Eine Frau mit Broschpren in der Hand steht im Vordergrund. Im Hintergrund sind im Halbkreis 4 weitere Personen und eine Bibliothek von innen schemenhaft zuerkennen.
Arne weychardt / Bertelsmann-Sti

Jeder kann etwas: Kompetenzen für Deutschland – Aufdecken. Entwickeln. Anerkennen.

Wir machen Weiterbildungschancen transparent bis hinunter auf die regionale Ebene. Gemeinsam mit Wissenschaft, Praxis, Politik und Wirtschaft entwickeln und erproben wir Konzepte für die Anerkennung informell erworbener Kompetenzen und den schrittweisen Erwerb von Bildungsabschlüssen.

In Deutschland leben derzeit fast 6 Mio. Menschen ohne Berufsabschluss. Sie sind viermal so häufig arbeitslos wie Fachkräfte mit Berufsabschluss. Da auch ein Großteil der nach Deutschland geflüchteten Menschen über keinen hierzulande anerkannten Berufsabschluss verfügt, wird die Zahl dieser sogenannten Geringqualifizierten in den kommenden Jahren weiter steigen. Gleichzeitig werden qualifizierte Fachkräfte dringend gebraucht: Bis 2020 wird eine Lücke von 1,2 Mio. Menschen mit Berufsabschluss prognostiziert. Daher gilt es, Angebot und Nachfrage zusammenzubringen.

Nicht alle Menschen ohne Berufsabschluss sind Menschen ohne Kompetenzen:

Viele Geringqualifizierte verfügen über berufsrelevante Fähigkeiten, die sie durch Erwerbsarbeit, ehrenamtliches Engagement oder durch Weiterbildung erworben haben. Diese Kompetenzen sind jedoch am Arbeitsmarkt häufig wertlos, weil sie nicht durch ein berufliches Zertifikat bestätigt werden. Bisher gibt es nämlich keine allgemein anerkannten Kompetenznachweise unterhalb von Berufsabschlüssen, die die vorhandenen Kompetenzen verwertbar machen.

Ziel des Projekts „Aufstieg durch Kompetenzen“ ist es daher, aufzuzeigen, wie ein Weiterbildungssystem aussehen kann, in dessen Rahmen ein vollständiger Berufsabschluss schrittweise über aufeinander aufbauende Teilqualifikationen erworben werden kann. Und zwar Teilqualifikationen, die direkt anerkannt werden können, wenn die notwendigen Kompetenzen bereits informell erworben wurden, die aber auch über eine bundesweit anerkannte Qualifizierung erworben werden können.

Ein solches System modularer Nachqualifizierung existiert in Deutschland bislang nur in Grundzügen. Der einzige Weg zum Berufsabschluss ohne Ausbildung folgt bisher einer „alles oder nichts“-Logik: Nur wer alle Kompetenzen vorweisen kann, die für einen Beruf erforderlich sind, und bestimmte zusätzliche Voraussetzungen erfüllt, darf als Externer die reguläre Ausbildungsprüfung ablegen. Wird diese bestanden, wird der entsprechende Berufsabschluss verliehen. Wird der Kandidat nicht zur Prüfung zugelassen oder hat die Prüfung nicht bestanden, bleiben die vorhandenen Kompetenzpotenziale ungenutzt. Pro Jahr nutzen lediglich 19.000 Menschen dieses Verfahren zur Anerkennung ihrer Berufserfahrung. Für Menschen ohne Berufsabschluss scheint dieser Weg besonders ungeeignet zu sein. Denn zwei Drittel der erfolgreich Geprüften erwerben einen ergänzenden Berufsabschluss. Nur ein Drittel der Absolventen holt auf diesem Weg den Erstabschluss nach.

Ein modulares Nachqualifizierungssystem, welches den schrittweisen Erwerb eines Berufsabschluss ermöglicht, würde gerade den vermeintlich Unqualifizierten deutlich bessere Chancen für einen beruflichen Ein- und Aufstieg bieten. Wenn es gelingt, die Kompetenzen der Geringqualifizierten sichtbar zu machen und ihnen den Weg zum Berufsabschluss oder zumindest zur formalen Anerkennung der vorhandenen Kompetenzen zu erleichtern, kann dies zur Schließung der Fachkräftelücke in Deutschland beitragen.

Das Projekt Aufstieg durch Kompetenzen

  • beleuchtet konkret vorhandene Teilqualifizierungsmodelle und hilft durch den Austausch guter Praxis bei deren Weiterentwicklung,
  • entwickelt und erprobt konkrete Instrumente für die Erfassung beruflicher Kompetenzen.
  • erstellt Studien, die ungehobene Kompetenzpotenziale transparent machen,
  • zeigt Weiterbildungschancen in Deutschland auf,
  • macht den Bedarf von stärkerer öffentlicher Finanzierung für die Qualifizierung von formal Geringqualifizierten deutlich.

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