”Nur eine auf zukünftige Anforderungen ausgerichtete Weiterbildung schafft es, dass Menschen effektiver und länger am Arbeits- und am gesellschaftlichen Leben teilhaben können“, sagt Martin Noack, Weiterbildungsexperte der Bertelsmann Stiftung. ”Sie schafft für Unternehmen den Zugang zu dringend benötigten Kompetenzen und unterstützt die Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz Deutschlands.“
Damit die Weiterbildung in Deutschland zukunftsfähig wird, braucht es eine bessere politische Steuerung, mehr Transparenz über die Qualität von Angeboten und flexiblere Bildungswege.
Derzeit sind Zuständigkeiten und Koordination zu komplex geregelt, die Finanzstrukturen sind zu stark zerfasert und die Anbieterlandschaft ist sehr unübersichtlich. Hier sollte die Politik ihrer Steuerungsfunktion stärker nachkommen. Insbesondere für kleinere Unternehmen ist es schwierig, den richtigen Weiterbildungsanbieter und das richtige Angebot zu finden. Die Folge: Der Mangel an Transparenz verringert sowohl die Teilnehmendenzahlen als auch die notwendigen Investitionen in Weiterbildung. Darüber hinaus sind die Wege der Weiterbildung – trotz einiger Fortschritte – noch immer viel zu starr, die Anerkennung erworbener Kompetenzen ist oft schwierig.
Um auf dem Weg zu einer besseren Weiterbildung voranzukommen, die die vorhandenen Kompetenzpotenziale auch wirklich ausschöpft, müssen daher strukturelle Hindernisse überwunden werden.
Zu viele gute Ideen kommen aktuell über die Pilotphase oder die Evaluierung nicht hinaus. „Festgefahrene Interessen und der große Einfluss einzelner Akteure tragen zu einem Mangel an notwendigem Pragmatismus in der Politikgestaltung bei“, sagt Noack. Vielen vielversprechenden staatlichen Initiativen fehlt es an Reichweite und an Kontinuität, weil die Finanzierung nicht dauerhaft gesichert ist.
Es mangelt außerdem an Daten, um die Wirksamkeit von Weiterbildungsmaßnahmen zu messen. Selbst grundlegende Kennzahlen zu spezifischen Maßnahmen sind häufig nur eingeschränkt verfügbar.
Und schließlich steht im Mittelpunkt der Debatte über Weiterbildung viel zu oft die Sorge über das Risiko, seinen Arbeitsplatz zu verlieren und über den vermeintlichen wirtschaftlichen Niedergang. Dabei braucht es die positiven Botschaften: “Wir müssen deutlich machen: Weiterbildung bedeutet wirtschaftliche Stärke, gesellschaftliche Resilienz und individuelle Selbstbestimmung”, sagt Noack.