Gruppe diskutierender Jugendliche
© kali9/Getty Images/iStockphoto

Tagung, 4. Juli 2019: Fragt uns – Kinder und Jugendliche ins Boot holen!

Was beschäftigt Kinder und Jugendliche in Deutschland und was brauchen sie für ein gutes Aufwachsen? Diesen Fragen geht die Studie Children’s Worlds+ nach, die das Projekt „Familie und Bildung“ gemeinsam mit den Autorinnen der Goethe-Universität Frankfurt am 4. Juli auf der Tagung „Fragt uns – Kinder und Jugendliche ins Boot holen“ in Berlin vorgestellt hat. Mit dabei: Das JugendExpert:innenTeam des Projekts, das die Veranstaltung mit konzipierte und mit durchführte.

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Erwachsene sollten Kindern und Jugendlichen auf Augenhöhe begegnen, ihnen mehr zutrauen und sie konsequent beteiligen. Mit diesem leidenschaftlichen Appell begrüßte Lea Leidig vom JugendExpert:innenTeam der Bertelsmann Stiftung die 120 Gäste aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Verbänden. Gemeinsam mit den Frankfurter Studienautorinnen um Prof. Sabine Andresen und dem Projektteam der Stiftung hatte das JugendExpert:innenTeam in die Botschaft für Kinder in Berlin eingeladen. Ziel der Tagung war es, die Ergebnisse der Studie Children’s Worlds+ vorzustellen und gemeinsam zu diskutieren, wie die Stimmen und Perspektiven von Heranwachsenden in Zukunft besser berücksichtigt werden können. Moderiert wurde die Tagung von Johannes Büchs, Fernsehmoderator bei KIKA.

JugendExpert:innenTeam der Bertelsmann Stiftung sowie Anette Stein (2. Reihe, 3.v.r.) und Prof. Sabine Andresen (2. Reihe, 2.v.r.); Fotograf: Thomas Kunsch

Fehlende Mitbestimmungsmöglichkeiten in Schule und Politik

Zu Beginn der Veranstaltung gab Prof. Sabine Andresen einen Überblick über die wichtigsten Ergebnisse der repräsentativen Kinder- und Jugendstudie Children’s Worlds+ (die Präsentation finden Sie hier). Die Studie zeigt, dass Selbst- und Mitbestimmung ein zentrales Thema für Kinder und Jugendliche in Deutschland ist. Sie macht aber auch deutlich, dass junge Menschen sich häufig nicht ernst genommen und nur unzureichend beteiligt fühlen. Besonders in der Schule und der Politik bemängeln sie fehlende Möglichkeiten gehört zu werden und mitgestalten zu können.

Besorgniserregend ist, dass mehr als die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen angeben, im letzten Monat gehänselt, ausgegrenzt oder absichtlich gehauen worden zu sein. „Schulen dürfen mit diesem Problem nicht allein gelassen werden“, forderte Andresen. Kinder und Jugendliche sollten sich an Schulen sicher fühlen – dafür benötigen sie vertrauensvolle Ansprechpersonen, an die sie sich wenden können.

Obwohl die Mehrheit der Kinder und Jugendlichen materiell gut versorgt ist, machen sich rund 52 Prozent der Befragten Sorgen um die finanzielle Situation ihrer Familie – gerade diese Kinder und Jugendlichen erfahren häufiger Ausgrenzung und Gewalt und sind in ihrer Teilhabe eingeschränkt. Diese Gruppe gelte es besonders in den Blick zu nehmen und durch finanzielle Leistungen und Angebote gezielt zu unterstützen, forderte die Wissenschaftlerin. 

Teilnehmer:innen und Jugendliche diskutieren in Workshops

Im Anschluss diskutierten die Teilnehmer:innen in zwei Arbeitsphasen in jeweils fünf thematischen Workshops die Ergebnisse der Studie. Den Mitgliedern des JugendExpert:innenTeams kam dabei eine besondere Rolle zu: In den vergangenen Monaten hatte sich das Team intensiv mit der Studie beschäftigt und mit den Forscherinnen über Fragebogen und Auswertungen gesprochen. In den Workshops stellten die Jugendlichen ihre Interpretationen zu den Ergebnissen der Studie vor und formulierten Forderungen an Politik und Gesellschaft. Dazu nutzten sie eine Vielzahl unterschiedlicher Methoden – unter anderem eine Schreibwerkstatt, ein Haltungsbingo und ein Kinderrechtequiz.

Die einzelnen Workshops im Detail:

Was heißt das für die Politik?

Zum Abschluss der Tagung fassten Politiker:innen, die als Berichterstatter und Mitdiskutanten an der zweiten Workshopphase teilgenommen hatten, die Workshops zusammen und kommentierten die Ergebnisse der Studie mit Blick auf ihre politische Arbeit. Auf dem Podium saßen Marcus Weinberg (CDU), Katja Mast (SPD), Daniel Föst (FDP), Dr. Dietmar Bartsch (DIE LINKE) und Katja Dörner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN). Schnell wurde deutlich, dass alle Politiker:innen die Befragung und Beteiligung von Kindern und Jugendlichen unerlässlich finden. Mit Blick auf die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen wurde diskutiert, welche Rolle die Verankerung von Kinderrechten im Grundgesetz oder eine Absenkung des Wahlalters spielen kann. Darüber hinaus nahm das Thema Kinderarmut viel Raum ein. Gerungen wurde dabei darum, wie ein grundlegender Systemwechsel in der Familienpolitik aussehen muss, um eine materielle Absicherung aller Kinder und Jugendlichen zu erreichen.

Marcus Weinberg (CDU), Katja Mast (SPD), Dr. Dietmar Bartsch (DIE LINKE), Johannes Büchs, Katja Dörner (Bündnis 90 / Die Grünen) und Daniel Föst (FDP) bei der Veranstaltung Children's Worlds "Fragt uns - Kinder und Jugendliche ins Boot holen!" in Berlin am 4. Juli 2019; Fotograf: Thomas Kunsch

Publikation: Children's Worlds+ (Gesamtauswertung)

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