Patentdynamik in zentralen Technologiebereichen

Deutschland verliert Weltmarktanteile bei Zukunftstechnologien

Deutschlands technologische Wettbewerbsfähigkeit ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten spürbar zurückgegangen. Eine Analyse der Patentaktivität innerhalb von 15 Zukunftstechnologien zeigt, dass Deutschland zunehmend hinter internationale Wettbewerber zurückfällt. Gleichzeitig verliert der Standort an Einfluss auf die Nutzung und Verwertung dieser Innovationen: Per Saldo werden deutlich mehr in Deutschland entwickelte Patente vom Ausland kontrolliert als umgekehrt. Der Rückgang betrifft damit sowohl die Innovationsleistung als auch die technologische Souveränität Deutschlands.

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Dr. Marcus Wortmann
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Die neue Studie „Industrieposition in der Zukunft: Patentdynamik in zentralen Technologiebereichen“, die das Institut der deutschen Wirtschaft im Auftrag der Bertelsmann Stiftung erstellt hat, zeigt: Zwischen 2000 und 2022 sank der deutsche Anteil am globalen Patentgeschehen von 21,9 auf 15,0 Prozent. Dieser Rückgang war nicht allein durch das Aufholen anderer Länder am Patentweltmarkt zurückzuführen. Seit 2018 geht auch die absolute Zahl der am Forschungsstandort Deutschland hervorgebrachten Patente zurück.

Unterschiedliche Entwicklung bei Zukunftstechnologien

Diese Entwicklung ist nicht auf einzelne Technologiefelder beschränkt, sondern zeigt sich in nahezu allen 15 Technologien. Besonders schwach ist die deutsche Position in Digitalisierungstechnologien und den Lebenswissenschaften. Bei Künstlicher Intelligenz, Cybersecurity, Quantencomputing, pharmazeutischer Technologie und Biotechnologie liegt Deutschlands Patentweltmarktanteil deutlich unter dem technologieübergreifenden Durchschnitt. In Biotechnologie und pharmazeutischer Technologie geht die Patentaktivität zudem auch absolut zurück.

Vergleichsweise besser steht Deutschland weiterhin in automobilnahen Technologien da, etwa beim elektrifizierten Antriebsstrang und bei autonomer Mobilität. Hier nimmt die Zahl der Patentanmeldungen zu. Dennoch geraten die deutschen Anteile auch hier unter Druck, weil Wettbewerber insbesondere bei Batterietechnik und autonomer Mobilität schneller zulegen.

Ungleiche Kontrollrechtsverteilung und Resilienzrisiken

Hinzu kommt ein Verlust an Kontrolle über technologisches Wissen, da sich mittlerweile knapp 30 Prozent der in Deutschland hervorgebrachten Patente im Besitz ausländischer Eigentümer befinden (rund 189.000 Patente). Das ist deutlich mehr als die rund 102.000 Patente, die an einem ausländischen Forschungsstandort hervorgebracht wurden und aktuell von einem Global Ultimate Owner aus Deutschland kontrolliert werden. Dadurch können strategische Abhängigkeiten und Resilienzrisiken entstehen. Besonders ausgeprägt ist der negative Patentsaldo in Digitalisierungstechnologien, wo rund 8.700 in Deutschland entwickelte Patente von US-Eigentümern kontrolliert werden. Auch bei Halbleitern und in der Biotechnologie übersteigt die Zahl der von den USA kontrollierten Patente die deutschen Gegenpositionen deutlich.

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