Berufliche Kompetenzen erkennen
Gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit entwickeln wir Kompetenztests für 30 Berufe, damit Menschen ihre praktischen Erfahrungen auf dem Weg in den Job oder die Qualifizierung nutzen können.
Foto Stefan Empter

Ansprechpartner

Dr. Stefan Empter

Senior Director

Telefon: +49(5241)81-81137 E-Mail: Nachricht schreiben Profil
Foto Frank Frick

Ansprechpartner

Frank Frick

Director

Telefon: +49(5241)81-81253 E-Mail: Nachricht schreiben Profil

Über das Projekt

Berufliche Kompetenzen erkennen

Zur Arbeitsmarktintegration von formal niedrig Qualifizierten, von Migranten/innen und Flüchtlingen plant die Bundesagentur für Arbeit gemeinsam mit der Bertelsmann Stiftung, beruflich verwertbare, informell oder non-formal erworbene Kompetenzen besser zu erfassen und für die Vermittlung in Ausbildung oder Beschäftigung zu nutzen.

Berufliche Kompetenzen erkennen - Fragen und Antworten

Viele Flüchtlinge und sogenannte geringqualifizierte Menschen haben keinen formalen Berufsabschluss. Beide Zielgruppen verfügen aber oft über langjährige Berufserfahrung. Die Kompetenztests sollen Aufschluss darüber geben, in welchen typischen betrieblichen Einsatzfeldern eines Berufsbildes diese Erfahrungen auf dem Arbeitsmarkt verwertbar sind.

Die Kompetenztests dauern ungefähr vier Stunden und werden an Computern unter Aufsicht eines/er geschulten Testleiters/in, z. B. des berufspsychologischen Service in Arbeits-agenturen und Jobcentern durchgeführt. Die Teilnehmer/innen erhalten für die 5-8 betrieblichen Einsatzfelder des Berufs jeweils ca. 20 Aufgaben. Die Aufgaben folgen einem standardisierten Muster: Die Teilnehmer/innen sehen Videos und Bilder von typischen betrieblichen Handlungssituationen und erhalten dazu fachliche Fragen. Sie sollen dann z. B. Arbeitsschritte in die richtige Reihenfolge bringen, Fehler in den gezeigten Hand-lungssituationen benennen oder fachliche Fragen zu Arbeitsmitteln oder Arbeitsschutz beantworten. Das Testergebnis dokumentiert das Abschneiden in den jeweiligen Kom-petenzbereichen des Berufs, sodass transparent wird, in welchen Bereichen ein/e Testteilnehmer/in über berufsfachliche Kenntnisse verfügt.

Die Kompetenztests helfen dem Vermittlungspersonal in Arbeitagenturen/Jobcentern, die individuelle Vermittlung auf betriebliche Einsatzfelder gezielter zu gestalten. Aus den Testergebnissen lässt sich ableiten, ob und ggf. in welchen betrieblichen Einsatzfeldern eine frühzeitige direkte Arbeitsmarktintegration angestrebt werden kann oder ob zunächst ein Qualifizierung erfolgen sollte. Die Kompetenztests ersetzen keine beruflichen Abschlüsse und sind nicht als Nachweis der beruflichen Handlungskompetenz in einem Ausbildungsberuf geeignet, da sie auf ausgewählte betriebliche Einsatzbereiche beschränkt sind. Als Test beruflicher Kenntnisse ersetzt er auch nicht die umfassende Feststellung und Bewertung praktischer Fertigkeiten.

Die Kompetenztests werden für insgesamt 30 Berufe entwickelt. Für die Auswahl der Berufe wurden unter anderem die beruflichen Vorerfahrungen der Zielgruppen und die Nachfrage auf dem deutschen Arbeitsmarkt berücksichtigt. Die ersten Tests werden für die Berufe KFZ-Mechatroniker/in, Verkäufer/in, Koch/Köchin, Fachkraft im Gastgewerbe, Tischler/in, Hochbaufacharbeiter/in, Ausbaufacharbeiter/in sowie Landwirt/in entwickelt. Ende 2016 sind die ersten Tests im Einsatz. Eine vorläufige Liste der 30 Berufe finden Sie hier:

·         Kfz-Mechatroniker/in

·         Verkäufer/in

·         Koch/Köchin

·         Hochbaufacharbeiter/in

·         Fachkraft für Gastgewerbe

·         Landwirt/in

·         Fachkraft für Metalltechnik

·         Ausbaufacharbeiter/in

·         Tischler/in

·         Elektroniker/in

·         Bauten- und Objektbeschichter/in (Maler/in)

·         Friseur/in

·         Anlagenmechaniker/in

·         Altenpflegehelfer/in

·         Änderungsschneider/in

·         Fachlagerist/in

·         Bäcker/in

·         Berufskraftfahrer/in

·         Fachinformatiker/in - Systemintegration

·         Industrieelektriker/in

·         Maschinen- und Anlagenführer/in

·         Tiefbaufacharbeiter/in

·         Fachkraft – Möbel-, Küchen-, Umzugsservice

·         Fachverkäufer/in im Lebensmittelhandw. - Bäckerei

·         Klempner/in

·         Verfahrensmechaniker/in – Kunststoff-/Kautschuktechnik

·         Hauswirtschafter/in

·         Garten-/Landschaftsbauer/-in

·         Gebäudereiniger/-in

·         Fachkraft für Lebensmitteltechnik

Prinzipiell sollte jeder Mensch, der in Deutschland leben und arbeiten möchte, so schnell wie möglich Deutsch sprechen, lesen und schreiben lernen. Für eine schnelle Arbeitsmarktintegration ist es aber auch wichtig, die beruflichen Kompetenzen von Menschen frühzeitig zu erfassen. Eine erste Kompetenzerfassung sollte daher nicht um Jahre verzögert werden bis umfassende berufsspezifische Sprachkenntisse vorliegen. Deshalb werden die Tests in Deutsch und den wichtigsten Herkunftssprachen der Flüchtlinge und Migranten/innen angeboten: Arabisch und Neupersisch, Russisch, Türkisch und Englisch. So kann die Arbeitssuche früher beginnen und Deutschkurse können berufsbegleitend belegt werden.

Testteilnehmer/innen sollten über mehrere Jahre Arbeitserfahrung verfügen und in ihrer Muttersprache alphabetisiert sein. Geflüchtete sollten zudem eine positive Bleibeperspektive in Deutschland haben. Die Test sind für die Teilnehmer und Teilnehmerinnen kostenlos.

Testteilnehmer/innen können auf Basis des Testergebnisses besser einschätzen, für welche in Deutschland typischen betrieblichen Einsatzfelder Kompetenzen vorliegen. Aus den Tests können sich auch Hinweise auf Qualifizierungsbedarfe ergeben. Die Kompetenztests ergänzen die Selbsteinschätzungen durch eine erste Fremdeinschätzung der beruflichen Kompetenzen und erleichtern damit die Arbeitssuche sowie die passgenaue Vermittlung in Qualifizierung, Probearbeit, Praktikum oder Beschäftigung.

Arbeitgeber/innen erhalten über das Testergebnis eine erste Bewertung der Kompetenzen der Bewerber/innen und Hinweise auf mögliche Einsatzfelder im Betrieb. Es handelt sich dabei nicht um den Nachweis einer Berufsqualifikation. Darauf aufbauend können in Qualifizierungsmaßnahmen, Probearbeit, Praktikum oder Beschäftigung die beruflichen Kompetenzen überprüft und ggf. erweitert werden.

Bestehende Instrumente zur Kompetenzfeststellung von Migranten und Migrantinnen und Personen ohne Berufsabschluss zielen entweder auf die Anerkennung von im Ausland erworbenen Berufsabschlüssen oder auf den nachträglichen Abschlusserwerb. Sie sind daher nur für eine kleine Gruppe der Flüchtlinge geeignet, die eine mit dem deutschen Standard vergleichbare Ausbildung absolviert haben.

Für die große Gruppe der Flüchtlinge und formal geringqualifizierter Menschen ohne anerkennbare Abschlüsse oder Qualifikationen fehlt derzeit für Vermittler und Vermittlerinnen ein schnell durchzuführendes, aussagekräftiges und bundesweit einheitliches Instrument, das informell erworbene Kompetenzen für die Ausübung von beruflichen Tätigkeiten erfasst, die am Arbeitsmarkt nachgefragt werden.

Die Tests stehen nicht in Konkurrenz zu dem im Projekt ValiKom zu entwickelnden Verfahren zur Validierung von non-formal und informell erworbenen beruflichen Kompetenzen sowie unternehmens- und brancheneigenen Kompetenztests, wie beispielsweise dem Projekt AiKo von Südwestmetall und IG Metall, da die getesteten Kompetenzen nicht am Standard von ganzheitlichen Berufsabschlüssen bewertet werden. Zudem werden sie nur durch die Agenturen und Jobcenter genutzt.

 

Jeder Kompetenztest wird von berufsfachlichen Experten und Expertinnen entwickelt und in Praxisworkshops mit Vertretern und Vertreterinnen der zuständigen Stellen (z. B. Handwerkskammern, Industrie- und Handelskammern, Landwirtschaftskammern), Meistern und Meisterinnen, Ausbildern und Ausbilderinnen und anderen Berufspraktikern und Berufspraktikerinnen überprüft. Auch der für einen Beruf federführende Fachverband wird in die Testentwicklung eingebunden.

Wissenschaftler/innen des Forschungsinstitut für berufliche Bildung (fbb), der Humboldt- und der Freien Universität Berlin, der Universität Ulm und des Deutschen Instituts für internationale pädagogische Forschung (DIPF) begleiten und überprüfen jeden Schritt der Entwicklung und Umsetzung des Testverfahrens (Psychometrie, Kompetenzmodellierung, Testscoring, Itemkonstruktion, Testheftentwicklung, statistische Analysen, Evaluation). Zusätzlich wird das Projekt von einem Projektbeirat mit Vertretern und Vertreterinnen der Arbeitgeber/innen- und Arbeitnehmer/innenseite, der Kammern (ZDH, DIHK) und aus Bundesministerien begleitet.

Publikationen


 

Publikation

Potenziale erkennen - Kompetenzen sichtbar machen

Die Broschüre ist in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb) und in enger Kooperation mit den Spitzenverbänden ... weiterlesen

Publikation

Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen: bestehende Praxisansätze und weiterführende Empfehlungen

Deutschland steht vor der Herausforderung, Hunderttausende Flüchtlinge ins Erwerbsleben zu integrieren. Die vorliegende Studie von Jutta Aumüller ... weiterlesen

Publikation

Die Arbeitsintegration von Flüchtlingen in Deutschland

Kaum ein Thema bewegt die Menschen im Land zurzeit so sehr wie die aktuelle Flüchtlingskrise. Qualifikationen, Fähigkeiten, Motivation und ... weiterlesen

Publikation

Wenn aus Kompetenzen berufliche Chancen werden

Deutschland braucht ein verbindliches Anerkennungssystem für non-formal oder informell erworbene Kompetenzen, um Chancengerechtigkeit auf dem ... weiterlesen