Drei junge, diverse Personen sind in kreisförmigen Ausschnitten dargestellt. Sie interagieren mit schwebenden Symbolen, die für digitale Teilhabe, Finanzen und Karriere stehen: Dollar-Münzen, Social-Media-Icons (Herz/Schild), Geschenke und eine Aktentasche. Moderner, flacher Illustrationsstil auf weißem Hintergrund.

Zusatzleistungen für Auszubildende: Attraktiv aber kein Allheilmittel

Um ihre Ausbildungsplätze attraktiver zu gestalten, werben Unternehmen zunehmend mit Sonderleistungen wie einem Jobticket oder Weiterbildungsmaßnahmen. Das zeigt eine deutschlandweite Auswertung von Online-Stellenanzeigen. Für die jungen Menschen selbst spielen Benefits bei der Wahl des Ausbildungsplatzes aber nur eine nachgeordnete Rolle. Es kommt darauf an, sie am Bedarf der potenziellen Bewerber:innen auszurichten und als Teil eines Gesamtpaketes zu gestalten.

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Deutsche Unternehmen setzen immer häufiger auf freiwillige Zusatzleistungen, auch Benefits genannt, um ihre Ausbildungsplätze zu bewerben. So hat sich etwa die Zahl der Online-Anzeigen für Ausbildungsstellen, in denen ein Firmenticket angeboten wird, von 2019 bis 2025 mehr als verdoppelt. Hinweise auf Sonderzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld haben sich im selben Zeitraum ungefähr verdreifacht. Informationen über flexible Arbeitszeiten und zu vermögenswirksamen Leistungen tauchten 2025 jeweils fast viermal so oft in den Inseraten auf, wie noch 2019. Die am häufigsten genannte Kategorie von Sonderleistungen sind Angebote zur inner- oder außerbetrieblichen Weiterbildung: 2025 nahm die Hälfte aller Ausbildungsanzeigen Bezug darauf, während das 2019 noch bei einem Drittel der Fall war. Das geht aus einer Datenanalyse hervor, für die der "Jobmonitor" der Bertelsmann Stiftung 6,5 Millionen Online-Anzeigen für Ausbildungsplätze ausgewertet hat.


Damit schlägt sich der Trend, dass Unternehmen zunehmend mit Sonderleistungen um Fachkräfte werben, auch auf dem Ausbildungsmarkt nieder. Tatsächlich herrscht nach wie vor ein hoher Handlungsbedarf, um ausbildungswillige Betriebe und junge Menschen auf der Suche nach einer Lehrstelle zusammenzubringen: 2025 konnten 84.000 junge Menschen nicht in eine von ihnen gewünschte Ausbildung vermittelt werden. Gleichzeitig blieben über 54.000 Ausbildungsplätze unbesetzt. Drei Viertel der Unternehmen klagen inzwischen über einen Mangel an Bewerbungen bei der Suche nach Azubis.

Zusatzleistungen weniger wichtig als Gehalt oder Arbeitszeit

Vor diesem Hintergrund reichern viele Betriebe ihre Ausbildungs-Inserate auf der eigenen Website oder in Online-Stellenbörsen mit Informationen über Zusatzleistungen an, um sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren. Eine Befragung junger Menschen im Alter von 14 bis 25 Jahren im Auftrag der Bertelsmann Stiftung zeigt jedoch, dass diese Strategie nur bedingt Aussicht auf Erfolg hat: Danach gefragt, welche Informationen ihnen in einer Ausbildungsausschreibung wichtig sind, nennen sie vor allem die konkreten Tätigkeiten, die Höhe der Ausbildungsvergütung, die Arbeitszeiten sowie den Arbeitsort. Auch eine authentische Beschreibung der Unternehmenskultur sowie Angaben zum möglichen Gehalt nach der Ausbildung sind für sie von Interesse. Die Sonderleistungen belegen in der Prioritätenliste nur Platz acht von zehn. 

"Benefits können ein sinnvoller Bestandteil einer Gesamtstrategie für das Anwerben von Auszubildenden sein. Wichtig ist, dabei gezielt die Aspekte in den Fokus zu rücken, auf die junge Menschen bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz Wert legen und die Bedeutung von Benefits nicht zu überschätzen", sagt Fabian Schaffer. Der Experte der Bertelsmann Stiftung für berufliche Bildung weist darauf hin, dass sich Zusatzleistungen gut als Kompensation eignen: So könnte zum Beispiel ein Ausbildungsbetrieb einen Fahrtkostenzuschuss geben, wenn der Standort recht weit vom Wohnort des Auszubildenden entfernt liegt.

Angebot und Nachfrage: Die Richtung der Unternehmen stimmt

Insgesamt entsprechen die von den Unternehmen beworbenen Benefits den Bedürfnissen der potenziellen Auszubildenden recht gut. Bei entgeltähnlichen Leistungen, Weiterbildungen und Angeboten zur Gesundheitsförderung weicht die Häufigkeit der Nennungen in den Stellenanzeigen kaum von dem Anteil der befragten jungen Menschen ab, denen die jeweilige Zusatzleistung wichtig ist. Eine bedeutende Abweichung gibt es allerdings bei der betrieblichen Altersvorsorge: Während 40 Prozent der Befragten angeben, hierauf Wert zu legen, tauchen Informationen dazu in nur 22 Prozent aller online beworbenen Azubistellen auf. Hier liegt also für Ausbildungsbetriebe Potenzial, um jungen Bewerber:innen mehr gewünschte Informationen bereitstellen zu können.

Das ist auch deshalb relevant, weil Helferjobs der Berufsausbildung Konkurrenz zu machen drohen. Laut Daten der Bertelsmann Stiftung gibt inzwischen jeder fünfte junge Mensch an, nach der Schule erst einmal arbeiten zu wollen, statt eine Ausbildung zu beginnen; von denen mit niedriger Schulbildung sogar jede:r vierte. Aus der Auswertung der Stellenanzeigen geht hervor, dass Urlaubs-/Weihnachtsgeld, vermögenswirksame Leistungen und Weiterbildungen in Inseraten für Ausbildungsplätze öfter erwähnt werden als in denen für Aushilfsjobs. Einem Großteil der jungen Menschen ist jedoch auch eine betriebliche Altersvorsorge wichtig – und hier bleibt das Angebot in Ausbildungsanzeigen hinter dem für Helfer:innen und Fachkräfte zurück.

Helen Renk, Expertin der Bertelsmann Stiftung für berufliche Bildung, betont: "Es ist wichtig, die Attraktivität der Berufsausbildung hochzuhalten. Unternehmen sollten daher bereits in der Ausschreibung einer Lehrstelle deutlich machen, welche mittel- und längerfristigen Vorteile die Ausbildung bietet – gerade gegenüber dem Verharren in einer ungelernten Hilfstätigkeit. Wer besonders nachgefragte Zusatzleistungen in ein überzeugendes Gesamtpaket für Auszubildende einbettet und in den Stellenanzeigen prominent darauf hinweist, hat einen klaren Vorteil am Ausbildungsmarkt."

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