Eine grauhaarige Frau steht als Busfahrerin mit Brille und Warnweste bekleidet vor einem Bus.

Früh in Rente – dennoch offen für Arbeit

Jede fünfte Person im frühen Ruhestand arbeitet bereits. Mehr als jede:r Zweite könnte sich eine berufliche Tätigkeit vorstellen – sofern die Bedingungen stimmen. Eine neue Studie auf Basis der repräsentativen lidA-Kohortenstudie der Universität Wuppertal zeigt: Das Erwerbspotenzial der Babyboomer endet nicht mit dem vorzeitigen Renteneintritt.

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André Schleiter
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Eric Thode
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In den kommenden 10 Jahren wird knapp ein Drittel der heutigen Erwerbspersonen das Rentenalter erreichen. Der absehbare Rückgang des Arbeitskräfteangebots wird den Fachkräftemangel verschärfen und strukturell verfestigen. Trotz Fortschritten bei der Erwerbsbeteiligung älterer Arbeitskräfte ist der frühe Renteneintritt nach wie vor weit verbreitet. Damit wird die Frage wichtig, wie sich Erwerbspotenziale von Älteren zumindest teilweise erhalten beziehungsweise aktivieren lassen, die vorzeitig das Erwerbsleben verlassen oder planen, dies zu tun. 

Antworten auf diese Frage gibt die Studie “Erwerbsbereitschaft im frühen Ruhestand. Ergebnisse der deutschen lidA-Studie” von Prof. Dr. Martin Hasselhorn, Bergische Universität Wuppertal. Sie untersucht das Erwerbspotenzial von Personen im “frühen Ruhestand”, die die Hauptphase ihrer Erwerbstätigkeit bereits beendet, aber die Regelaltersgrenze noch nicht erreicht haben. Datenbasis der Studie ist die 4. Welle (2022/2023) der repräsentativen lidA-Kohortenstudie, in der 8.884 Personen befragt wurden. Die Studienergebnisse beziehen sich auf 903 Personen im frühen Ruhestand – sei es in der Freistellungsphase der Altersteilzeit, in Erwerbsminderungsrente oder in vorgezogener Altersrente.

Bei Personen im frühen Ruhestand ist eine Erwerbstätigkeit oder der Wunsch danach weit verbreitet

Entgegen der gängigen Wahrnehmung ist die Erwerbstätigkeit vor Erreichen der Regelaltersgrenze kein Randphänomen. Jede fünfte Person im frühen Ruhestand ist erwerbstätig. Über die bereits Beschäftigten hinaus äußern 14 Prozent den Wunsch, wieder erwerbstätig zu sein. Zusätzlich wären 37 Prozent unter passenden Bedingungen bereit, wieder zu arbeiten. 

Besonders wichtig ist den Befragten, dass sie Arbeitsumfang und Arbeitszeiten selbst bestimmen können und bei der Arbeit auf ein angenehmes soziales Umfeld treffen (siehe Abbildung: Vom Vorruhestand zurück in Arbeit – was Menschen umstimmen könnte). Lediglich jede:r Vierte lehnt eine Erwerbstätigkeit kategorisch ab.

Motive fürs Arbeiten unterscheiden sich grundlegend – je nachdem ob in Altersteilzeit, Altersrente oder Erwerbsminderungsrente

Die Gründe für Erwerbstätigkeit im frühen Ruhestand unterscheiden sich deutlich zwischen den Ruhestandsgruppen: Bei erwerbstätigen Personen in der Freistellungsphase der Altersteilzeit und mit Altersrente dominieren als Beweggründe Freude an der Arbeit, soziale Kontakte und das Bedürfnis nach einer sinnvollen Aufgabe. Finanzielle Motive spielen demgegenüber eine untergeordnete, aber nicht zu vernachlässigende Rolle.

Ein anderes Bild zeigt sich bei Personen mit Erwerbsminderungsrente. Befragt nach den Gründen ihrer Erwerbstätigkeit, geben 56 Prozent aus dieser Gruppe an, dass sie das zusätzliche Einkommen benötigen. Personen mit Erwerbsminderungsrente geben im Vergleich zu Personen in Altersrente beziehungsweise in Altersteilzeit auch häufiger an, erwerbstätig zu sein, um einen geregelten Tagesablauf zu haben oder um zu vermeiden, dass ihnen “zu Hause die Decke auf den Kopf fällt”.

Die Aktivierung der Personen im frühen Ruhestand erfordert Handeln von Politik und Unternehmen

Es gibt kein “automatisches” Aktivierungspotenzial im frühen Ruhestand. Die Erwerbsbereitschaft entsteht nicht von selbst – sie muss gezielt angesprochen und durch attraktive Arbeitsangebote unterstützt werden. Wie Politik und Unternehmen das gelingen kann, haben wir in der Zusammenfassung der Ergebnisse (Link) dargestellt. Die Studie “Erwerbsbereitschaft im frühen Ruhestand. Ergebnisse der deutschen lidA-Studie” von Prof. Dr. Martin Hasselhorn, Bergische Universität Wuppertal steht zum Download bereit. 

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