Vier ukrainische Flaggen an einem Gerüst eines Gebäudes

Ukraine: Online Austausch - Update Wohnen und Unterbringung

Noch immer ist die Unterbringung der Schutzsuchenden aus der Ukraine der größte Engpass. Doch inzwischen steigt der Bedarf an Wohnraum für die Kriegsflüchtlinge auch außerhalb der größeren Städte. Wie können private Anbieter:innen von Wohnraum entlastet werden? Und was ist aus der Idee einer bundesweiten Plattform für die Vermittlung von Zimmern und Wohnungen zwischen Bieter:innen und potenziellen Mieter:innen aus der Ukraine geworden?  Der Main-Taunuskreis bietet an, die privaten Wohnungsanbietenden finanziell zu unterstützen. Catalin Hartwig (Alliance4Ukraine) gab einen Einblick in die Entwicklung einer bundesweiten Plattform zur Unterbringung. 

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„Viele bei uns haben nach Kriegsausbruch spontan Leute aus der Ukraine aufgenommen, doch nachdem in den letzten Wochen die Kosten für Heizung und Strom eklatant gestiegen sind, ist das vielen, die privat vermieten, einfach zu teuer geworden“, schildert Marianne Köhne aus Hofheim im Main-Taunus-Kreis die Ausgangslage. Netzwerk und Verwaltung haben hierzu eine pragmatische Lösung entwickelt: Mit einem einfachen Formular https://www.mtk.org/statics/ds_doc/downloads/Ukraine_Unterkunfts_Bescheinigung.pdf können sich die Privat-Vermietenden die anfallenden Kosten von Wohnen, Heizung und Strom erstatten lassen. Zudem stellte Marianne Köhne das Netzwerk Wohnraum schaffen vor. Beteiligt sind hieran Haupt- und Ehrenamtliche aus Kirchen, DGB und anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen sowie der Kommunalverwaltung - mit dem Anliegen, Erfahrungen auszutauschen, um bezahlbaren Wohnraum zu ermöglichen. Diese Bemühungen beschränken sich nicht auf Ukrainer:innen, sondern gelten auch anderen wohnungssuchenden Gruppen. „Wir sehen kurzfristig die größten Chancen beim Leerstand“, so Marianne Köhne, „z.B. sprechen wir Seniorinnen und Senioren direkt an, sei es vor der Kirchentür oder bei anderer Gelegenheit, um unvermieteten Wohnraum verfügbar zu machen“.

Catalin Hartwig von ProjectTogether, stellte seitens der Alliance4Ukraine die Pläne für die Matchingplattform für private Hosts & Geflüchtete aus der Ukraine vor. Diese soll als Weiterentwicklung der bisherigen Plattformen von#Unterkunft Ukraine sowie Wunderflats bereits im April an den Start gehen. Unterstützt wird das Vorhaben vom BMI (Bundesministerium des Innern). Im Rahmen des Flüchtlingsgipfels, zu dem Bundesinnenministerin Nancy Faser im Oktober 22 eingeladen hatte, wurde nach innovativen Lösungen gesucht. Ziel ist die Stärkung der privaten Unterbringung, denn es gibt mit ca. 20 Prozent eine relativ hohe Bereitschaft in der Bevölkerung, Schutzsuchende aus der Ukraine aufzunehmen. Zum Prozess gehört nach der Registrierung, den Pass hochzuladen, die eigenen Bedarfe seitens der Schutzsuchenden anzugeben, einen standardisierten Untermietvertrag zu nutzen und ein Sicherheitscheck durch eine Befragung, deren Ergebnisse in den Ampelfarben (grün, gelb und rot) eingeordnet werden. „Eine private Unterbringung ist im Vergleich zu Turnhallen oft menschenwürdiger und integrationsfördernder“, so Catalin Hartwig. Langfristig soll die Matching-Plattform nicht nur für Menschen aus der Ukraine, sondern für die Unterbringung von Menschen in Not nutzbar sein.

Im anschließenden Austausch wurde bestätigt, dass eine digitale Plattform als wichtige Unterstützung dienen kann und dass Kommunikation und der Aufbau von Vertrauen auch bei diesem Thema das A + O ist. Und schließlich plädierten viele Teilnehmende dafür, die Bemühungen um bezahlbaren Wohnraum nicht auf die Schutzsuchenden aus der Ukraine zu beschränken, sondern auch auf andere Gruppen zu erweitern. Positiv wurde gesehen, dass sich kommunale sowie Landes- und Bundes-Ebene zumindest in der Suche nach innovativen Lösungsansätzen aufeinander zubewegen. 

Der nächste Online-Austausch von Bertelsmann Stiftung und Alliance4Ukraine findet am 28. Februar 2023 zum Thema Information in Internet und Kommuen statt. Das Format wird alle 14 Tage dienstags in der Mittagszeit, in der Regel von 12:30 bis 13:30 Uhr angeboten.​​

Weitere Infos: www.willkommen-in-kommunen.de