Junge Menschen vor einem Whiteboard
Veit Mette

, Studie: Kulturelle Vielfalt wirkt sich positiv auf Innovation aus

Kulturelle Vielfalt bietet Chancen – dies gilt auch für die Innovationsfähigkeit von Unternehmen. Unsere Studie zum Reinhard Mohn Preis 2018 zeigt: Wer auf Mitarbeiter unterschiedlicher kultureller Herkunft setzt, ist besser in der Lage, Ideen für neue Produkte, Dienstleistungen oder Prozesse zu entwickeln. Doch kulturelle Vielfalt wird noch nicht in jedem Unternehmen gleichermaßen gelebt.

Historisch betrachtet ist kulturelle Vielfalt schon immer Realität in Deutschland gewesen. Gleichwohl hat sich immer wieder von neuem die Frage gestellt, wie wir in Deutschland mit dieser Vielfalt umgehen wollen. Der Reinhard Mohn Preis 2018 „Vielfalt leben – Gesellschaft gestalten“ setzt hierfür Impulse. So zeigt etwa die Studie „Faktor Vielfalt“, dass sich eine kulturell vielfältige Mitarbeiterschaft positiv auf Innovationen auswirkt.

Für die Studie hat ein Team der VDI Technologiezentrum GmbH (VDI TZ) unter Leitung von Dr. Silke Stahl-Rolf in unserem Auftrag bestehende Forschungsarbeiten ausgewertet und die Ergebnisse mit Experten aus Forschung, Nicht-Regierungsorganisationen (NGO), Unternehmen, Verwaltung und Zivilgesellschaft reflektiert.

Kulturelle Vielfalt macht einen Unterschied

Die betrachteten Studien weisen auf einen moderaten positiven Zusammenhang zwischen kultureller Vielfalt und Innovation hin. Demnach wirkt sich kulturelle Vielfalt stärker auf Innovationen aus als andere Merkmale für Vielfalt, wie etwa Alter und Geschlecht.

Ein weiteres zentrales Ergebnis: Insbesondere die Heterogenität innerhalb von Arbeitsgruppen spielt eine entscheidende Rolle – je vielfältiger die Zusammensetzung eines Teams hinsichtlich der Herkunftsländer seiner Mitarbeiter, desto stärker wirkt sich dies positiv auf die Innovationsfähigkeit aus.

Es gibt mehrere mögliche Erklärungen, warum kulturelle Vielfalt die Innovationskraft von Unternehmen und Regionen erhöht. Mitarbeiter unterschiedlicher Herkunft bringen kulturell spezifisches Wissen mit, erfassen und lösen Probleme aufgrund dieser Prägung unterschiedlich und verfügen nicht zuletzt oft über eine höhere Risikobereitschaft. Gleichwohl birgt eine kulturell vielfältig zusammengesetzte Mitarbeiterschaft auch Herausforderungen. Dazu gehören etwa Sprachbarrieren sowie mögliche Konflikte: Unterschiedliche Interpretationsmuster oder kulturelle Werte können zu Missverständnissen führen, die die Zusammenarbeit zunächst erschweren.

Infografik zur Rolle kultureller Vielfalt für Innovationen in Deutschland

Jede zweite befragte Führungskraft sieht Zusammenhang zwischen kultureller Vielfalt und Innovation

Ergänzend hat das Meinungsforschungsinstitut YouGov für die Studie 500 Fach- und Führungskräfte befragt. Nahezu jeder zweite Befragte ist der Auffassung, dass ein Zusammenhang zwischen kultureller Vielfalt und der Innovationsfähigkeit von Unternehmen besteht. Dabei geben 42 Prozent an, dass ihr Unternehmen nicht auf eine vielfältige Zusammensetzung der Mitarbeiterschaft achtet.

Wenn man mittelständische Unternehmen und Großunternehmen vergleicht, zeigt sich ein deutlicher Unterschied: Während 56 Prozent der Befragten aus Großunternehmen angeben, dass ihre Firmen bei der Zusammenstellung der Mitarbeiterschaft auf kulturelle Vielfalt achten, sind dies in mittelständischen Unternehmen lediglich 46 Prozent.

Gefragt, ob es Gründe gibt, die eine kulturell vielfältige Zusammensetzung der Mitarbeiterschaft erschweren, antworten zwei von drei Befragten, dass es in ihrem jeweiligen Unternehmen keine Hinderungsgründe gibt. Unter denjenigen, die Hinderungsgründe nennen, stehen Sprachbarrieren an erster Stelle (76 Prozent), gefolgt von einer länger dauernden Eingewöhnungszeit (62 Prozent) und Schwierigkeiten bei der Rekrutierung (53 Prozent).

Empfehlungen

Um Vielfalt in der Mitarbeiterschaft zu fördern und den Faktor Vielfalt optimal zur Sicherung der Innovationsfähigkeit zu nutzen, empfehlen die Studienautoren besonders kleineren und mittleren Unternehmen ein gezieltes Diversity Management, das neben Geschlecht, Alter, sexueller Orientierung und Behinderung auch kulturelle Vielfalt berücksichtigt. Aufgrund der Ressourcenknappheit könnten hierbei Kommunen und Regionen eine wichtige Rolle spielen: Besonders vielversprechend sind mehrschichtige Ansätze, die Bildung und Qualifizierung von Bewerbern, Wirtschaftsförderung und Quartiersmanagement verbinden und an denen sich Akteure aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft beteiligen. Insbesondere Mittelständler dürften von einer solchen regionalen Bündelung und dem damit verbundenen Erfahrungsaustausch profitieren.

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