – ein Blick auf acht Bruchlinien der Gegenwart” aus dem Programm Demokratie und Zusammenhalt der Bertelsmann Stiftung, das zentrale Spannungsfelder unserer Demokratie beleuchtet. Die Autor:innen des Papiers benennen unter anderem die Sinnkrise der liberalen Demokratie, den Umgang mit digitalem Wandel, Populismus, Extremismus sowie die Kluft zwischen Bürger:innen und Staat.

Den Auftakt der Gespräche bildeten Impulse von Mario Voigt, Ministerpräsident von Thüringen, und Daniela Schwarzer, Vorständin der Bertelsmann Stiftung, die beide die globalen wie nationalen Herausforderungen unserer Demokratie analysierten. Im zweiten Themenblock fokussierte sich die Debatte nach einem Beitrag von Julia Jäkel auf die Notwendigkeit einer möglichen Staatsreform und den Beitrag verschiedenster gesellschaftlicher Akteure zu deren Gelingen. Im dritten und abschließenden Teil warfen Silke Borgstedt, Rebekka Vollmer und Luca Piwodda einen Blick auf zukünftige Formen des gesellschaftlichen Dialogs und die Chancen für eine neue Kultur des Miteinanders.

Nach zwei Jahren intensiver Zusammenarbeit mit Forscher:innen aus aller Welt und im engen Austausch mit politischen Entscheider:innen haben wir zehn Punkte herausgearbeitet, die dabei helfen können, unsere digitalen Diskurse und damit unsere Demokratien zu stärken.

Ohnmacht und Überforderung mit der extremen Schnelllebigkeit der aktuellen geopolitischen Dynamiken sind nachvollziehbar – sie dürfen uns aber nicht lähmen. Sich kontinuierlich Zeit für die Auseinandersetzung mit der Zukunft zu nehmen, um neue Handlungsoptionen zu identifizieren, kann helfen, ins Tun zu kommen. Das zeigen unsere Szenarien zur digitalisierten Öffentlichkeit in 2035.

Talk-Runde mit Bundeskanzler Olaf Scholz

Mit Olaf Scholz als prominentestem Gast stellte die Bertelsmann Stiftung am 18. März 2024 ihr Jahresthema für 2024 und 2025, “Demokratie stärken!”, in Berlin vor. Der Bundeskanzler appellierte an die demokratische Verantwortung aller Bürger:innen und warb dafür, die Zukunft mit Zuversicht zu gestalten: “Demokratie, das sind wir”.

Gegen Desinformation

Desinformation und bewusste Fehlinformationen gehören zu den größten Bedrohungen der Demokratie. Dass auch die Bürger:innen in Deutschland die gezielte Desinformation als Gefahr für die Demokratie sehen, belegt unsere Studie “Verunsicherte Öffentlichkeit”. Die Befragung zeigt, dass 81 Prozent der Befragten sagen, Falschinformationen gefährdeten die Demokratie.

Doch wie werden wir resilienter gegen Desinformationskampagnen in den Sozialen Medien? 

Das “Forum gegen Fakes – Gemeinsam für eine starke Demokratie” klärt die Menschen mit einer Online-Kampagne über die Gefahren von Desinformation auf. Alle Bürger:innen in Deutschland waren aufgerufen, sich online auf www.forum-gegen-fakes.de zu beteiligen. Die eingereichten Vorschläge bearbeitete ein Bürgerrat und präsentierte die Ergebnisse der Politik. Hier gibt es einen Überblick. Am Ende hatten sich 424.000 Menschen beteiligt, 28 konkrete Vorschläge wurden an Bundesinnenministerin Nancy Faeser überreicht. 

Desinformationen sind ein globales Phänomen. In Zeiten, in denen viele westliche Demokratien sich dem Einfluss rechtsextremer Kräfte erwehren müssen, sind wir gut beraten, von Ländern und Regionen zu lernen, die viel Erfahrung mit Resilienz und Wehrhaftigkeit haben. Unsere internationale Recherche mit Berichten aus allen Kontinenten gibt Einblick.

Transformationsindex der Bertelsmann Stiftung

Die Demokratiequalität in Entwicklungs- und Transformationsländern hat sich in den vergangenen 20 Jahren kontinuierlich verschlechtert. Heute stehen nur noch 63 Demokratien einer Mehrheit von 74 Autokratien gegenüber – das zeigen die jüngsten Zahlen des Transformationsindex der Bertelsmann Stiftung (BTI). Zum zehnten Mal analysiert der BTI die Entwicklungen der Regierungsführung in 137 Entwicklungs- und Transformationsländern. 

Sustainable Governance Indicators

Was der BTI für die Schwellen- und Entwicklungsländer dokumentiert, leisten unsere Sustainable Governance Indicators (SGI) für die 41 EU- und OECD-Staaten. Gute Ergebnisse in der Frage nachhaltig guten Regierens erzielen zumeist die skandinavischen Länder. Auf der Basis des neu aufgesetzten Datensatzes haben wir Deutschland, Großbritannien, Norwegen und Dänemark daraufhin verglichen, wie weit die Staaten bei der Energiewende gekommen sind. Norwegen liegt vorn, muss aber ebenso wie die anderen Staaten noch einige Hausaufgaben machen. In der Gesamtübersicht der OECD- und EU-Staaten landet Deutschland auf dem siebten Platz bei dem Vergleich, welche Staaten mit wie viel Nachdruck das Ziel der Klimaneutralität bis zum Jahr 2050 vorantreiben. 

Deutschlands Ausgangsposition für nachhaltiges Regieren ist gut, zeigt die jüngste Studie zu den Sustainable Governance Indicators SGI: Im OECD-Ländervergleich zu den Voraussetzungen langfristorientierter Politikgestaltung landet Deutschland unter 30 Staaten auf einem fünften Platz. Besser schneiden nur Dänemark, Finnland, Schweden und Norwegen ab. Doch die für die Analyse ausgewerteten 144 Indikatoren zeigen auch: Ohne gezielte Anstrengungen bei der Stärkung seiner Demokratie, der Transformation der Wirtschaft und der Modernisierung des Sozialstaats könnte Deutschland schon bald seine gute Position verlieren. 

Demokratie in der Kita – mit Leon und Jelena

Was Demokratie bedeutet, können auch schon die Jüngsten lernen. Schon Drei- bis Sechsjährige können demokratische Kompetenzen erwerben und etwas über gesellschaftliches Engagement und Partizipation erfahren. Davon war die Bertelsmann Stiftung so überzeugt, dass sie 2014 die Kinderbuchreihe “Leon und Jelena” ins Leben rief. Begleitet durch “Das Praxisbuch: Mitentscheiden und Mithandeln in der Kita” wird mittlerweile in 17 Bilderbüchern Kindern vermittelt, wie bereichernd es ist, Verantwortung zu übernehmen und eigene Gestaltungswünsche in Aushandlungsprozesse einzubringen. Kurz: Seit mehr als zehn Jahren lernen Kitakinder durch Leon und Jelena ganz viel – und auch, was es bedeutet, in einer Demokratie aufzuwachsen.

Europa im Zentrum

Die Schließung der United States Agency for International Development (USAID) im Jahr 2025 verändert die internationale Entwicklungslandschaft und bedeutet für Europa einen strategischen Wendepunkt, so die Analyse des Beitrags “After USAID: Europe's Moment to Lead”. Ohne USAID stehen der Westbalkan und die Östliche Partnerschaft vor deutlichen Lücken in der Unterstützung für Demokratie, gesellschaftliche Widerstandsfähigkeit und institutionelle Kapazitäten. Europa sollte diese Entwicklung nicht als vorübergehende Störung, sondern als langfristige strategische Herausforderung begreifen. Da die US-Unterstützung für Demokratie und Governance wahrscheinlich dauerhaft schrumpft, muss Europa seine eigenen Strategien entsprechend neu ausrichten. Ein koordinierter “Team Europe”-Ansatz – also gebündelte Ressourcen der EU, nationaler Regierungen und philanthropischer Akteure – könnte die politische und operative Fragmentierung überwinden. Europa sollte sich daher darauf konzentrieren, die demokratische Resilienz durch langfristige Förderung unabhängiger Medien, zivilgesellschaftlicher Netzwerke und Kontrollinstanzen zu stärken. 

Europa steht an einem Wendepunkt seiner technologischen Entwicklung und muss sich von einer reaktiven zu einer proaktiven Technologie-Strategie bewegen, um in der globalen digitalen Konkurrenz bestehen zu können, erklärt der Beitrag “From Reaction to Proactive Strategy: A Playbook for a Phased Approach towards European Technological Agency”. Nötig ist ein Fahrplan, der kurzfristige, mittelfristige und langfristige Maßnahmen kombiniert. Ziel ist es, eine echte europäische technologische Handlungsfähigkeit (“Technological Agency”) und Resilienz zu entwickeln – sowohl durch Zusammenarbeit zwischen Mitgliedstaaten als auch durch Partnerschaften mit der Privatwirtschaft. Im Kurzfristigen (“Now”) müssen Grundlagen gelegt werden, etwa technisches Know-how in öffentliche Institutionen bringen, strategische Wissensbasis sichern und kritische Abhängigkeiten analysieren. Im mittelfristigen Bereich (“Tomorrow”) geht es um Investitionen in Forschung, Qualifizierung von kleinen und mittleren Unternehmen und Förderung gemeinsamer Programme. Die langfristigen Ziele (“Day After”) beinhalten große Initiativen wie europäische “Moonshot”-Programme, die Talente anziehen und technologische Spitzenpositionen festigen sollen. 

Deutschland und das Vereinigte Königreich entwickeln nach den Spannungen der Brexit-Zeit eine strategischere und engere Zusammenarbeit, die über oberflächliche Beziehungen hinausgeht, erklärt der Beitrag “How renewed German-UK momentum can strengthen Europe”. Diese Annäherung umfasst insbesondere die Bereiche Sicherheit/Verteidigung und Energie, wo beide Länder institutionelle Strukturen und Kooperationsmechanismen etabliert haben. Die Kooperation zeigt sich konkret in neuen bilateralen Abkommen, die gemeinsame Fähigkeiten, Rüstungsprojekte und industrielle Integration stärken sollen. Trotz dieser politischen Annäherung bleibt die Umsetzung in echte Verteidigungs- und Sicherheitsfähigkeiten eine Herausforderung, da Europa insgesamt zu langsam und fragmentiert produziert. Jenseits der Verteidigung wächst die Zusammenarbeit im Bereich erneuerbare Energien, insbesondere mit Blick auf Wind- und Wasserstoff-Projekte im Nordsee-Raum. Die bilaterale Kooperation ergänzt, aber ersetzt nicht die EU-Strukturen, da diese oft den rechtlichen Rahmen setzen, innerhalb dessen Zusammenarbeit möglich ist. Insgesamt kann das erneuerte deutsch-britische Momentum Europa stärken, indem es Fähigkeiten aufbaut, Energie-Transformation beschleunigt und EU-UK-Reibungen verringert. 

Aus Washington: Aktivitäten der Bertelsmann Foundation

#DemokratieStärken jenseits des Atlantiks: Unsere Kolleg:innen der Bertelsmann Foundation in Washington haben sich mit einer Reihe von Beiträgen mit der Wahl in den USA beschäftigt. In der Reihe “How to fix Democracy” beschäftigen sie sich mit dem Zustand der Demokratie. Das Transatlantic Barometer liefert vergleichende Analysen von Stärken und Schwächen der Staaten diesseits und jenseits des Atlantiks.