Lehrerin hilft einem Schüler bei einer Aufgabe.
Symbolbild – © Veit Mette

Gesamtschule Uerdingen: Schule aufbauen mit "Vielfalt fördern"

Autorinnen: Inge Michels und Angela Müncher

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"Angetrieben von dem Zauber des Neuanfangs schaffen wir mit diesem besonderen Blick auf jedes einzelne Kind eine Schule, die zum Kind passt." So steht es auf der Seite der Gesamtschule Uerdingen. Uerdingen liegt am Rhein und ist ein Stadtteil von Krefeld. Seit dem Schuljahr 2013/2014 befindet sich dort die Gesamtschule im Aufbau. Sie nutzt das Programm Vielfalt fördern gezielt zur Schul- und Unterrichtsentwicklung ihrer noch jungen Schule. Den Blick auf die Vielfalt der Kinder zu schärfen und einen Unterricht zu entwickeln, der jedem Kind bestmöglich entgegenkommt, ist das erklärte Ziel des Kollegiums.

Das bekommen bereits die Grundschüler mit, denn die Abteilungsleiterin für die Jahrgänge 5/6 der Gesamtschule besucht ihre zukünftigen Schülerinnen und Schüler in ihren jeweiligen Grundschulklassen und tauscht sich mit den Klassenlehrerinnen und -lehrern aus. Wenige Wochen später, im Herbst, erfolgt der Gegenbesuch. Jetzt erhalten die Lehrkräfte der Grundschule Gelegenheit, ihre ehemaligen Schülerinnen und Schüler in ihren neuen Klassen zu besuchen und zu sehen, ob sie gut angekommen sind. Anschließend findet ein reger Austausch über die Kinder und die 1 Arbeitsweisen an beiden Schulen statt. Diese Kooperation ermöglicht einen sanften Übergang und eine nahtlose Fortsetzung der individuellen Fördermaßnahmen aus der Grundschule.

Die Gestaltung dieses gravierenden Übergangs von der Grundschule in die weiterführende Schule erhält durch weitere Aktivitäten einen Erlebnischarakter, der den Kindern entgegenkommt und von dem jeder neue 5er-Jahrgang noch lange zehrt. Seit 2014 organisierte das Kollegium der Gesamtschule Uerdingen zum Beispiel ein mehrtägiges Camp, damit alle Kinder und das 5er-Team der Lehrerinnen und Lehrer sich kennenlernen können. Teamspiele, Kunst und Kultur, gemeinsames Kochen und Essen werden so organisiert, dass die Kinder gezielt nach ihren individuellen Interessen und nicht nach Klassenzugehörigkeit mitmachen können. Die Vielfalt eines ganzen Jahrgangs soll so für Mädchen und Jungen auch emotional einprägsam erlebt werden.

Vorteil: ein beachtlicher multiprofessioneller Fundus

Eine Schule, die zum Kind passt! Das kommt schon fast einem Paradigmenwechsel im mehrgliedrigen Schulsystem gleich, denn es bedeutet ja: Wir gestalten eine einzige Schule, die zu jedem Kind passt. Wie soll das funktionieren? Schulleiterin Brigitte Munsch antwortet: "Wir schauen auf das einzelne Kind und sagen: Das Kind bräuchte eigentlich dieses oder jenes. Wir können es aber vielleicht selber nicht leisten. Und dann gehen wir auf die Suche, welche Profession oder welches Angebot hier sinnvoll andocken könnte." Diese Suche führt vor allem dazu, dass die verschiedenen Kompetenzen der Kolleginnen und Kollegen sehr bewusst registriert und in die Gestaltung der Schule eingebunden werden. Die Gesamtschule Uerdingen verfügt bereits über einen beachtlichen multiprofessionellen Fundus: Sie versammelt in ihrem stetig wachsenden Kollegium Lehrkräfte und Fachkräfte aus Förder-, Haupt- und Realschule, aus Gymnasium und schulpsychologischem Dienst. Hinzu kommen ein Lerncoach und die Sozialpädagogen – nicht zu vergessen Lehrkräfte, die in DaZ (Deutsch als Zweitsprache) geschult sind. Munsch: "Darüber hinaus pflegen wir ein lebendiges Netzwerk und arbeiten mit anderen in der regionalen Bildungslandschaft zusammen. Das Kollegium geht mit offenen Augen durch die Welt und sagt uns zum Beispiel: ‚Ich kenne da jemanden, der könnte genau diesem Kind helfen.‘"

Herausforderung: Bei der Stange bleiben, wenn es mal knirscht

Um einschätzen zu können, was jedes Kind braucht, bedarf es guter diagnostischer Kompetenz, zu der die Lehrkräfte in Vielfalt fördern in Modul 2 fortgebildet wurden. Ausgerechnet in diesem Modul hakte es jedoch. Es war dem agilen Kollegium zu theoretisch und auch zu strukturiert. Die Lehrkräfte, die bereits gewohnt waren, im Unterricht aufzuspüren, was ein Kind braucht, wollten auch im Modul Diagnostik schneller auf den Punkt kommen. Anne Ising, Mitglied der Steuergruppe: "Wenn wir alle diese Dinge, die uns sowieso schon ins Auge springen, bearbeiten, dann denke ich, die ganz feinen Diagnosen, die man vielleicht auch noch stellen könnte, die würden wir im Alltag nicht mehr berücksichtigen können. Das Diagnosemodul traf deshalb nicht so ganz unsere Bedarfe."

Was will ich überhaupt diagnostizieren? Was bringt die Diagnose dem Kind und uns? Wie gehe ich mit dem, was ich herausgefunden habe, um? Wo müssen wir noch einmal differenzieren? – das waren die 2 handfesten Fragen, die das Kollegium interessierten. In intensiven und hartnäckigen Diskussionen mit den Moderatoren fand man letztendlich doch noch zusammen und nutzte die Zeit, die Diagnosefähigkeiten und den Umgang mit Diagnoseinstrumenten zu reflektieren. Munsch: "Auch wenn dieses Modul nicht ganz so optimal in unserem Sinne gelaufen ist: Wir haben die Zeit gehabt, darüber zu reflektieren. Das ist so, als wenn wir zu einem Schüler sagen: ‚Du machst das jetzt bitte mal, denn ich denke, das ist das Richtige für dich. Und wenn du danach immer noch sagst, es ist nichts für dich, dann wissen wir beide es wenigstens ganz genau.‘"

Aber ist es nicht schwierig, die Motivation eines Kollegiums hochzuhalten, wenn erst einmal Unmut entstanden ist? Bei der Stange blieben die Lehrkräfte vor allem auch deshalb, weil sie insgesamt vom Sinn der Fortbildung überzeugt blieben, weil der Start in Modul 1 sehr gelungen war und weil die Bausteine in Modul 3 (Didaktik) wieder praxisorientierter angelegt waren. Insbesondere Baustein 4 (differenzierende Aufgabenformate) traf genau das Interesse der Lehrkräfte, den unterschiedlichen Lernständen und Lernvoraussetzungen ihrer Schülerinnen und Schüler gerecht werden zu wollen. In diesem Baustein lernten sie nicht nur entsprechende Materialien kennen, sondern auch, differenzierende Aufgaben zu erstellen.

Begeisternd wirkte zudem, dass das Kollegium die Zeit nutzen durfte, sich mit den Materialien zu befassen, die die eigenen Lehrkräfte für Sonderpädagogik mitbrachten. Ising: "Das habe ich wirklich wieder als sehr positiv und gewinnbringend erlebt. Ich habe zum Beispiel ganz konkret mit meiner Geschichtskollegin eine ganze Unterrichtsreihe geplant. Wir hatten vorher überlegt: Wie können wir die Aufgaben so differenzieren, dass wir auf alle Kinder eingehen? Angeregt durch unsere Sonderpädagogen, haben wir Antworten gefunden. Das ganze Material, das die schon haben, so ein großer Fundus! Was es an guten, einfachen Materialien alles gibt! Wir haben dann einiges bei den Verlagen bestellt."

So begannen die Lehrkräfte, nicht nur ihr eigenes Material für den Unterricht zu nutzen, sondern gezielt Lehrwerke aus dem sonderpädagogischen Bereich zu sichten und auch diese Materialien für den Unterricht zu nutzen. Das war etwas ganz Neues und wurde als ausgesprochen positiv bewertet. In Zusammenarbeit mit den Sonderpädagogen wurden für alle Fächer systematisch die sonderpädagogischen Materialien durchgesehen und danach ausgewertet, wie aus ihnen Zusatzaufgaben für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf generiert werden können. Vielfalt fördern hat hier im Hinblick auf Inklusion noch einmal zu einem besonderen, praktischen Gewinn geführt.

Gewinn: Inklusion als Segen, Vielfalt fördern als Bestärkung

Als neues Kollegium von Anfang an eine gemeinsame mehrjährige und teamorientierte Fortbildung zu machen – das war das Anliegen der Schulleiterin im Programm Vielfalt fördern. Dieses ging letztendlich auf. Gerade auch deshalb, weil das Kollegium einen guten Weg gefunden hatte, die sukzessiv neu hinzukommenden Kolleginnen und Kollegen in das bereits Gelernte einzubeziehen. Die Steuergruppe organisierte dafür einen Nachmittag, in dem die Inhalte der Module aufbereitet und den Neuen in der Art einer kleinen internen Fortbildung vorgestellt und erläutert wurden. Ergänzend dazu erwies sich die Lernplattform Moodle als hilfreich. In diese Online- 3 Kursräume stellte das Kollegium die Arbeitsmaterialien der Fortbildung ein – auch jene, die im Laufe des Programms selbst entwickelt wurden. So entstand ein Vielfalt-fördern-Archiv, das an der Gesamtschule jedem zur Verfügung steht und auch dem Teamgedanken der Schule Rechnung trägt.

Stichwort Team: Wie so manche Schule, die sich für eine Teilnahme an Vielfalt fördern beworben hatte, profitierte auch die Gesamtschule Uerdingen von Modul 1 (Kooperative Unterrichtsentwicklung durch kollegiale Teams). Die Überzeugung, dass eine Schule für jedes Kind nur im Team aufgebaut werden kann und dass Teambildung immer wieder professionell angeregt und Routinen zugeführt werden muss, machte das Modul 1 zu einem großen Gewinn für die Schule. Schulleiterin Munsch: "Wir haben durch das Projekt noch mal neue Ideen bekommen und uns bestätigt gefühlt in unserem Verständnis, dass Teambildung enorm wichtig ist." Vanessa Neubrech, Mitglied der Steuergruppe: "Ich bin relativ neu an der Schule, aber ich denke, die Teamentwicklung ist bei uns ziemlich gut. Ich möchte ein Beispiel nennen: Ich unterrichte zum Beispiel NW, also Naturwissenschaften. In dem Fach können Kinder, die einen Förderbedarf Lernen haben, gut mitarbeiten, wenn auch in etwas abgespeckter Form. Wir haben einmal die Woche eine Stunde, da setzen meine Kollegin aus dem Klassenlehrerinnen-Team und ich uns mit der Lehrerin für Sonderpädagogik zusammen. Wir haben wirklich eine Stunde Zeit, Sachen zu besprechen, Unterrichtsmaterialien auszutauschen oder mal drüberzuschauen. Diese Stunde ist uns ganz, ganz wichtig und sie ist im Stundenplan verankert. Wenn sie ausfällt, dann merken wir das, weil wir diese Zeit zum Besprechen einfach brauchen."

Nicht nur vor diesem Hintergrund empfindet die Schulleitung die Verpflichtung zur Inklusion als einen Segen – trotz mancher Baustellen, insbesondere zu geringer Ressourcen. Brigitte Munsch erläutert die Vorteile: "Wir stellen zum Beispiel fest, dass in den Klassen, in denen die Inklusionskinder und unsere Sonderpädagogen arbeiten, das Classroom Management sehr gut funktioniert. Gerade für Kinder mit besonderem Förderbedarf sind Strukturen von größter Bedeutung. Darauf machen uns die Kollegen immer wieder aufmerksam. Diese Strukturen helfen aber auch den anderen Kindern. Es sind viele Dinge, die den Kindern, die besondere Unterstützung brauchen, helfen, wovon dann aber auch die anderen profitieren. So entsteht häufig eine andere, ganz eigene Klassengemeinschaft. Die Kinder fühlen sich wohl, sie folgen dem Unterricht, wir gehen gerne in die Klassen – und so kann ein sehr produktiver Kreislauf entstehen."

Entlastung: Hospitation und Teamteaching

Während manche Schule vor der kollegialen Unterrichtshospitation (Baustein 3 im Modul 1) eher zurückschreckt, begriffen die Lehrerinnen und Lehrer in Uerdingen diese Zusammenarbeit als besonders effizient und entlastend. Unterrichtshospitation wurde intensiv organisiert und wird immer dann genutzt, wenn eine Lehrkraft den Blick von außen braucht. Gerade die Abwechslung zwischen aktiv zu unterrichten und zu beobachten empfinden die Lehrerinnen und Lehrer als Bereicherung. Sie berichten, dass sich ihr Blick auf jedes Kind schärfe, zum Beispiel darauf, auf welche Art der Aufgabenstellung oder auch der persönlichen Ansprache es reagiert.

Gibt es mit einer Klasse oder einem Kind Schwierigkeiten, entlaste es, sich selbst Hilfe in den Unterricht holen zu können und bei einem Kollegen zu beobachten, wie sich das Kind oder die ganze Klasse bei dem Kollegen verhält. Vanessa Neubrech: "Das haben wir durch diese Beobachtungsbögen 4 im ersten Modul intensiv geübt und ausprobiert. Wir bekamen gute Modelle und konnten uns aussuchen, welche Punkte uns wichtig waren und woran wir arbeiten wollten." Die Schulleiterin führt dazu aus: "Teamteaching hat eigentlich nur Vorteile. Wir verfügen zum Beispiel über Stellen, die heißen Vertretungspräsenz. Jetzt tritt aber nicht jeden Tag ein Vertretungsbedarf ein. Dann gehen die Kolleginnen und Kollegen mit Vertretungspräsenz aber trotzdem in den Unterricht bestimmter Klassen mit rein. Das heißt, wir versuchen, die Lehrkraft so optimal wie möglich einzusetzen. Dadurch haben die Kolleginnen und Kollegen immer wieder eine fremde Person mit im Unterricht und – ganz wichtig – das Prüfungsgefühl verliert sich."

Aber auch jenseits des Teamteachings war es der Schulleiterin von vornherein ein Anliegen, eine Kultur der Offenheit zu etablieren. Munsch: "Man muss diese Scheu abbauen, nach Unterstützung zu fragen. Nicht sich zurückziehen, sondern offensiv zum Beispiel den Stundenplaner nach Entlastung fragen. Jeder Kollege, jede Kollegin sollte für sich klar haben: Wenn ich den Blick eines anderen brauche, dann kann ich mich immer an die Orga wenden." Die Botschaft der Schulleiterin ist eindeutig: Schwierigkeiten zu erkennen und zu beschreiben, ist kein Stigma, sondern Teil des professionellen Selbstverständnisses. Guido Greif, Klassenlehrer einer Inklusionsklasse, bringt es auf den Punkt: "Wir holen uns Rat, bevor Probleme entstehen." Das merkt man auch der Klasse von ihm und seiner Co-Leitung, der Sonderpädagogin Silvia Spennes-Claßen, an: Wirklich alle Kinder arbeiten konzentriert, die Atmosphäre ist von Wertschätzung geprägt. So eine konstruktive Offenheit wirkt sich anscheinend auch auf die Schüler aus.

An der Gesamtschule wurde nicht zuletzt deutlich, dass kollegiale Unterrichtshospitation umso unaufgeregter ausprobiert wird, je vertrauter die Lehrkräfte im Team arbeiten, je mehr Wert auf eine Kultur der Offenheit und der Klärungen gelegt wird. Den Kollegen, die Kollegin zu fragen "Wie ist deine Perspektive?", war dem Gesamtschulkollegium bereits vor der Fortbildung zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Es hatte bereits Erfahrung, in Jahrgangsteams zu arbeiten. Deren Unterricht liegt parallel, auch die Klassenfahrten finden zur gleichen Zeit statt. Gleichzeitig werden Jahr für Jahr neue Kolleginnen und Kollegen in den Aufbau der Schule eingebunden und in Teams integriert. Vielfalt fördern wurde deshalb auch explizit dafür genutzt, die Schule inhaltlich mit allen gemeinsam zu entwickeln: Die Richtung dazu war vorgegeben – und die Module und Bausteine haben dazu beigetragen, Unterricht und Teams konkret zu gestalten, und zwar mit allen. Munsch: "Das ist mir sehr, sehr wichtig gewesen, dass das ganze Kollegium dabei war und dass ich auch bei den Gruppenarbeitsphasen immer dabei sein durfte, weil die Kollegen mich ließen. Dadurch habe ich unmittelbar mitbekommen, was sich in dem Kollegium bewegt. Das hätte ich in so kurzer Zeit, mit so vielen Bausteinen, hier an der Schule nicht allein erledigen können."

Exkurs

Jedes geflüchtete Kind hat einen eigenen Stundenplan

Vielfalt fördern mit seinem Blick auf individuelle Förderung und Unterrichtsentwicklung unterstützt Lehrkräfte darin, ihren Unterricht mehrperspektivisch zu planen und mit den verschiedenen Dimensionen von Diversität sensibel umzugehen. Damit ist das Programm auch gut geeignet, den Unterricht für Seiteneinsteiger anzupassen.

Die Gesamtschule Uerdingen hat für rund 30 geflüchtete Kinder, die ihr zugewiesen wurden, zwei separate Klassen gebildet. In der Anfangsphase werden sie von zwei dafür ausgebildeten Lehrkräften 5 (Fortbildung oder Studium Deutsch als Zweitsprache, DaZ) betreut und unterrichtet. Die Vielfalt oder Diversität gerade bei diesen Kindern und Jugendlichen ist beachtlich. Sie reicht von einem gymnasialen Niveau bis zu Kindern, die noch nie eine Schule besuchen konnten; es gibt traumatisierte junge Menschen und ehrgeizige Heranwachsende, die die Vergangenheit abschütteln wollen. Um den sozialen Anschluss zu forcieren, werden alle möglichst zügig – je nach ihren Kompetenzen – auf "Heimat-Klassen" verteilt und nehmen dort in Sport, Kunst, Mathematik und Naturwissenschaften, manchmal auch bereits in Englisch am regulären Unterricht teil. Für jedes Kind wird ein individueller Stundenplan aufgestellt. Wie alle Schülerinnen und Schüler bleiben sie bis zum Schulabschluss in ihren Klassen und bekommen Paten zur Seite gestellt, die ihnen das Einleben erleichtern und helfen, sich zurechtzufinden. Um Grüppchenbildung oder Separierung zu vermeiden, achtet die Schulleitung darauf, dass nie zwei oder drei geflüchtete Jugendliche gleicher Sprache in eine "Heimat-Klasse" kommen. So soll die Integration in die Schulgemeinschaft gefördert werden.

Geflüchtete Kinder: konsequent mitgedacht

"Wie finden geflüchtete Kinder gut in unser System?" – das ist die Frage, die sich die Schule stellt. Getreu ihrer Devise, für jedes Kind gute Lösungen zu finden und dafür im Netzwerk der Schule zu recherchieren, gibt es immer wieder erfreuliche Kooperationen. Dazu gehört zum Beispiel der pensionierte Schreiner, der früher in einer Einrichtung für schwer erziehbare Jugendliche gearbeitet hat und jetzt für einige Stunden Technik in die Gesamtschule Uerdingen kommt. "Na klar mach‘ ich das. Dann lernen die auch mal was Handlungsorientiertes kennen, sprechen Deutsch mit mir und lernen direkt ein paar Fachbegriffe", erläutert er sein Engagement. Andere Netzwerkpartner üben Lesen mit jenen Kindern, die erst alphabetisiert werden müssen. Ein weiteres Beispiel: Der Stadtsportbund hat es zum einen ermöglicht, dass ein Sportler mit den geflüchteten jungen Menschen Tischtennis spielt, und zum anderen, dass eine Begleitperson den Schwimmunterricht unterstützt. So können Jugendliche, die noch nicht schwimmen können, am Unterricht der jüngeren Schüler teilnehmen.

Dass geflüchtete Kinder von Anfang an konsequent mitgedacht werden und bei der Klassenaufteilung auf bestmögliche Integrationschancen geachtet wird, ist nicht selbstverständlich. Längst nicht jede Schule geht so vor. Die Schulleiterin Munsch findet das jedoch selbstverständlich: "Wir sind nicht nur eine Gesamtschule, sondern wir verstehen uns als eine inklusive Gesamtschule. Es wird ja an anderen Schulen immer gesagt: ‚Nach zwei Jahren sehen wir, auf welche Schule das geflüchtete Kind gehen kann.‘ Aber es ist doch ganz klar, dass die auf einer Gesamtschule bleiben können. Deshalb gehören sie zu unserer Vielfalt von Anfang an dazu." Anne Ising, Mitglied der Steuergruppe, erzählt: "Die Kollegen, die diese Einsteigerklassen hauptsächlich betreuen, waren zu einer Fortbildung von Care Deutschland in Bonn und haben sich genau mit dem Thema beschäftigt: Wie können wir geflüchtete Kinder sozial möglichst gut integrieren? Bei dieser Fortbildung ging es zum Beispiel darum, dass nicht nur die Flüchtlingskinder erzählen und reflektieren sollen, was für sie Heimat bedeutet, sondern auch die anderen Kinder. Wir haben das aufgegriffen und es entstand unter den Schülern ein bewegender Austausch auf einer sehr persönlichen Ebene."