Letztes Jahr stand das Engagement für nachhaltige Entwicklung im Rahmen der 17 globalen nachhaltigkeitsziele im Mittelpunkt. Dieses Jahr drehte sich die mittlerweile dritte Konferenz um Mental Health (SDG 3: Gesundheit und Wohlergehen) und die Frage, wie junge Menschen auch bei diesem Thema ihre Positionen einbringen können und aktiv an einer nachhaltigen Entwicklung der Gesellschaft mitwirken können.
Mental Health als Fokusthema
46 Prozent der jungen Menschen sind einsam und jede:r Fünfte:r leidet unter psychischen Auffälligkeiten (21 Prozent). Das Jugendalter ist zentral für Prävention und Intervention zur mentalen Gesundheit, besonders zwischen 11 und 25 Jahren, denn dort entstehen Essstörungen, Zwangsstörungen, Substanzmissbrauch und affektive Störungen. Mentale Gesundheit ist eine Herausforderung, welche den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Demokratieeinstellung beeinträchtigten. Beispielsweise hängt Einsamkeit mit einem verstärkten Glauben an Verschwörungserzählungen und autoritären und extremistischen Einstellungen zusammen. Zusätzlich gibt es einen niedrigeren Glauben an die eigenen Fähigkeiten und damit auch ein geringeres Vertrauen in andere Menschen, Politik und das demokratische System.
Trotz der gesellschaftlichen Auswirkung des Themas, gibt es einen Mangel an Therapieplätzen, Finanzierungslücken bei Projekten und eine verschobene Priorisierung der Problematik. Auch Stigmatisierung und geringere Forschung zu jungen Menschen vor allem Schüler:innen ist ein Problem. Die Ansätze gegen die Krise der mentalen Gesundheit junger Menschen werden jedoch oft ohne ihre Beteiligung erarbeitet, dies führt zu ineffektiven Maßnahmen, welche von jungen Menschen nicht angenommen werden.
Fünf Lösungen für die Mentale Gesundheit junger Menschen
Die 100 junge Engagierte erarbeiteten fünf Lösungswege, die zu einer nachhaltigen Verbesserung von mentaler Gesundheit junger Menschen führen:
1. Mehr Teilhabe für effektive Lösungen und Prävention
Zahlreiche junge Menschen und Betroffene engagieren sich für eine Verbesserung der mentalen Gesundheit junger Menschen. Sie sind Expert:innen ihrer Lebensrealität, wissen wie sie erreicht werden und was wirkt. Um ihre Expertise effektiv einzubringen und effizient zu nutzen, benötigt es auf Bundesebene strukturiere Partizipationsmöglichkeiten in Form eines Jugendbeirats im Bundesministerium für Gesundheit und darüber hinaus.
2. Nachhaltige Strukturen zur Jugendbeteiligung schaffen
Teilhabe junger Menschen im Mehrebenensystem Deutschlands sollte nicht mehr abhängig sein von Finanzierungen und dem Wohlwollen einzelner Politiker:innen. Politische Teilhabe ist nach UN-Kinderrechtskonvention, ein Recht junger Menschen. Dies sollte nachhaltig finanziert und gesetzlich verankert werden mit Antrags- und Anfragerechten. Finnland kann hier ein Vorbild sein.
3. Jugendengagement ohne Leistungsdruck, aber mit Wertschätzung
Engagement und Ehrenamt ist eine finanzielle und psychische Belastung für alle Altersgruppen. Doch Vereinbarkeit von Engagement mit Schule und Beruf sowie Aufwandsentschädigungen für Kommissionen oder Veranstaltungen sind häufig nicht möglich. Es braucht neue, inklusive Konzepte für eine Förderung von jungem Engagement auf Augenhöhe.
4. Partizipation von Kommunal- bis Bundesebenen verbinden
Für wirkungsvolle Partizipation braucht es niedrigschwellige Vernetzungs- und Austauschangebote auf lokaler, regionaler und letztlich Bundesebene: „Vernetzung ist essenziell für nachhaltige Projekte“, so ein Teilnehmender. Dies kann beispielsweise durch jährliche Vernetzungskongresse oder interministerielle Vernetzung der Jugendbeteiligungsformate geschehen.
5. Jugendbeteiligung diversitätssensibel gestalten
Um allen jungen Menschen die Beteiligung zu ermöglichen, muss sie inklusiv und diskriminierungssensibel gestaltet werden. Das beinhaltet z.B. Inklusionsfördertöpfe für Jugendgremien, hauptamtliche pädagogische Begleitung, Mehrsprachigkeit.