hier ist eine Sitzbank zusehen, wo eine Hälfte der Sitzfläche fehlt. Auf der Lehne darüber steht: kein Platz für Rassismus

Sensibilisieren, ermutigen und Zeichen setzen!

Während es nach wie vor eine große Hilfsbereitschaft gegenüber Geflüchteten vor Ort gibt und die Zustimmungswerte für Willkommenskultur und Weltoffenheit in Umfragen nach wie vor hoch sind, nehmen andererseits Anfeindungen, Rassismus, Hass und Hetze zu. So ist beispielsweise im Jahr 2022 die Anzahl von Angriffen gegenüber Asylbewerberunterkünften gegenüber dem Vorjahr von 70 auf 121 um 73% laut BMI gestiegen. Dies ist die Spitze des Eisbergs. Darunter liegt das gesellschaftliche Klima, das durch Hass und Hetze verschoben wird. Wie können Kommunen vor Ort proaktiv gegen Anfeindungen, Rassismus, Hass und Hetze vorgehen?

Inhalt

Es wurden drei Ansätze in unserem Willkommen: Online Austausch - Umgang mit rechten Anfeindungen, Rassismus, Hass und Hetze vorgestellt: Das relativ neue Projekt Kommunale Allianzen & Strategien gegen Rassismus und Hass (KommA), das von IMAP mit Förderung der Bundesintegrationsbeauftragten durchgeführt wird, die Kampagne „Toronto for all“, die unsere Kollegin Ulrike Wieland von Ihrem Civil Society Fellowship an der University Metropolitan Toronto mitgebracht hat und die digitalen Unterstützungsstrategien und -Angebote gegen Rassismus und rechte Anfeindungen der Amadeu-Antonio-Stiftung.

Das Projekt KommA arbeitet mit 10 Modellkommunen und stellt Good Practice Beispiele aus einem Netzwerk von 50 weiteren Kommunen auf einer Plattform dar, so Leon Godeffroy (IMAP). Es richtet sich vor allem an Kommunalverwaltungen. Doch eine der drei Leitfragen lautet, wie Allianzen vor Ort gebildet werden können, und mit welchen Zuständigkeiten und Prozessen, um gemeinsam mit vielen Akteursgruppen gegen Rassismus und Hass vorzugehen. Die zweite Leitfrage lautet: Wie sensibilisieren wir innerhalb der Organisation? Wie stärken wir Betroffene? Und drittens die Leitfrage: Wie kommunizieren und handeln wir strategisch nach außen? Zu allen drei Projektmodulen bietet KommA Unterstützungsangebote wie antirassistische Strategiekonzepte, Trainings und Coachings. Durch den Projektbeirat wird ein fachlicher Austausch ermöglicht. KommA läuft noch bis Ende August 2025. (zur Präsentation)

Die hyperdiverse Stadt Toronto legt Wert auf die Gestaltung der Vielfalt. Schließlich ist die Hälfte der Einwohnenden außerhalb Kanadas geboren. Daher wurde eine „Newcomer Strategy Toronto“ entwickelt. Auch wird auf „Civic resiliency“ (Bürgerschaftliche Resilienz) viel Wert gelegt. Um für Vielfalt und Diskriminierung zu sensibilisieren, Stereotypen bis hin zu rassistischen Denkmustern bewusst zu machen und Denkanstöße zu geben, hat die Stadt Toronto zusammen mit OCASI (Ontario Council of Agencies Serving Immigrants) die Kampagne  „Toronto for all“ ins Leben gerufen. Neben der Aufklärung zeigt die Stadt damit auch Haltung und setzt ein Zeichen gegen Rassismus und Diskriminierung. Die an einer inklusiven Gesellschaft orientierte Kampagne beinhaltet auch Motive zu den anderen Diversitäts-Dimensionen, beispielsweise: Menschen mit Behinderung oder Obdachlosigkeit (zur Präsentation).

Seit 1998 gibt es die Amadeu-Antonio-Stiftung, die von Simone Rafael, Leiterin des Digitalbereiches, präsentiert wird. Auch ihr ist es wichtig, dass strategisch gegen Rassismus und Rechte Anfeindungen vorgegangen wird, und dass die Akteure andererseits ins konkrete Handeln kommen. So geht es auch ihr um Resilienz durch konkrete Unterstützungsmaßnahmen und durch Fortbildungen. Nicht zu unterschätzen ist zudem die proaktive Nutzung von Social Media. Konkret gegen Hate Speech helfen beispielsweise Löschen, Anzeigen, Aufklären. Die Fortbildungen, die von Amadeu Antonio angeboten werden, können auch von Kommunalverwaltungen angefragt und gebucht werden. Ermutigen, beraten, fördern, fasst sie den Ansatz der Amadeu-Antonio-Stiftung zusammen. (zur Präsentation)

Im Austausch wurde deutlich, dass Strategien und Allianzen unabdingbar sind sowie konkretes Handeln vor allem durch Kommunikation, sei es auf Social Media, sei es durch den Dialog mit der Bevölkerung, sei es durch Plakatkampagnen. Warum nicht auch eine Plakatkampagne in Deutschland organisieren, nach dem Vorbild von „Toronto for all“, fragte eine Teilnehmerin.

Der nächste Online-Austausch von Bertelsmann Stiftung und Welcome Alliance (welcome-alliance.org) findet am 12. September statt. Das Format wird einmal pro Monat, dienstags in der Mittagszeit, in der Regel von 12:30 Uhr bis 13:30 Uhr angeboten.