Bäcker rollt Teig
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Kompetenzmodelle: Kompetenzmodelle als Wegweiser für eine standardisierte Entwicklung von Teilqualifikationen

Teilqualifikationen sind ein praxistaugliches Instrument, um Erwachsene gezielt zu qualifizieren. Um Einheitlichkeit und Transparenz im Bereich der Teilqualifikationen zu schaffen, helfen unsere berufsspezifischen Kompetenzmodelle.

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Mit der nationalen Weiterbildungsstrategie und dem Qualifizierungschancengesetz gewinnt die Weiterbildung an Aufwind. Insbesondere Teilqualifikationen sind ein praxistaugliches Instrument, Arbeitnehmende und Arbeitssuchende gezielt zu qualifizieren.

Um bundesweit mehr Einheitlichkeit und Transparenz bei Teilqualifikationen sowohl für Lernende als auch für Arbeitgeber:innen zu schaffen, müssten jedoch Teilqualifizierungskonzepte trägerübergreifend abgestimmt werden. Darüber hinaus müssten sie einen klaren Bezug zu den Ordnungsmitteln in der Berufsbildung aufweisen und nach einem standardisierten Zuschnitt der einzelnen Module entwickelt sein.

Kompetenzmodelle als Basis für eine einheitliche Entwicklung von Teilqualifizierungen

Wie aber kann eine standardisierte Gliederung von Teilqualifizierungen aussehen, die sowohl die curricularen Inhalte der Ausbildungsordnungen berücksichtigt, als auch die Ansprüche der betrieblichen Praxis erfüllt? Antwort darauf bieten über 40 berufliche Kompetenzmodelle aus unseren Projekten „MYSKILLS “ und „Aufstieg durch Kompetenzen“. Die Kompetenzmodelle wurden von über 400 berufsfachlichen Expert:innen entwickelt und durch weitere Berufspraktiker:innen (Meister:innen, Prüfungsausschussmitglieder, Ausbilder:innen, Berufsschullehrer:innen und Unternehmensvertreter:innen) validiert. Die Kompetenzmodelle decken Berufe aus verschiedenen Branchen ab (Abb. 1).

Abb. 1.: Berufliche Kompetenzmodelle – zum Download frei verfügbar

Jedes der Kompetenzmodelle teilt einen Beruf in betriebliche Einsatzfelder. Diese sind so gestaltet, dass sich erworbene Kompetenzen unmittelbar in der beruflichen Praxis umsetzen lassen. Die Einsatzfelder sind dabei voneinander unabhängig und bauen nicht aufeinander auf. Zudem sind die in einem Einsatzfeld zusammengefassten Kompetenzen direkt arbeitsmarktverwertbar. Der Beruf Fachkraft im Gastgewerbe gliedert sich beispielsweise in die folgenden sechs Einsatzfelder:

  • Reinigungsarbeiten durchführen (Housekeeping)
  • Veranstaltungen vorbereiten und im Warenlager arbeiten
  • In der Küche helfen
  • Im Service arbeiten
  • An der Rezeption arbeiten
  • Service leiten

Für jedes Einsatzfeld sind praxisrelevante Arbeitsprozesse definiert. Das Einsatzfeld „In der Küche helfen“ umfasst beispielsweise die folgenden vier Arbeitsprozesse:

  • Speisen präsentieren
  • Lebensmittel vor- und zubereiten
  • Waren verräumen
  • Geschirr und Küche reinigen

Jeder Arbeitsprozess wiederum beinhaltet spezifische Kompetenzen, die für seine Ausführung erforderlich sind. So beinhaltet bspw. der Arbeitsprozess „Lebensmittel vor- und zubereiten“ auch den Einsatz der notwendigen Arbeitsmittel unter Beachtung der Arbeitssicherheit (Abb. 2). In den Kompetenzmodellen sind allen Kompetenzen die entsprechenden Inhalte aus dem beruflichen Ausbildungsrahmenplan und Rahmenlehrplan zugeordnet. Damit ist sichergestellt, dass sie alle relevanten curricularen Inhalte abdecken. 

Abb. 2:  Einsatzfelder im Kompetenzmodell Fachkraft im Gastgewerbe mit Kompetenzen aus dem Arbeitsprozess „Lebensmittel vor- und zubereiten“ im Einsatzfeld „In der Küche helfen“.

Vom Kompetenzmodell zur Teilqualifizierung

Die Einteilung der Einsatzfelder lässt sich analog auch für die Gliederung von Teilqualifizierungen nutzen. Aus den Arbeitsprozessen und relevanten Kompetenzen ergeben sich die konkreten Lernziele jeder TQ (siehe Abb. 3). Da die Kompetenzmodelle reale betriebliche Einsatzfelder beschreiben, lassen sich daraus Impulse gewinnen, um Teilnehmende in Praktika oder Beschäftigungsverhältnisse vermitteln zu können. Eine Fachkraft im Gastgewerbe könnte z. B. im Service eines Restaurants oder in der Reinigung eines Hotels tätig werden.

Die Gliederung in einzelne betriebliche Einsatzfelder ermöglicht eine Entwicklung von Teilqualifizierungsmodulen, die keinem stringent vorgegebenen Modulablauf folgen müssen, also nicht auf einander aufbauen. Dadurch kann die Abfolge der Teilqualifizierungen auf die persönlichen Vorerfahrungen und Bedarfe der Lernenden ausgerichtet werden und eine gezielte individuelle Auswahl der Module erfolgen.

Abb. 3: Darstellung der Entwicklung der inhaltlichen und zeitlichen Struktur von TQs in einem Beruf auf Basis eines Kompetenzmodells

Für die folgenden Berufe stehen Kompetenzmodelle zum Download bereit:

  • 30 MYSKILLS-Berufe (alle in diesem Dokument):
  • Altenpflegehelfer/-in
  • Änderungsschneider/-in
  • Anlagenmechaniker/-in für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik
  • Ausbaufacharbeiter/-in Schwerpunkt „Fliesen-, Platten- und Mosaikarbeiten“
  • Bäcker/-in
  • Bauten- und Objektbeschichter/-in
  • Berufskraftfahrer/-in
  • Elektroniker/in – Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik
  • Fachinformatiker/-in – Fachrichtung Systemintegration
  • Fachkraft für Lebensmitteltechnik
  • Fachkraft für Metalltechnik – Fachrichtung Konstruktionstechnik
  • Fachkraft für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice
  • Fachkraft im Gastgewerbe
  • Fachlagerist/-in
  • Fachverkäufer-/in im Lebensmittelhandwerk – Schwerpunkt Bäckerei
  • Friseur/-in
  • Gärtner/-in – Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau
  • Gebäudereiniger/-in
  • Hauswirtschafter/-in
  • Hochbaufacharbeiter/-in – Schwerpunkt Maurerarbeiten
  • Industrieelektriker/-in – Fachrichtung Betriebstechnik
  • Kfz-Mechatroniker/-in – Schwerpunkt Personenkraftwagentechnik
  • Klempner/-in
  • Koch/Köchin
  • Landwirt/-in
  • Maschinen- und Anlagenführer/-in – Schwerpunkt Metalltechnik
  • Tiefbaufacharbeiter/-in – Schwerpunkt Straßenbauarbeiten
  • Tischler/-in
  • Verfahrensmechaniker/-in für Kunststoff und Kautschuktechnik
  • Verkäufer/-in

Publikation: Leitfaden zur Zertifizierung von Teilqualifikationen in Kleingruppe

Publikation: Über Teilqualifikationen erfolgreich in den Beruf

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