Altes Gebäude in Griechenland

Weiterbildung ist ein wichtiger Hebel für wirtschaftliche Stärke: Wie eine Reform gelingen kann

Wie finden Unternehmen Zeiten des Strukturwandels die richtigen Mitarbeitenden? Wie finden Beschäftigte genau die Weiterbildung, die sie tatsächlich und verlässlich voranbringt? Und wie gelingt es, mit öffentlichen Investitionen die Weiterbildung so zu verbessern, dass sie Qualifikationen liefert, die auf dem Arbeitsmarkt und für die Gesellschaft besonders gefragt sind?

#Weiterbildung   #Teilqualifikation   #Arbeitsmarkt   #Fachkräftemangel

 

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Dr. Martin Noack
Senior Expert Betriebliche Bildung und Weiterbildung

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Die Bertelsmann Stiftung und die OECD wollen helfen Antworten zu finden, denn Digitalisierung, Dekarbonisierung und demografischer Wandel verändern die Arbeitswelt mit immer größerer Geschwindigkeit. Weiterbildung ist ein zentraler Hebel, um diesen Strukturwandel zu meistern. OECD und Bertelsmann Stiftung haben deshalb mit zentralen Akteur:innen aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft Wissenschaft und Zivilgesellschaft einen Reformdialog  zur Zukunft der Weiterbildung gestartet.

Eine zukunftsfähige Weiterbildung, die Deutschlands Potenziale erschließt, muss dabei drei Ziele erreichen: Sie muss bedarfsgerecht auf die Anforderungen des Arbeitsmarkts, der Gesellschaft und der Lernenden reagieren. Sie muss sich jederzeit an die sich wandelnden wirtschaftlichen, politischen und sozialen Gegebenheiten anpassen. Und sie muss für alle zugänglich sein. 

”Nur eine auf zukünftige Anforderungen ausgerichtete Weiterbildung schafft es, dass Menschen effektiver und länger am Arbeits- und am gesellschaftlichen Leben teilhaben können“, sagt Martin Noack, Weiterbildungsexperte der Bertelsmann Stiftung. ”Sie schafft für Unternehmen den Zugang zu dringend benötigten Kompetenzen und unterstützt die Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz Deutschlands.“

Damit die Weiterbildung in Deutschland zukunftsfähig wird, braucht es eine bessere politische Steuerung, mehr Transparenz über die Qualität von Angeboten und flexiblere Bildungswege. 

Derzeit sind Zuständigkeiten und Koordination zu komplex geregelt, die Finanzstrukturen sind zu stark zerfasert und die Anbieterlandschaft ist sehr unübersichtlich. Hier sollte die Politik ihrer Steuerungsfunktion stärker nachkommen. Insbesondere für kleinere Unternehmen ist es schwierig, den richtigen Weiterbildungsanbieter und das richtige Angebot zu finden. Die Folge: Der Mangel an Transparenz verringert sowohl die Teilnehmendenzahlen als auch die notwendigen Investitionen in Weiterbildung. Darüber hinaus sind die Wege der Weiterbildung – trotz einiger Fortschritte – noch immer viel zu starr, die Anerkennung erworbener Kompetenzen ist oft schwierig.  

Um auf dem Weg zu einer besseren Weiterbildung voranzukommen, die die vorhandenen Kompetenzpotenziale auch wirklich ausschöpft, müssen daher strukturelle Hindernisse überwunden werden. 

Zu viele gute Ideen kommen aktuell über die Pilotphase oder die Evaluierung nicht hinaus. „Festgefahrene Interessen und der große Einfluss einzelner Akteure tragen zu einem Mangel an notwendigem Pragmatismus in der Politikgestaltung bei“, sagt Noack. Vielen vielversprechenden staatlichen Initiativen fehlt es an Reichweite und an Kontinuität, weil die Finanzierung nicht dauerhaft gesichert ist. 

Es mangelt außerdem an Daten, um die Wirksamkeit von Weiterbildungsmaßnahmen zu messen. Selbst grundlegende Kennzahlen zu spezifischen Maßnahmen sind häufig nur eingeschränkt verfügbar. 

Und schließlich steht im Mittelpunkt der Debatte über Weiterbildung viel zu oft die Sorge über das Risiko, seinen Arbeitsplatz zu verlieren und über den vermeintlichen wirtschaftlichen Niedergang. Dabei braucht es die positiven Botschaften: “Wir müssen deutlich machen: Weiterbildung bedeutet wirtschaftliche Stärke, gesellschaftliche Resilienz und individuelle Selbstbestimmung”, sagt Noack.

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