Europa bei Nacht aus dem Weltall betrachtet. Man kann die Umrisse des Kontinents erkennen und die Lichter der Städte und Besiedlungen
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, Hintergrund: Europa auf einen Blick: Studien und Analysen zur Europawahl

"Schicksalswahl", "wichtig wie nie zuvor" – wenn es um die diesjährige Wahl zum Europäischen Parlament geht, greifen viele Politiker zu Superlativen. Die Wahlbeteiligung könnte insgesamt steigen. Doch wer profitiert davon? Was denken die Europäer selbst über ihren Kontinent? Wo liegen die größten Baustellen in der EU? Auf unserer Überblickseite finden Sie Ansprechpartner und Studien zu Europa.

Brüssel und Straßburg sind überall: Einheitliche Sozialstandards, Grenzwerte für Umweltbelastungen in unseren Städten oder Regeln für das Internet –  das Europäische Parlament stellt in unzähligen Entscheidungen die Weichen für unsere Zukunft. Wer dort zukünftig den Ton angibt, entscheiden die Europäer. Doch was denken die EU-Bürger über ihre Zukunft, die Rolle der EU in der Welt und was sind ihre Ängste und Sorgen?

Was denken die Europäer?

Mit unseren EU-Umfragen, eupinions, fragen wir regelmäßig repräsentativ für die EU und die größten Mitgliedsstaaten, was die Menschen bewegt. Die Ergebnisse zeichnen ein vielfältiges Bild von Europa: So sind die Zustimmungswerte für die EU in den letzten Jahren fast durchgehend kontinuierlich gestiegen und die Europäer wünschen sich allgemein eine stärkere Rolle der EU international. Doch mit der Arbeitsweise der EU sind die Europäer zunehmend unzufrieden.

Die Grafik zeigt, wie die Zustimmung zur EU in den EU-28-Staaten sowie in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Polen seit 2015 verlaufen ist.
In den EU-28-Staaten sowie den nach dem Austritt Großbritanniens fünf bevölkerungsreichsten EU-Mitgliedsstaaten ist die Zustimmung zur EU hoch – Tendenz steigend.

Vor den Europawahlen wirken die Europäer zunehmend gespalten. Doch sowohl die Optimisten und die Pessimisten unter den Europäern wollen sich mehrheitlich an den Wahlen beteiligen.

Unsere Europastudie zu Wahlabsichten zeigt, dass viele Europäer die Europawahl als Protestwahl nutzen wollen und vor allem gegen einzelne Parteien stimmen wollen. Die Anhänger der europakritischen Ränder sind laut unserer Studie stärker mobilisiert als die Wähler europafreundlicher, gemäßigter Parteien. Das könnte die Kompromissfindung im neuen Parlament erschweren.

Die Grafik zeigt, wie die Bürger der EU-27-Staaten zur Europapolitik stehen - abhängig vom Grad ihrer gesellschaftlichen Verunsicherung.
Abhängig vom Grad der eigenen gesellschaftlichen Verunsicherung bewerten Befragte die europäische Politik in mehreren Bereichen unterschiedlich.

Die Finanz- und Wirtschaftsunion

Der Europäische Binnenmarkt ist eine der größten Errungenschaften des vereinigten Europas, er soll den freien Waren-, Dienstleistungs-, Personen- und Kapitalverkehr garantieren. Das was bringt er den Europäern konkret? Unsere Analyse zeigt für ganz Europa, wie stark das Plus im Portemonnaie ist, dass der Binnenmarkt in Form von Einkommensgewinnen den Europäern beschert.

Doch die EU ist nicht nur ein großer Markt. Durch ein komplexes Geflecht von Standards und Regulierungen hat die EU nach der Finanzkrise zahlreiche Maßnahmen ergriffen, die ein Auseinanderbrechen der EU und die gegenseitige Ansteckungsgefahr bei Krisen minimieren sollen.

Doch was bedeuten Begriffe wie Konvergenzkriterien, Bankenunion oder die vier Freiheiten? Und was leisten Gemeinschaftsinitiativen wie eine europäische Arbeitslosenrückversicherung? Unsere Europa Briefings aus dem Projekt "Repair and Prepare" sowie eine Studie zur Arbeitslosenrückversicherung klären auf.

Auch der Brexit wird die Europäer weiterhin beschäftigen. Solange es keinen Deal über einen geregelten Ausstieg Großbritanniens gibt, bleibt ein harter Brexit weiterhin möglich. Dieser wäre für die Europäer rund doppelt so teuer wie ein weicher Brexit. Die größten Einkommensverluste würden allerdings die Briten erleiden, wie unsere Analyse zeigt.

Die Grafik veranschaulicht die jährlichen Einkommensverluste und -gewinne durch einen harten Brexit: Europa verliert, der Rest der Welt profitiert.
Die Grafik veranschaulicht die jährlichen Einkommensverluste und -gewinne durch einen harten Brexit: Europa verliert, der Rest der Welt profitiert.

Demokratiestandards in der EU

Europa ist die Wiege der Demokratie. Doch eine demokratische Vergangenheit schützt nicht immer vor einer autoritären Zukunft. Wie sieht es mit Standards für Demokratie und Regierungsführung in Europa aus? Die aktuelle Ausgabe der "Sustainable Government Indicators" zieht eine ernüchternde Bilanz: In 16 von 28 EU-Staaten haben sich die Demokratiestandards 2018 verschlechtert. Die Autoren kritisieren vor allem, dass vielerorts nicht mehr im Interesse des Ausgleichs und Kompromisses regiert wird, sondern Regierungen zunehmend bewusst polarisieren, um einzelne Wählergruppen zufriedenzustellen.

Wie sich die Bürger selbst in die europäische Demokratie einbringen können, zeigen unsere Untersuchungen zur Europäischen Bürgerinitiative. Die meisten Europäer wissen gar nicht, dass sie mit ihren Unterschriften Brüssel bitten können, ein konkretes Gesetz zu erarbeiten. Warum das so ist und wie die Bürgerinitiativen reformiert werden könnten, zeigen unsere Untersuchungen.

Soziale Gerechtigkeit in Europa

Wie die EU-Staaten mit den Herausforderungen von Globalisierung und Strukturwandel umgehen, bildet regelmäßig der Gerechtigkeitsindex ab. Er untersucht für alle EU-Staaten Werte wie Armutsrisiken oder Arbeitslosenzahlen und zeigt, dass die Wirtschaftskrise der letzten zehn Jahre mittlerweile überwunden ist. Dennoch haben sich die EU-Mitglieder in unterschiedlichem Tempo aus der Krise gearbeitet. Die Unterschiede in Bezug auf Sozialstandards und Arbeitsmarkt zeigt auch unsere Studie "Wie geht's Europa", die für sechs Themenfelder wie Armut oder Sozialstandards empirische Daten erhebt und Reformvorschläge ausarbeitet.

Die Grafik zeigt, wie hoch die Teilhabechancen in den einzelnen EU-Mitgliedstaaten ausfallen. Im Süden und Osten Europas sind sie eher niedrig, im Norden und Westen eher hoch.
Der Gerechtigkeitsindex zeigt an, wie gerecht es in Europa zugeht. Je höher die Index-Zahl, desto besser steht das Land da.

Blogs und Bücher: Noch mehr Europa

Auch in Blogs und Büchern und regelmäßigen Veranstaltungen sind wir für Europa aktiv. Unser langjähriger Europaexperte Joachim Fritz-Vannahme schreibt auf seinem Blog "Global Europe", regelmäßig über alles, was Europa bewegt: vom Aachener Vertrag bis zur Zollunion.

Unser Buchprojekt "Twelve Stars" nähert sich Europa aus philosophischer Perspektive. In zahlreichen Online-Diskussionen haben Wissenschaftler mit EU-Bürgern im letzten Jahr über die drängendsten Fragen für die Zukunft Europas diskutiert. Herausgekommen ist ein einzigartiges Buch, in dem einzelne Essays drängende Zukunftsfragen der EU diskutieren.

Und auch unser Magazin "change" berichtet rund um die Europawahl. So zählt es beispielsweise elf Dinge auf, die wir vermissen würden, wenn es die EU nicht gäbe.

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