Grupenfoto der Teilnehmer am Expertenworkshop zum Reinhard Mohn Preis 2018
Norbert Kron

04.07.2017, Veranstaltung: Expertenworkshop zum Reinhard Mohn Preis 2018 in Berlin

Wie gelingt das Zusammenleben in kultureller Vielfalt? Was kann Deutschland von der Welt lernen? Wo wird bereits vorbildlich mit kultureller Vielfalt umgegangen? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Expertenworkshops zum Thema des Reinhard Mohn Preises 2018.

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Mit dem Reinhard Mohn Preis 2018 möchte die Bertelsmann Stiftung Wege aufzeigen, wie das Zusammenleben in kultureller Vielfalt gestaltet werden kann. Nach dem Motto des Reinhard Mohn Preises – „Von der Welt lernen“ – suchen wir in einer internationalen Recherche nach guten Beispielen für einen gelingenden Umgang mit kultureller Vielfalt, die auch für Deutschland nutzbar gemacht werden können. Die ersten Ergebnisse dieser Recherche waren im Juli Gegenstand eines Expertenworkshops in Berlin mit rund 20 Fachleuten aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft, Medien und Zivilgesellschaft. Neben Experten aus Deutschland waren auch Fachleute aus Kanada, Großbritannien, Frankreich, Belgien und Israel vertreten.

Gemeinsam diskutierten die Workshopteilnehmer Strategien, Projekte und Initiativen aus elf Ländern, die die Anerkennung kultureller Vielfalt mit dem Ziel gleicher Teilhabe- und Partizipationschancen verbinden. Das Spektrum reichte von rechtlichen Regelungen, wie Minderheitenschutz, über Formen symbolischer Anerkennung, wie Einbürgerungszeremonien oder die Repräsentation unterschiedlicher kultureller Identitäten in den Medien, bis hin zu Formaten für Dialog und Verständigung, die interkulturellen Austausch ermöglichen.  

Gelingendes Zusammenleben in Vielfalt kann erlernt werden

Dabei brachten die Experten neben verschiedenen fachlichen Perspektiven auch ihre jeweiligen länderspezifischen Blickwinkel ein. Es zeigte sich etwa, dass in Ländern wie Kanada und Großbritannien kulturelle Vielfalt ganz selbstverständlich als Teil der Gesellschaft anerkannt wird. Die Experten betonten, dass dies jedoch auch dort das Ergebnis eines Lernprozesses sei, der seine Zeit gebraucht habe. Weiter machten Erfahrungen aus Belgien deutlich, dass ein positiver Umgang mit kultureller Vielfalt nicht allein den angelsächsischen Ländern vorbehalten ist, die traditionell für ihre Offenheit gegenüber verschiedenen kulturellen Identitäten bekannt sind. Wenn man es richtig anpackt, können auch Gesellschaften, die weniger Erfahrung mit kultureller Vielfalt haben, den Umgang mit ihr lernen.

Insgesamt betonten die Experten, dass für ein gelingendes Zusammenleben in kultureller Vielfalt eine Balance zwischen der Anerkennung von Unterschieden und einem Bewusstsein für Gemeinsamkeiten wichtig sei. Des Weiteren müsse der Weg hierher als eine Daueraufgabe für die Gesellschaft betrachtet werden, die Ausdauer und Geduld erfordere. Zugleich seien kleine Schritte, wie Beziehungen auf der persönlichen Ebene im eigenen Lebensumfeld, ein wichtiger Baustein auf diesem Weg.

Städte im Fokus der internationalen Recherche

Der gelingende Umgang mit kultureller Vielfalt kann nur im konkreten Zusammenleben gelernt werden. Daher legt der Reinhard Mohn Preis 2018 ein besonderes Augenmerk auf Städte. Denn insbesondere in Städten gehört kulturelle Vielfalt zum Alltag. Diese Ausrichtung der internationalen Recherche befürworteten die Experten. Im städtischen Kontext könne man Modelle für das Miteinander in kultureller Vielfalt unmittelbar im direkten Lebensumfeld erproben. Grundlegend für ein gutes Miteinander seien dabei vor allem Begegnung, Interaktion und Beziehungen im Alltag. Diese entstünden jedoch nicht immer von allein. Vielmehr müssten hierfür gezielt Gelegenheiten und Räume geschaffen werden.

Die Ergebnisse des Expertenworkshops fließen in die weitere Projektarbeit zum Reinhard Mohn Preis und damit in die Auswertung von guten Beispielen für gelingendes Zusammenleben in kultureller Vielfalt ein.

Als Experten diskutierten:

  • Mohammad Darawshe, Center for Equality & Shared Society, Givat Haviva/Israel
  • Honey Deihimi, Bundeskanzleramt
  • Farhad Dilmaghani, DeutschPlus e.V.
  • Aletta Gräfin von Hardenberg, Charta der Vielfalt
  • Prof. Dr. Volker Heins, Kulturwissenschaftliches Institut Essen
  • Iva Krtalic, Westdeutscher Rundfunk
  • Francesca Lionetti, Europarat
  • Prof. Dr. Tariq Modood, University of Bristol/Großbritannien
  • Thomas Müller, Stadt Nürnberg; Sheila Mysorekar, Neue Deutsche Medienmacher
  • Prof. Dr. Roland Roth, Hochschule Magdeburg-Stendal
  • Douglas Saunders, Journalist und Autor, Toronto
  • Prof. Dr. Oliver Schmidtke, University of Victoria/Kanada
  • Bart Somers, Bürgermeister Mechelen/Belgien
  • Prof. Dr. Riem Spielhaus, Universität Göttingen
  • Prof. Dr. Rita Süssmuth, Bundestagspräsidentin a.D.
  • Düzen Tekkal, Journalistin und Filmemacherin
  • Dr. Eva Voß, Ernst & Young
  • Prof. Dr. Michael Wrase, Humboldt-Universität Berlin

Hintergrundinfo

Hintergrundinfo

Der Reinhard Mohn Preis erinnert an den Gründer der Bertelsmann Stiftung, Reinhard Mohn († Oktober 2009). Der Preis wird jährlich verliehen und zeichnet international renommierte Persönlichkeiten aus, die sich um wegweisende Lösungen zu gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen verdient gemacht haben. Die Preisvergabe basiert auf einer weltweiten Recherche nach innovativen Konzepten und exemplarischen Lösungsansätzen für Herausforderungen, die für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands von entscheidender Bedeutung sind.

Mehr über den Reinhard Mohn Preis.

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