Foto_Miriam Müller.JPG Veranstaltung ST-NW 2015
Miriam Müller

, Nachhaltige Entwicklung erfordert politischen Wandel: 50 Akteure aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Gesellschaft diskutieren Erfolgsfaktoren für Nachhaltigkeitsstrategien

Am 2. Juni 2015 haben die Bertelsmann Stiftung, die Landesarbeitsgemeinschaft Agenda 21 NRW, das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW, das Sustainable Development Solutions Network Germany und das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie zu einer Veranstaltung in das Haus der Universität in Düsseldorf eingeladen, um über Erfolgsfaktoren für Nachhaltigkeitsstrategien – insbesondere auf Ebene der Bundesländer – zu diskutieren. 

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Zu Beginn der Veranstaltung präsentierte Prof. Dr. Harald Heinrichs von der Leuphana Universität Lüneburg eine Studie zu Erfolgsfaktoren für regionale Nachhaltigkeitsstrategien, die er zusammen mit Norman Laws im Auftrag der Bertelsmann Stiftung erstellt hat. Das wesentliche Ergebnis der Studie ist, dass bei Nachhaltigkeitsstrategien auf Länderebene noch zu viel auf die Einführung bestimmter Managementinstrumente, wie Indikatoren, Berichte oder Prüfungen, und zu wenig auf politische Faktoren, wie Interessen, Werte und Überzeugungen der handelnden Akteure, gesellschaftliche Dynamiken sowie Führungsverantwortung in Politik und Verwaltung geachtet wird. Insbesondere die Politik müsse sich wandeln: Wichtig sei in jedem Fall, so die Autoren der Studie, eine verstärkte Berücksichtigung der langfristigen Folgen politischer Entscheidungen für Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft – und das nicht nur auf regionaler, sondern auch auf nationaler und internationaler Ebene.

Prof. Dr. Manfred Fischedick, Vizepräsident des Wuppertal Instituts, machte in seinem Impulsvortrag am Beispiel der Bereiche Klimaschutz und Energiewende deutlich, dass die Länder in Deutschland eine zentrale Rolle bei der Umsetzung übergeordneter Nachhaltigkeitsziele spielten. Vor allem das „Energie- und Industrieland NRW“ könne und müsse einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung von Klimaschutzzielen in Deutschland und auf globaler Ebene leisten. Die Wende von fossilen Brennstoffen hin zu erneuerbaren Energien sei dabei ein komplexer Transformationsprozess mit vielfältigen Herausforderungen. Mit dem Klimaschutzgesetz und dem Klimaschutzplan habe die Landesregierung schon wichtige Schritte unternommen – und dies in einem partizipativen Prozess, in den eine Vielzahl gesellschaftlicher Akteure einbezogen wurde. Die gemachten Erfahrungen könnten nun, so Manfred Fischedick, bei der Entwicklung und Umsetzung einer umfassenden Nachhaltigkeitsstrategie in NRW genutzt werden.

In der Podiumsdiskussion unterstrich Peter Knitsch, Staatssekretär im Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW, wie wichtig es sei, nachhaltige Entwicklung mit praktischen Schritten voran zu bringen: So plane man für die NRW-Nachhaltigkeitsstrategie konkrete Ziele bis 2030 als Orientierungspunkte für die Landespolitik. Gerald Berger von der Wirtschaftsuniversität Wien vertrat die Ansicht, dass die Fachpolitik heute immer noch stärker sei als übergeordnete Nachhaltigkeitspolitik und zog damit eine eher kritische Bilanz zu 20 Jahren Nachhaltigkeitsstrategien seit dem Erdgipfel von Rio 1992; die Strategien hätten zwar einiges bewirkt, ihr Potential sei aber längst noch nicht ausgeschöpft. Dr. Klaus Reuter von der Landesarbeitsgemeinschaft Agenda 21 NRW betonte, dass der Kulturwandel hin zu nachhaltigem Denken und Handeln in allen Bereichen der Gesellschaft Zeit brauche, in vielen Kommunen aber schon eingeleitet sei. Dr. Ingeborg Niestroy vom International Institute for Sustainable Development und vom Forschungszentrum für Umweltpolitik an der Freien Universität Berlin wies darauf hin, dass in Bhutan Nachhaltigkeit Staatsziel sei und bei allen politischen Entscheidungen systematisch beachtet würde. Auch in der Schweiz habe Nachhaltigkeit Verfassungsrang und im Kanton Aargau orientiere sich die Politik, so Dr. Norbert Kräuchi vom kantonalen Departement Bau, Verkehr und Umwelt, stark an den Prinzipien einer nachhaltigen Entwicklung – zum Beispiel bei der Bewältigung des demographischen Wandels oder bei dem Umgang mit der Ressource „Boden“. Dr. Nicole Rippin vom Deutschen Institut für Entwicklungpolitik betonte schließlich die Bedeutung der Sustainable Development Goals, die von den Vereinten Nationen im September 2015 verabschiedet werden sollen, für globale, aber auch für nationale und regionale Nachhaltigkeitsstrategien.

Die Veranstaltung fand im Kontext der Deutschen Aktionstage Nachhaltigkeit und der erstmals ausgerichteten Europäischen Nachhaltigkeitswoche statt.

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