Zeichnung von einem Mann und einer Frau, die um ein großes Fragezeichen herumstehen

Online-Vertiefungsworkhop - Teilhabe und Arbeit: Zukunftsaussichten Ukrainischer Flüchtlinge

Seit über vier Jahren leben mehr als vier Millionen ukrainische Geflüchtete in Deutschland und der EU. Der vorübergehende Schutzstatus wurde inzwischen bis März 2028 verlängert. Doch nach viereinhalb Jahren Vorläufigkeit brauchen die Betroffenen, ebenso wie die Aufnahmegesellschaft, endgültige Perspektiven. Wie ist der Stand der Arbeitsintegration der Schutzsuchenden aus der Ukraine? Welche Handlungsansätze und Praxisbeispiele gibt es?

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Prof. em. Dr. Dietrich Thränhardt, der vor kurzem einen Policy Brief für die Bertelsmann Stiftung veröffentlicht hat (Die Zukunft der ukrainischen Flüchtlinge in Europa), zog ein bislang gemischtes Fazit: Einerseits haben es Deutschland und Europa geschafft, insgesamt 4 Mio. Schutzsuchende aus der Ukraine erfolgreich aufzunehmen. Kommunen, Zivilgesellschaft, Wirtschaft haben jeweils einen herausragenden Beitrag dazu geleistet. Andererseits ist die bisherige Integration der Ukrainer:innen in den Arbeitsmarkt in Deutschland mit ca. 40% Arbeitsintegration viel langsamer erfolgt als in den Nachbarländern mit über 66% (insbesondere den östlichen Nachbarn). Vor allem aber, so Thränhardt, bestehe ein umfangreicher Neuregelungsbedarf. Er empfiehlt hierfür eine Reihe von Übergangsreglungen. In einer Neugestaltung sieht er eine Chance! zur Präsentation

Iryna Zefran stellte able-ngo.com vor. Able steht für Act-build-lead-engage. Gegründet wurde able.ngo 2020, also vor Ausbruch des Angriffskriegs in der Ukraine, während der Corona-Pandemie. Die Initiative umfasst 54 Ehrenamtliche. Das Motto: „Information ist der Einstieg – Begegnung aktiviert“. Daher steht der persönliche Austausch im Vordergrund. Doch auch Trainings, Weiterbildungen und Jobcoachings mit etwa 400 Teilnehmenden finden statt. Für Frauen aus der Ukraine gibt es zudem einen Sprachclub, der von 64 Frauen angenommen wird. Able-ngo kooperiert innerhalb eines Netzwerkes zivilgesellschaftlicher Organisationen. Auch Kommunalverwaltungen sind für eine Zusammenarbeit willkommen. zur Präsentation

Oksana Potelchak präsentierte das Netzwerk Ukrainische Lehrerinnen und Lehrer in Deutschland, das sie 2023 mitgegründet hat. Mittlerweile hat das Netzwerk 4.000 Mitglieder. Viele Lehrkräfte aus der Ukraine möchten auch in Deutschland in ihrem erlernten Beruf und entsprechend ihrer Qualifikation arbeiten. Dafür benötigen sie verlässliche Perspektiven und gezielte Unterstützung. Der Quereinstieg in den Schuldienst ist grundsätzlich möglich, wobei Verfahren und Voraussetzungen von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich sind. Auch die langjährige Berufserfahrung ukrainischer Lehrkräfte wird im Anerkennungs- oder Einstellungsverfahren nicht immer umfassend berücksichtigt. Wichtig sind daher eine qualifizierte Beratung, insbesondere durch die zuständigen Anerkennungsbehörden, sowie gezielte Programme für einen erleichterten Berufseinstieg. Der Austausch und die Übernahme bewährter Ansätze können dabei zusätzliche Impulse geben, so Oksana Potelchak. zur Präsentation

Im anschließenden Austausch wurde die Forderung nach Anerkennung der in der Ukraine erfolgten Ausbildung einhellig geteilt. Als Beispiel wurde von einer Mutter berichtet, die 20 Jahre in der Ukraine als ausgebildete Lehrerin gearbeitet hatte, nun aber mangels Anerkennung, als Hilfskraft in einer Kita arbeitet. 

Hinweis: Ein Pilotprojekt von Bertelsmann Stiftung, Stiftung Mercator und den Universitäten Bielefeld und Duisburg Essen wurde inzwischen von einigen Hochschulen in NRW übernommen (s  Abschlussbericht “Evaluation des Programms Lehrkräfte Plus”).

Das Format Online Forum wird einmal pro Monat, mittwochs in der Mittagszeit, in der Regel von 12:30 Uhr bis 13:30 Uhr angeboten. Der nächste Termin findet am 14. Oktober 2026 statt.