zwei gezeichnete Personen umringen eine große Glühbirne

Online Forum - Teilhabe und Arbeit: Gründungen mit Migrationsbezug

Jede siebte Gründung in Deutschland hat derzeit mindestens eine Person mit Migrationsbezug. Diese Gruppe gründet häufiger, ist jünger, internationaler orientiert und oft akademisch hochqualifiziert. (Studie der Bertelsmann Stiftung: Vielfalt gründet – Hebel und Hürden im Gründungsgeschehen - #02 Scaleup für Gründer:innen mit Migrationsbezug ermöglichen). Deutlich wurde, dass viele Menschen mit Fluchterfahrung bei einer Gründung eines Unternehmens vor besonderen Herausforderungen stehen und insbesondere im Kontext von Sprachbarrieren und fehlenden Systemwissen gezielte Unterstützung benötigen. Hintergrundinformationen wurden uns im programmübergreifenden Austausch von den Kolleginnen aus dem Programm Nachhaltige Soziale Marktwirtschaft dankenswerterweise zur Verfügung gestellt.

 

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Nils Bortloff, Business Coach von der FITT gGmbH, stellte seine Arbeit in der Gründungsberatung vor. FITT ist seit 2005 aktiv, Teil des Instituts für Technologietransfer im Saarland und begleitet mit rund 100 Mitarbeitenden seit 30 Jahren den technologischen und sozialen Wandel in der Region. FITT unterstützt Newcomer und Geflüchtete in Projekten wie „MIGRIS“ und „Perspektive Neustart“ bei der Unternehmensgründung und -fortführung. Individuelle 1:1-Beratungen, Workshops und Online-Beratung für gründungsinteressierte Personen aus aller Welt im Saarland werden mehrsprachig (Russisch, Ukrainisch, Arabisch, Englisch) angeboten und sind Grundlage für den Inkubator jedes Jahr. Der aktuelle Jahrgang umfasste zwölf Teilnehmende aus der Ukraine, Georgien, Belarus, Kamerun und Syrien, darunter sechs Frauen. Mit einem weiteren Pilotenprojekt „NextGen Saar“ werden insbesondere Newcomer bei der Unternehmernachfolge unterstützt. Ein Ansatz, der insbesondere für Personen aus Ländern mit anderen wirtschaftlichen Strukturen neue Perspektiven eröffnet.

Viele Teilnehmende bringen hohe Motivation, unternehmerische Erfahrung und gute Qualifikationen mit. Herausforderungen entstehen jedoch vor allem durch fehlendes Eigenkapital, eingeschränkten Zugang zu Finanzierung aufgrund des Aufenthaltsstatus, bürokratische Anforderungen, sowie die Ablehnung oder nur (Teil-) Anerkennung von Abschlüssen, die bei FITT aufgegriffen und unterstützt werden.

Als zweites Good-Practice-Beispiel wurde BIWOC* Rising vorgestellt, ein intersektionales Empowerment-Netzwerk für Unternehmer:innen mit Migrations- und Diaspora Geschichte. Mit „EquiNet“ entsteht ein bundesweites, inklusives Ökosystem zur Stärkung wirtschaftlicher Teilhabe. Viele der beteiligten Unternehmer:innen sind hochqualifiziert, in verschiedenen Branchen tätig (wie etwa Impact oder MINT-Bereich) und mehrsprachig aufgestellt, sehen sich jedoch mit strukturellen Barrieren und ungleichen Wettbewerbsbedingungen konfrontiert. BIWOC versteht sich als nachhaltiges Netzwerk, das Sichtbarkeit schafft, Ressourcen bündelt und gezielt Vernetzung wischen BIWOC-Unternehmer:innen und den Dominanzunternehmen fördert.

Wie groß das Potenzial migrantischer Gründung ist und wie wichtig nachhaltige Netzwerke, faire Rahmenbedingungen und gezielte Unterstützung beim Aufbau von Wissen und Finanzierungsmöglichkeiten bleiben, wurde im abschließenden Austausch betont.

Der nächste Online-Austausch findet am 18. März 2026 statt, fortsetzend mit dem Ziel, mehr Raum für Austausch, Reflexion und gemeinsames Kennenlernen zu schaffen.

Das Forum findet einmal monatlich, in der Regel mittwochs, von 12:30 bis 13:30 Uhr online über Zoom statt. Wenn Sie eine Einladung per E-Mail bekommen möchten, können Sie sich direkt über diesen Link für den Verteiler anmelden: Forum Teilhabe und Arbeit