Den öffentlichen Höhepunkt bildete am zweiten Veranstaltungstag die Abendveranstaltung unter dem Titel „Citizen Participation in Troubled Times: Ensuring Impact through Quality“. Das High-Level-Panel brachte zentrale politische Akteur:innen aus verschiedenen europäischen Kontexten zusammen.
Im Zentrum stand die Frage, wie Bürgerbeteiligung gerade in politisch und gesellschaftlich herausfordernden Zeiten nicht nur gut gestaltet, sondern politisch verbindlich verankert werden kann.
Leitlinien als Grundlage für politische Wirkung
Zum Auftakt stellte Angela Jain, Beteiligungsexpertin der Bertelsmann Stiftung, die neuen Guidelines für wirkungsvolle Bürgerbeteiligung vor. Sie setzte damit den inhaltlichen Impuls für die Diskussion und betonte: „Der Beteiligungsprozess endet nicht mit der Erstellung des Bürgerberichts. Der anschließende Umsetzungs- und Follow-up-Prozess ist mindestens ebenso wichtig, damit die Empfehlungen tatsächlich Wirkung entfalten können.“
Die Leitlinien formulieren zentrale Qualitätsprinzipien – von klarer Zieldefinition über transparente Kommunikation bis zur institutionellen Anbindung an politische Entscheidungsprozesse. Gerade in „troubled times“ entscheidet diese Anschlussfähigkeit darüber, ob Beteiligung Legitimität stärkt oder folgenlos bleibt.
Hochrangige Diskussion über mehr Mut zur Machtteilung
Im Panel diskutierten:
- Barbara Bosch, Ministerin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung des Landes Baden-Württemberg
- Stephen De Ron, Berichterstatter für die Stellungnahme „Democracy Shield“ im Europäischen Ausschuss der Regionen
- Magali Plovie, ehemalige Präsidentin des französischsprachigen Parlaments der Region Brüssel-Hauptstadt und Initiatorin permanenter deliberativer Ausschüsse
- Prof. Dr. Yves Sintomer, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Paris 8
Die Moderation übernahm Dominik Hierlemann, Senior Advisor der Bertelsmann Stiftung.
Die Diskussion war hochkarätig, differenziert und zugleich selbstkritisch. Deutlich wurde:
- Demokratische Resilienz braucht verbindliche Beteiligungsstandards
- Qualität und Follow-up entscheiden über Legitimität
- Es braucht mehr Mut zu direkteren, machtteilenden Beteiligungsformaten
Die öffentliche Abendveranstaltung markiert einen wichtigen Schritt hin zu verstärkter politischer Überzeugungsarbeit für eine verbindlichere, institutionell verankerte Bürgerbeteiligung auf nationaler und europäischer Ebene. Mit den neuen Guidelines liegt dafür nun ein praxisorientierter Referenzrahmen vor.
Unsere Leitlinien “Ensuring Impact – A Guide to Effective Set-up and Follow-up of Citizen Participation” können Sie hier in englischer Sprache herunterladen.