Bild von der EU-Fahne und von der Afrikanischen Union

Migrationsaußenpolitik fair gestalten

Umfassende und nachhaltig orientierte Politikansätze zu Migration und Flucht bedürfen neben innenpolitischer auch fair gestalteter außenpolitischer Dimensionen. Eine solche kohärente Migrationsaußenpolitik erfordert eine bessere Abstimmung unterschiedlicher Politikfelder sowie der betroffenen Politiken auf kommunaler, nationaler, europäischer und internationaler Ebene. Darüber hinaus müssen die relevanten zivilgesellschaftlichen wie staatlichen Akteure in Herkunfts-, Transit- und Ankunftsländern im Sinne einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit aktiv mitwirken können.

Hier geht es darum, eine Politik mit zu gestalten, die versucht, die Bedarfe aller Seiten einzubinden und nachhaltige Lösungsansätze zu ermitteln und voranzutreiben, die sich nicht nur auf Restriktionen und Abwehr fokussieren. Dabei gehören insbesondere Migration und Entwicklung zusammengedacht. Nur durch internationale Migrationszusammenarbeit, die die Interessen von Einwanderungsländern, Auswanderungsländern sowie von Migrant:innen angemessen berücksichtigt, können nachhaltige Ergebnisse erzielt werden. Diesen Triple-Win-Ansatz verfolgen wir lokal, national und international.

Ansprechpartner:in

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Najim Azahaf
Senior Project Manager
Foto Susanne Schultz
Dr. Susanne Schultz
Project Manager

 

Die sogenannte Fluchtkrise hat eine neue Ära der Migrationsaußenpolitik eingeläutet. Zudem verleihen die demographischen Entwicklungen in vielen Ländern des globalen Südens, insbesondere auf dem afrikanischen Kontinent, und der Fachkräftemangel in Deutschland dem Thema Brisanz: Die demographische Entwicklung in Deutschland führt zu immer mehr Fachkräfteengpässen in bestimmten Branchen und Regionen. In vielen Ländern des globalen Südens wächst hingegen die Gruppe der Menschen im erwerbsfähigen Alter weiter, ohne dass sich entsprechende Perspektiven auf den jeweiligen Arbeitsmärkten abzeichnen. Führt man die gegenläufigen demographischen Trends in den verschiedenen Erdteilen bedarfsgerecht zusammen, ergibt sich eine Chance für eine neue Migrationspolitik, die zu einer global nachhaltigen Entwicklung im Sinne der Sustainable Development Goals (SDGs) beiträgt.

Die Gestaltung einer fairen Migrationsaußenpolitik im Sinne des Triple Win verfolgen wir im Rahmen

  1. der Migration Strategy Group on International Cooperation and Development (MSG),
  2. durch die Förderung partnerschaftlicher Ansätze der Migrationskooperation, und
  3. im Rahmen des Global Forum on Migration and Development (GFMD).

1. Migration Strategy Group on International Cooperation and Development (MSG)

Auch auf nationaler Ebene ist für die Verwirklichung des Triple Win ein kohärenter Gesamtansatz notwendig, der Migrations-, Entwicklungs- und Arbeitsmarktpolitik sowie weitere Politikbereiche ganzheitlich zusammenführt und langfristige Planungs- und Lösungsansätze verfolgt. Die Stärkung dieser Perspektive verfolgen wir durch die MSG, die wir gemeinsam mit der Robert Bosch Stiftung und dem German Marshall Fund koordinieren. Mit der MSG bieten wir eine Plattform für einen offenen und kontinuierlichen Dialog zwischen Vertreter:innen migrationsrelevanter Bundesministerien, internationaler Organisationen sowie nicht-staatlicher Akteure an. Im Mittelpunkt des interministeriellen und intersektoralen Austauschs stehen beispielgebende und lösungsorientierte Ansätze der kohärenten und entwicklungsorientierten Migrationsgestaltung aus dem In- und Ausland. 2020 und 2021 beschäftigt sich die MSG mit den Auswirkungen von Digitalisierung und technologischer Entwicklung auf Flucht- und Migrationspolitik im internationalen Kontext.

MSG-Hintergrundpapiere und Policy Paper finden Sie hier.

2. Migrationskooperation und Ansätze partnerschaftlicher Zusammenarbeit

Gerade die migrationspolitische Zusammenarbeit mit afrikanischen Staaten wird für Deutschland immer wichtiger. Allerdings ist diese Kooperation bisher von starken Asymmetrien und unterschiedlichen Interessen geprägt, die sich in den letzten Jahren eher verstärkt haben. In der europäischen Migrationsdebatte dominiert eine Abwehrhaltung. Beide Seiten nehmen Instrumente und Akteure widersprüchlich wahr. Migration und insbesondere eine (erzwungene) Rückkehr werden häufig zur Verhandlungsmasse. Die Lösung kann nur in einer partnerschaftlich funktionierenden Migrationszusammenarbeit zwischen Deutschland (im Rahmen der EU) und afrikanischen Staaten liegen. Als bevölkerungsreichstes Land der EU mit einer proaktiven Migrations- und Fluchtpolitik kann Deutschland hier wichtige Impulse setzen. Wir begleiten dieses Thema durch Gesprächsformate und Recherchen. Ein Policy Brief beleuchtet "Neue Impulse für die deutsche Migrationszusammenarbeit mit Afrika" (Download DEEN).

Policy Brief

Die deutsche Migrationszusammenarbeit mit Afrika braucht neue Impulse

auf einem foto der Weltkugel spannen sich Fäden zwischen Deutschland und dem afrikanischen Kontinent

Insbesondere das Instrument der transnationalen Ausbildungspartnerschaften mit dem Ziel einer gemeinsamen Fachkräfteentwicklung ist hier vielversprechend, da es im Sinne eines „triple win“ die Bedarfe auf allen Seiten in den Blick nimmt. Weitere Informationen über unsere Aktivitäten dazu finden Sie hier.

Internationale Stiftungskooperationen
Impulse zu transnationalen Ausbildungspartnerschaften und Arbeitsmigration mit afrikanischen Staaten bringt die Bertelsmann Stiftung in einer Veranstaltungs-Reihe mit dem Overseas Development Institute (ODI) und der Robert Bosch Stiftung ein, die innovative Formen der migrationspartnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Afrika und Europa, insbesondere nach der Corona-Pandemie, diskutiert und weiterentwickelt. Unter dem Titel „Innovation in Africa-Europe relations beyond Covid-19’“ sollen vor allem das Engagement und die Potentiale von Stiftungen für neue Partnerschaftsformen eingebracht werden. Mehr Informationen dazu finden Sie hier.   

Migrationskooperation der EU
Für die Setzung von Rahmenbedingungen für partnerschaftliche Ansätze der Migrationszusammenarbeit spielt die Europäische Union eine zentrale, zunehmend auch operative Rolle. Die aktuell vorgeschlagenen Maßgaben für „ausgewogene und maßgeschneiderte“ Partnerschaften mit wichtigen Herkunfts- und Transitländern von Migrant:innen und Geflüchteten im EU-Asyl- und Migrationspakt gilt es in der theoretischen Vorlage und praktischen Umsetzung zu beobachten und mitzugestalten. In diesem Sinne beleuchtete eine digitale Diskussionsveranstaltung, Migration Zoom Time "Neue Wege der partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit Afrika?", die Herausforderungen und auch Potentiale der migrationspolitischen Zusammenarbeit zwischen der EU und Deutschland mit afrikanischen Staaten.­ Ein Video-Mitschnitt dieser Veranstaltung steht unten auf dieser Seite in der Mediathek zur Verfügung.

3. Global Forum on Migration and Development (GFMD)

Erzwungene und freiwillige Migration wird ein Megathema in der globalisierten Welt der kommenden Jahre und Jahrzehnte bleiben. Die internationale Staatengemeinschaft muss hier tragfähige Lösungen erarbeiten, damit Migration so gestaltet wird, dass sie für alle langfristig ein Gewinn werden kann. Das GFMD, das mittlerweile über 150 Staaten zu einer Debatte über Migrationsgestaltung und Entwicklungsperspektiven jährlich zusammenbringt, arbeitet dazu grenzüberschreitend an Lösungen. Dabei basiert es auf drei Säulen: 1. die Government Days zum Austausch der Regierungsvertreter, 2. die Civil Society Days für die internationale Zivilgesellschaft sowie 3. der Business Mechanism zur Einbindung des Privatsektors. In den Jahren 2017 und 2018 wurde das GFMD von Deutschland und Marokko gemeinschaftlich ausgerichtet. Besondere Schwerpunkte in diesem Kontext waren für uns die Stärkung der Zivilgesellschaft, der Global Compact on Migration sowie der Nord-Süd-Dialog über transnationale Ausbildungspartnerschaften.

Videos zu den genannten Veranstaltungen finden Sie hier in der Mediathek.