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Kita-Träger könnten stärker zur Qualität in der frühkindlichen Bildung beitragen

Trotz ihrer zentralen Rolle im System der frühkindlichen Bildung, stehen die Träger bei Fragen der Kita-Qualität bisher selten im Fokus. Eine Befragung von Kita-Leitungskräften zeigt nun, dass es insbesondere bei der Einstellung, Einarbeitung und Weiterbildung von Personal Verbesserungspotenzial gibt. Wenn Träger informiert sind und neue Mitarbeitende eng begleitet werden, wirkt sich das positiv auf Wohlbefinden und Förderung der Kinder aus.

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Anette Stein
Director
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Kathrin Bock-Famulla
Senior Expert Frühkindliche Bildung, Educational Governance und Bildungsfinanzierung
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Noemi Dobelmann
Project Manager
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Teresa Vielstädte
Project Manager

Inhalt

Ob Kommune, Kirchengemeinde, gemeinnütziger Verein, privatgewerbliche Organisation oder Elterninitiative: Ein Träger einer Kita ist rechtlich, finanziell sowie organisatorisch für deren Betrieb verantwortlich. Dazu zählt auch, neue Mitarbeitende einzustellen und das vorhandene Personal bedarfsgerecht weiterzubilden. Dabei kommt es auf ein enges Zusammenspiel zwischen den Trägern und den Kita-Leitungen an. Doch eine von der Bertelsmann Stiftung beauftragte Befragung von rund 4.800 Leitungskräften zeigt, dass hier Verbesserungspotenzial liegt. So gibt fast ein Viertel (23 Prozent) an, dass ausgeschriebene Stellen unterhalb des eigentlich in der Kita benötigten Qualifikationsniveaus angesiedelt waren. Einen Spielraum dazu haben Träger durch eine Öffnung der Personalverordnungen in vielen Bundesländern erhalten. Die Leitungskräfte berichten zudem, dass beim Einstellen von neuen Mitarbeitenden immer wieder Abstriche vorgenommen würden. Demnach würden insbesondere beim Fachwissen (56 Prozent) sowie bei der Reflexionsfähigkeit (40 Prozent) Kompromisse eingegangen. Als Hauptgründe dafür nennen die Leitungskräfte zu 81 Prozent die Absicht, das vorhandene Personal zu entlasten, sowie zu 76 Prozent, das Betreuungsangebot aufrechtzuerhalten.

„Die Verantwortung der Kita-Träger endet nicht mit der Besetzung einer offenen Stelle. Sie müssen gemeinsam mit den Kita-Leitungen sicherstellen, dass neue Mitarbeitende fachlich ausgewählt, gut eingearbeitet und auch nachqualifiziert werden. Nur so können diese die nötigen pädagogischen Kompetenzen erwerben, um die Qualität bei Bildung und Betreuung der Kinder sicherzustellen“, sagt Anette Stein, Director Bildung und Next Generation bei der Bertelsmann Stiftung.

Unklare Prozesse und Zuständigkeiten in der Personalauswahl

Die Ergebnisse legen nahe, dass es in der Abstimmung zwischen Kita-Träger und -Leitungen zur Personalauswahl oft zu Unklarheiten und Widersprüchen kommt. So schildern nur 59 Prozent der befragten Leitungskräfte, dass vor jeder Neueinstellung ein persönliches Gespräch mit dem Träger stattfinde. 62 Prozent geben an, dass der Träger ihnen die alleinige Entscheidung über eine Anstellung überlasse – obwohl dieser rechtlich verantwortlich ist. 
Zugleich berichtet rund jede:r zehnte Befragte, dass der Träger teilweise Personen eingestellt habe, die von der Kita-Leitung als ungeeignet für die Arbeit mit Kindern oder im Team eingestuft wurden.

Auch meinen bis zu 28 Prozent der Leitungskräfte, dass die Träger über die Einarbeitung nicht oder eher nicht informiert sind. So fehlt es den Trägern beispielsweise auch an Wissen darüber, ob die neuen Mitarbeitenden das vorhandene Personal eher be- oder entlasten. Was ebenfalls auffällt: Dass der Träger ein polizeiliches Führungszeugnis vor jeder Einstellung geprüft habe, geben „nur“ 93 Prozent der Befragten an – dabei sind die Träger gesetzlich dazu in jedem Fall verpflichtet. 

Weiterbildung ist ein wirksamer Hebel – wird aber nicht häufig genug eingesetzt

Die Weiterbildung neuer Mitarbeitenden spielt eine Schlüsselrolle. Angesichts sinkender Fachkraft-Quoten in den Kitas hat die Bertelsmann Stiftung bereits auf die Bedeutung berufsbegleitender Qualifizierungs-Maßnahmen hingewiesen. Aus den Daten geht hervor: Je öfter der Träger Weiterbildungen veranlasst und deren Wirkung überprüft, desto besser können Kinder begleitet, gefördert und vor unangemessenem Verhalten des Personals geschützt werden. Wichtig für das Kindeswohl in Kitas sind zudem eine gemeinsame pädagogische Grundhaltung und funktionierende Teamprozesse, vor allem bei der Einarbeitung. Das ergab auch eine Befragung der Bertelsmann Stiftung unter Kita-Fachkräften aus dem Vorjahr. Insofern ist es aus Sicht der Stiftung bedenklich, dass nur 31 Prozent der Leitungskräfte angeben, es käme im Verlauf der Einarbeitung in jedem Fall zu einer Weiterbildung des neu eingestellten Personals, nachdem ein Bedarf festgestellt wurde.

Gestaltungsverantwortung stärker nutzen, politische Rahmenbedingungen verbessern

„Die Bedeutung der Träger für die Qualität einer Kita wird noch zu wenig beleuchtet. Dabei haben sie als Bindeglied zwischen Politik und pädagogischer Praxis viel Gestaltungsverantwortung. Unsere Befragung zeigt, dass sich viele Kita-Leitungen eine aktivere Rolle ihres Trägers sowie einen intensiveren Austausch wünschen“, erklärt Kathrin Bock-Famulla. Die Expertin der Bertelsmann Stiftung für frühkindliche Bildung empfiehlt den Trägern, die Einstellung, Einarbeitung und Qualifizierung von neuen Mitarbeitenden enger zu begleiten und mehr Zeit für den Dialog mit den Leitungskräften einzuräumen.

Der Politik falle laut Bock-Famulla die Aufgabe zu, die Zuständigkeiten von Kita-Trägern rechtlich klarer zu definieren, ihr Handeln zu überprüfen und ihnen notwendige Unterstützung zukommen zu lassen. Für die Bereitstellung von Fachberatung, die Weiterbildung von Mitarbeitenden sowie für die Leitungszeit – die Kita-Leitungen unter anderem für Gespräche mit dem Träger nutzen könnten – wären mehr bundeseinheitliche Standards nötig. Zudem bräuchten die Träger eine solidere Finanzausstattung, um beispielsweise ausreichend qualifizierte Fachkräfte beschäftigen und damit ihrer Verantwortung für die Kita-Qualität besser gerecht werden zu können. Allerdings reichen die Finanzmittel von Ländern und Kommunen nicht aus, um für jedes Kind gleichwertige Lebensverhältnisse zu schaffen. Deshalb sollte sich der Bund stärker dauerhaft engagieren – um Schutz und Wohlbefinden von Kindern sowie eine gute Angebots- und Bildungsqualität von Kitas bundesweit in der Praxis zu gewährleisten.  

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