Testsituation am Computer einer heterogenen Gruppe

MYSKILLS - Berufliche Kompetenzen erkennen

Bundesagentur für Arbeit und Bertelsmann Stiftung haben den Test MYSKILLS entwickelt. Der Test macht berufliches Wissen sichtbar. Er soll auf dem Arbeitsmarkt die Chancen der Menschen erhöhen, die ihre informell oder non-formal erworbenen Kompetenzen bislang kaum belegen konnten. Arbeitsagenturen und Jobcenter bieten MYSKILLS für 30 Berufe in jeweils zwölf Sprachen an.

Inhalt

Deutschland ist zurecht stolz auf sein Ausbildungssystem. Es ist einer der Grundpfeiler unserer Wirtschaft. Aber: Wer über keinen Berufsabschluss verfügt, hat es schwer bei der Jobsuche. Denn selbst wenn er schon mehrere Jahre erfolgreich in einem Beruf gearbeitet und dort eine Menge gelernt hat, kann er das in einer Bewerbung kaum nachweisen. Der Arbeitgeber wiederum kann schwer einschätzen, was der Bewerber wirklich kann. Und für den Berufsberater bei der Arbeitsagentur ist es oft schwierig, den Kunden zielgerichtet an Jobangebote oder in Weiterqualifizierungen zu vermitteln.

Vor dem Problem stehen auch die rund 4,7 Millionen geringqualifizierten Erwerbspersonen, wenn sie sich woanders bewerben wollen. Und vor allem ist das ein Problem für die Zuwanderer und die über eine Million Geflüchteten, die seit 2015 nach Deutschland gekommen sind.

Ihnen fehlt es oftmals nicht an Berufserfahrung. Aber es fehlt häufig an Zertifikaten, an Kenntnis über die deutsche Berufslandschaft und an Sprachkenntnissen, um erklären zu können, was sie in ihren Herkunftsländern beruflich gemacht haben.

Wir wollen das Unsichtbare sichtbar machen. Denn wenn informell erworbene Kompetenzen zu Tage treten, dann dient das der gesellschaftlichen Integration von Geflüchteten und hilft gegen den Fachkräftemangel in vielen Branchen. Dies gilt insbesondere für das Handwerk. Unter den Geflüchteten und Arbeitssuchenden gibt es Talente, die viele Betriebe händeringend suchen. Wir müssen sie nur zusammenbringen, und dabei soll MYSKILLS helfen.

MYSKILLS - Fragen und Antworten

An wen richtet sich MYSKILLS?

Der Test ist für alle Arbeitssuchenden geeignet, die mehrjährige Erfahrung in einem der Berufe von MYSKILLS mitbringen, aber keinen Berufsabschluss haben. Er wendet sich auch an Geflüchtete und Migranten, die aus ihrem Herkunftsland berufliche Kompetenzen mitbringen, dafür aber keine Nachweise vorlegen können. Ihre Fähigkeiten waren bislang für die Vermittler der Arbeitsagenturen und Jobcenter sowie für potenzielle Arbeitgeber nur schwer einzuschätzen, was eine Integration in den Arbeitsmarkt erschwerte. Das Testverfahren MYSKILLS liefert jetzt eine verlässliche Standortbestimmung, was jemand in einem Beruf kann.

Wer führt die Tests durch?

Ausschließlich Arbeitsagenturen und Jobcenter bieten die Tests an. Wer einen Test in einem der angebotenen Berufe absolvieren möchte, muss sich an seinen Berater in der Arbeitsagentur oder Jobcenter wenden.

Wie testet MYSKILLS die berufsfachlichen Kenntnisse?

Jeder computergestützte Test enthält rund 120 berufsspezifische Fragen und dauert ungefähr vier Stunden. Die Teilnehmer sehen Videos und Bilder von typischen betrieblichen Praxissituationen und erhalten dazu fachliche Fragen. Die Testergebnisse werden automatisch generiert und können bereits in den folgenden Tagen in einem Beratungsgespräch besprochen werden. Es entsteht ein differenziertes Bild, in welchen Tätigkeitsbereichen der Teilnehmer handlungssicher ist. 

Welchem Zweck dient MYSKILLS?

Die Kompetenztests helfen den Beratern in den Arbeitsagenturen und Jobcentern, die individuelle Vermittlung gezielter zu gestalten. Aus den Testergebnissen lässt sich ableiten, ob eine frühzeitige direkte Arbeitsmarktintegration angestrebt werden oder zunächst eine Qualifizierung erfolgen sollte. 

Für welche Berufe werden Tests entwickelt?

MYSKILLS gibt es für 30 Berufe. Die Gesamtliste der Berufe finden Sie hier:

·       Kfz-Mechatroniker/in

·       Verkäufer/in

·       Koch/Köchin

·       Hochbaufacharbeiter/in – Schwerpunkt Maurerarbeiten

·       Fachkraft für Gastgewerbe

·       Landwirt/in

·       Fachkraft für Metalltechnik – Fachrichtung Konstruktionstechnik

·       Ausbaufacharbeiter/in – Schwerpunkt Fliesen-, Platten- und Mosaikarbeiten

·       Tischler/in

·       Elektroniker/in – Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik

·       Bauten- und Objektbeschichter/in (Maler/in)

·       Friseur/in

·       Anlagenmechaniker/in für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik

·       Altenpflegehelfer/in

·       Änderungsschneider/in

·       Fachlagerist/in

·       Bäcker/in

·       Berufskraftfahrer/in

·       Fachinformatiker/in – Fachrichtung Systemintegration

·       Industrieelektriker/in – Fachrichtung Betriebstechnik

·       Maschinen- und Anlagenführer/in – Schwerpunkt Metalltechnik

·       Tiefbaufacharbeiter/in – Schwerpunkt Straßenbauarbeiten

·       Fachkraft für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice

·       Fachverkäufer/in im Lebensmittelhandwerk – Schwerpunkt Bäckerei

·       Klempner/in

·       Verfahrensmechaniker/in für Kunststoff- und Kautschuktechnik

·       Hauswirtschafter/in

·       Gärtner/in – Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau

·       Gebäudereiniger/-in

·       Fachkraft für Lebensmitteltechnik

In welchen Sprachen gibt es MYSKILLS?

Für eine schnelle Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten und Migranten ist es wichtig, deren berufliche Kompetenzen frühzeitig zu erfassen. Deshalb werden die Tests nicht nur in Deutsch, sondern auch in Hocharabisch, Persisch (Farsi), Russisch, Türkisch, Englisch, Polnisch, Bulgarisch, Französisch Portugiesisch, Spanisch und Rumänisch angeboten. So kann die Arbeitssuche früher beginnen, und Deutschkurse können berufsbegleitend belegt werden.

Welchen Vorteil bietet MYSKILLS den Teilnehmer/innen?

Testteilnehmer/innen können auf Basis des Testergebnisses besser einschätzen, welche Anforderungen ein Beruf in Deutschland stellt und in welchen Bereichen ihre Stärken liegen. Sie erhalten einen Eindruck von etwaigen Qualifizierungslücken und können sich gezielt um Weiterbildungen bemühen.

Welchen Vorteil bietet MYSKILLS den Beratern in Arbeitsagenturen und Jobcentern?

Die Kompetenztests erleichtern die passgenaue Vermittlung in Qualifizierung, Probearbeit, Praktikum oder Beschäftigung. 

Welchen Vorteil bietet MYSKILLS den Unternehmen?

Arbeitgeber erhalten ein differenziertes Bild über das berufliche Handlungswissen, das ein Bewerber aufgrund seiner Erfahrung mitbringt, auch wenn anerkannte Zeugnisse fehlen. Dadurch können Unternehmer besser einschätzen, ob jemand auf eine offene Stelle in ihrem Betrieb passt.

Können den Teilnehmer/innen an MYSKILLS Nachteile entstehen?

Nein. Das Testergebnis wird einzig und allein zur Unterstützung bei der Arbeitssuche verwendet. Die Teilnahme am Test ist freiwillig. Ebenso entscheidet der Teilnehmer selbst, ob er das Testergebnis seinen Bewerbungsunterlagen beifügt. Alle sonstigen Rechte und Pflichten bleiben von Testteilnahme und Testergebnis unberührt.

Wie werden Betriebe, Akteure der Berufsbildung, Verbände und Wissenschaft in die Testentwicklung eingebunden?

Die Tests werden von Experten der jeweiligen Berufe und Wissenschaftlern entwickelt. Sie werden unter Einbezug von Arbeitgebern, Prüfern, Ausbildern, Berufschullehrern, Berufsfachverbänden und Kammervertretern entwickelt.

Wissenschaftler/innen des Forschungsinstituts für berufliche Bildung (f-bb), der Humboldt- und der Freien Universität Berlin, der Universität Ulm, der Universität Potsdam und des Deutschen Instituts für internationale pädagogische Forschung (DIPF) begleiten und überprüfen jeden Schritt der Entwicklung und Umsetzung des Testverfahrens (Psychometrie, Kompetenzmodellierung, Testscoring, Itemkonstruktion, Testheftentwicklung, statistische Analysen, Evaluation). Zusätzlich wird das Projekt von einem Projektbeirat mit Vertretern und Vertreterinnen der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite, der Kammern (ZDH, DIHK) und aus Bundesministerien begleitet.

In welchem Verhältnis steht MYSKILLS zu anderen Verfahren der Kompetenzfeststellung?

MYSKILLS ergänzt bestehende Instrumente zur Kompetenzfeststellung von Migrant/innen. Bislang fehlte ein schnell durchzuführendes, aussagekräftiges und bundesweit einheitliches Instrument, das informell erworbene Kompetenzen für die Ausübung von beruflichen Tätigkeiten erfasst.

Wer bei MYSKILLS gut abschneidet, kommt eventuell für formale Anerkennungsverfahren wie ValiKom oder eine Externenprüfung in Frage, die getestete Kompetenzen am Standard von ganzheitlichen Berufsabschlüssen bewerten.

Warum engagiert sich die Bertelsmann Stiftung in dem Projekt?

Die Bertelsmann Stiftung will Teilhabe fördern. Mit unseren Studien analysieren wir, wo und für wen es an Chancen mangelt, zeigen Gründe für Defizite auf und entwickeln Lösungsvorschläge. Diese Studien sind aber nur ein Bestandteil unserer Arbeit, wenn auch der öffentlich meist stärker wahrgenommene. Ein anderer wichtiger Teil unserer Arbeit besteht darin, die Lösungsvorschläge in Pilotprojekten zu testen und in die Praxis umzusetzen. Das gilt etwa für einen unserer Arbeitsschwerpunkte, der besseren Integration von arbeitssuchenden Menschen, insbesondere mit Fluchthintergrund, in den Arbeitsmarkt.

Aus ihrer langjährigen Programmarbeit hat die Bertelsmann Stiftung viele wissenschaftliche Erkenntnisse und empirischen Beobachtungen zu den Themen Aus- und Weiterbildung, Kompetenzanerkennung sowie Migration zusammengetragen. In den vergangenen Jahren hat die Stiftung zum Beispiel die sogenannten Kompetenzkarten entwickelt, die in der Integrationsberatung sehr stark nachgefragt werden. Diese Erfahrungen nutzt die Bertelsmann Stiftung, um gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit Kompetenzfeststellung zu standardisieren und sprachunabhängig zu ermöglichen. Berufserfahrung von Geflüchteten und Migranten schnell und einfach zu erkennen, ist nach unserer Überzeugung ein Meilenstein auf dem Weg zu schnellerer und besserer beruflicher und gesellschaftlicher Integration.