Gruppenbild vor dem See der Bertelsmann Stiftung
Bertelsmann Stiftung

Zusammenarbeit: JugendExpertenTeam berät Projekt

Was bedeutet Armut für den Alltag und die Chancen von Kindern und Jugendlichen? Was gehört heute in Deutschland überhaupt zu einem guten Aufwachsen dazu? Auf diese Fragen können in erster Linie junge Menschen selbst eine Antwort geben. Daher begleitet und berät das JugendExpertenTeam seit November 2017 unser Projekt.

Im JugendExpertenTeam diskutieren siebzehn Jugendliche aus NRW im Alter zwischen 14 und 21 Jahren mit dem Projektteam „Familie und Bildung“. Dafür traf sich die Gruppe im vergangenen Jahr an vier Wochenenden. Moderiert werden die Treffen von der Beteiligungsexpertin Sonja Jensen. Das Ziel der ersten Arbeitstreffen war es, das neue Konzept für eine Teilhabe gewährleistende Existenzsicherung für Kinder und Jugendliche des Projekts „Familie und Bildung“ aus Sicht junger Menschen zu bewerten und zu ergänzen. Dieses Konzept wurde gemeinsam von einer wissenschaftlichen Expertenrunde und dem Projekt entwickelt.

Das JugendExpertenTeam ist bunt

Die Mitglieder des JugendExpertenTeams bringen sehr unterschiedliche persönliche Alltagserfahrungen mit. Das Team besteht zu gleichen Teilen aus Jungen und Mädchen, etwa die Hälfte hat einen Migrationshintergrund und einige der Jugendlichen haben selber Armutserfahrungen gemacht. Diese unterschiedlichen Erfahrungen und diese Expertise machen es möglich, die Überlegungen und Vorschläge des Projekts zu überprüfen und möglichst nah an die vielfältigen Lebenswirklichkeiten von Kindern und Jugendlichen anzupassen. 

JugendExpertenTEam

Jugendliche bringen eigene Perspektive ein

Die bisherigen Treffen des JugendExpertenTeams waren von spannenden Diskussionen und intensiver inhaltlicher Arbeit geprägt. Beim ersten Treffen (November 2017) stand die Einarbeitung in das Thema Kinderarmut im Mittelpunkt, dem sich die Jugendlichen durch eine Beschreibung von Armutsfolgen sowie einer gemeinsamen Armutsdefinition näherten. Daneben nutzten die Jugendlichen das Treffen, um eigene Arbeitsziele und Erwartungen zu formulieren.

Beim zweiten Treffen (Januar 2018) drehte sich alles um die Bedarfe junger Menschen – zum Beispiel mit Blick auf finanzielle Mittel, Zeit, Beteiligungsmöglichkeiten und Unterstützungsangebote. Die jugendlichen Experten arbeiteten heraus, welche Bedarfe sie in verschiedenen Bereichen haben und wie wichtig diese für sie sind. So konnten sie zeigen, was aus ihrer Sicht heute für Teilhabe notwendig ist, wo für sie aber auch Überfluss beginnt.

Darauf aufbauend setzte sich das JugendExpertenTeam beim dritten (März 2018) und vierten Treffen (Juni 2018) intensiv mit den Lösungsvorschlägen des Konzepts auseinander. Dazu tauschten sich die Jugendlichen mit Mitgliedern der wissenschaftlichen Expertenrunde aus sowie mit unserem Vorstand Jörg Dräger. 

Das muss passieren, um Kinderarmut zu verhindern

Das JugendExpertenTeam begrüßte die Vorschläge des Konzepts, formulierte aber auch wichtige Anregungen und Ergänzungsvorschläge. Diese Hinweise sind in die Weiterentwicklung des Papiers eingeflossen und tragen entscheidend dazu bei die Perspektive junger Menschen im Konzept zu schärfen. Um allen Kindern und Jugendlichen faire Bildungs- und Teilhabechancen zu sichern, sind aus ihrer Sicht vier Voraussetzungen entscheidend:


1. Haltung ändern
Das JugendExpertenTeam stellt fest, dass Kinder und Jugendliche sich viel zu häufig nicht ernst genommen und von oben herab behandelt fühlen. Dabei wissen sie, was sie brauchen und sind in der Lage, Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Doch häufig treffen sie auf die gleiche Barriere – die Schranken im Kopf der Erwachsenen. Das JugendExpertenTeam betont daher, dass eine Haltungsänderung Grundlage für die Umsetzung des Konzepts sein muss. 

2. Kinder und Jugendliche beteiligen
Kinder und Jugendliche müssen beteiligt werden und mitbestimmen können. Gerade wenn es um ihr eigenes Leben geht, wissen sie selbst am besten was sie brauchen und woran es ihnen fehlt. Für die im Konzept vorgesehene Bedarfserhebung für und mit Jugendlichen fordert das JugendExpertenTeam daher ergänzend „fragt uns – auch was ihr fragen sollt“.

3. Bildung verbessern
Der Lebensort Schule ist für Kinder und Jugendliche von besonderer Bedeutung. Hier erfahren sie Bildung, knüpfen soziale Kontakte und lernen fürs Leben. Das JugendExpertenTeam kritisiert jedoch, dass ihnen in der Schule vertrauensvolle Ansprechpersonen fehlen und wenig Rücksicht auf ihre Individualität genommen wird. Sie wünschen sich, dass Lehrer*innen stärker auf ihre individuellen Bedürfnisse, Stärken und Talente eingehen. 

4. Transparenz schaffen
Das JugendExpertenTeam kritisiert, dass viele benachteiligte Kinder, Jugendliche und ihre Familien aktuell nicht zu ihrem Recht kommen. Fehlende Informationen, die Vielzahl verschiedener Leistungen sowie die damit verbundenen bürokratischen Hürden führen dazu, dass gerade bei denjenigen, die arm sind, nicht genügend ankommt. Junge Menschen müssen daher besser über das Sozialsystem und ihre Ansprüche auf Hilfe und Unterstützung informiert werden. Das sollte in der Schule an alle Jugendlichen vermittelt werden.

Tagung

Die jugendlichen Experten stellten die Ergebnisse ihrer Arbeit zudem auf der Tagung: Neu denken | Teilhabe sichern | Kinderarmut vermeiden am 5. Juli 2018 vor und diskutierten sie unter anderem mit Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey.

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Ausblick

Mit ihren Meinungen, Perspektiven und Erfahrungen haben die Jugendlichen die Arbeit des Projekts enorm bereichert. Die von ihnen eingebrachten Impulse werden wir in der Zukunft gemeinsam mit dem JugendExpertenTeam weiterverfolgen. Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit!

Mitglieder des JugendExpertenTeams

Maricel Borowski, Devrim Celik, Mirko Cresnar, Lejla Dokso, Edanur Gözgec, Özgür Kar, Fabian Lamshöft, Lea Leidig, Viktoria Lizo, Blerta Morina, Marius Mussinger, Amir Sallachi, Emily Sawatzki, Sascha Stahn, Nico Teuber, Julia Wisniewski, Burhan Yesilöz

Bildergalerie: Einblicke in die Arbeit des JugendExpertenTeams

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