Plenumssaal Forum MYSKILLS 28.06.2018
Forschungsinstitut betriebliche Bildung (f-bb)

: Forum MYSKILLS

Am 28. Juni 2018 fand das gemeinsam von Bertelsmann Stiftung, Bundesagentur für Arbeit und Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb) organisierte „Forum MYSKILLS: Berufliche Kompetenzen erkennen. Qualifikationen fördern. Fachkräfte sichern.“  im Humboldt Carré in Berlin statt. Rund 260 Teilnehmer/innen aus Arbeitsagenturen und Jobcentern haben das MYSKILLS-Forum besucht. 

MYSKILLS – ein innovatives Instrument für die Vermittlungsarbeit

Teilnehmer/innen konnten auf dem Forum allgemeine Informationen zum Instrument „MYSKILLS“ sowie zum Umgang und Einsatz in der Praxis erhalten. Im Fokus der Veranstaltung standen zum einen die Möglichkeiten des Einsatzes von Kompetenzfeststellungsverfahren für berufliche Integration, Fachkräftesicherung, Weiterbildung und Nachqualifizierung. Zum anderen wurden Beispiele aus der Praxis aufgezeigt, bei denen MYSKILLS erfolgreich eingesetzt wurde.

Programm Forum MYSKILLS 28.06.2018 (PDF Download)

Unter der Moderation von Frank-Christian Starke wurden am Vormittag drei Inputvorträge gehalten. Der erste Vortrag von Dr. Elisabeth Neifer-Porsch, Bundesministerium für Arbeit, thematisierte den Fachkräftemangel in Deutschland und die Chancen und Hoffnung gegenüber Verfahren zur Kompetenz­fest­stellung für den deutschen Arbeits­markt. Im Anschluss referierte Friedhelm Siepe, Bundesagentur für Arbeit, über die Gründe für die Entwicklung von MYSKILLS und die Erwartungen der Bundes­agentur für Arbeit an das Instrument. Er machte deutlich, dass mit diesem neuen und innovativen Instrument wertvolle Informationen über Personen und deren berufliche Erfahrungen gewonnen werden, die in dieser Form und Tiefe bisher nicht vorlagen. Den Abschluss des Vormittagsprogramms und die Überleitung in die Anwenderforen übernahm Frank Frick von der Bertelsmann Stiftung. Er stellte das Instrument MYSKILLS vor, bettete es in den aktuellen Stand zur Arbeitslosigkeit gering qualifi­zierter Personengruppen und der Verwertbarkeit ihrer informell und non-formal erworbener Kompe­tenzen ein. Vor diesem Hintergrund machte er deutlich, wie wichtig die Identifikation solcher Kompetenzen ist. 

Video: Forum MYSKILLS – Anwendung in der Beratung und Vermittlung

Spannende Impulse und Diskussionen in drei Anwenderforen

Nach der Mittagspause fanden zwei Durchläufe von drei Anwenderforen statt.

Beratung und Vermittlung mit MYSKILLS – Anwendungsstrategien aus Agenturen und Jobcentern

In Beratungs- und Vermittlungsprozessen von Geflüchteten und formal Geringqualifizierten erschweren neben sprachlichen Hürden eine Vielzahl weiterer Herausforderungen eine Integration in den Arbeitsmarkt. Insbesondere das Fehlen von Unterlagen und Zertifikaten erschwert die berufliche Integration. MYSKILLS bietet hier eine Lösung zur schnellen  fachlichen Standortbestimmung in sechs verschiedenen Sprachen und 30 Ausbildungsberufen. Die Einordnung und die Anwendung des Instruments in der Beratungspraxis der Agenturen und Jobcenter standen im Mittelpunkt des Forums und werden um die Arbeitgebersicht ergänzt.

Die Referentinnen und Referenten gaben durch zahlreiche Fallbeispiele einen Einblick, wie die Testergebnisse von MYSKILLS in der Beratungspraxis unterstützen können. So berichtete Anja Block, Bundesagentur für Arbeit, von Testergebnissen verschiedener Personen, die Aufschluss darüber gaben, warum in einem Fall eine Vermittlung bisher schwierig war. Erst durch das Testergebnis war es der Vermittlungsfachkraft möglich, den Ursachen auf den Grund zu gehen. Von ähnlichen Erfahrungen konnten auch Ingeborg Liebhaber und Pina La Prova der Agentur für Arbeit München berichten. Wie Arbeitgeber ebenfalls von den Testergebnissen profitieren können, erläuterte Peter Attin von MAN SE.

Kompetenzfeststellungsverfahren für Personen ohne formalen Abschluss und Geflüchtete

Verfahren, wie beispielsweise check.work, meine-berufserfahrungen.de, MYSKILLS und VALIKOM unterscheiden sich unter anderem durch ihren Ansatz und ihre Zielsetzung. Einzelne Verfahren dokumentieren lediglich erworbene berufliche Kompetenzen, bei anderen geht es hingegen um die Bewertung und objektive Messung der vorhandenen beruflichen Kompetenzen oder um deren Anerkennung. Die mit den Verfahren zu erreichende Zielsetzungen unterscheiden sich, weswegen jedem eine eigene Rolle zugeschrieben werden kann. Eine derzeitige Herausforderung in diesem Bereich bildet die Verknüpfung und Weiterentwicklung der Verfahren sowie die Schaffung von Schnittstellen zur beruflichen Aus- und Weiterbildung.

Rainer Möller vom Meramo Verlag GmbH und Hubert Schöffmann von der IHK München und Oberbayern stellten in ihrem Vortrag das Instrument check.work vor. Sie zeigten, wie das „Modul 1: Praxis“ Beratungs- und Vermittlungs­fachkräfte dabei unterstützt, mitgebrachte berufliche Erfahrungen von Menschen mit Migrationshintergrund zu erkennen.

Dr. Martin Noack, Bertelsmann Stiftung, stellte das Instrument www.meine-berufserfahrung.de vor. Er zeigt online, wie das Tool in wenigen Minuten erfasst, welche Berufserfahrungen eine Person in zentralen Tätigkeiten eines Berufs gesammelt hat. Sechs Sprachen inkl. die deutsche Übersetzung stehen zur Verfügung. Die Selbsteinschätzung kann dabei helfen, eine Entscheidung über weitere Kompetenzdiagnostik (z.B. die Zuweisung zu MYSKILLS) zu treffen oder weitere Wege in Arbeit und Qualifizierung zu planen.

Mit dem Vortrag von Christina Hirsch, Bundesagentur für Arbeit, wird der Kreis verschiedener Kompetenzfeststellungsverfahren geschlossen. Mit einem Ausblick auf die Zielsetzung und Verfahren in VALIKOM macht sie deutlich, was die verschiedenen Verfahren leisten können und in welchem Verhältnis das MYSKILLS-Instrument dazu steht. 

Kompetenzorientierte Weiterbildung und (Weiter-) Qualifizierung

Die Weiterbildung und Qualifizierung gewinnt im Lichte der Sicherung von Fachkräften und des lebenslangen Lernens an Bedeutung. Kompetenzorientierte Weiterbildung und (Weiter-) Qualifizierung war das Thema des Anwenderforums 1. Das Anwenderforum wurde von Susanne Kretschmer, Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb) gGmbH, moderiert. Violetta Seubert, IHK Projektgesellschaft mbH Ostbrandenburg, ging in ihrem Vortrag auf zielgerichtete Qualifizierungsempfehlungen für informell qualifizierte berufserfahrene Personen mit Migrationshintergrund bzw. Fluchtgeschichte ein.

In ihrem Vortrag stellte Monique Kutz, Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration, die W.I.R.-Initiative vor, in der ebenfalls verschiedene Verfahren der Kompetenzfeststellung kombiniert eingesetzt werden. Das Instrument MYSKILLS kommt hier bereits zum Einsatz.

Susanne Mauser-Kick erläuterte in ihrem Vortrag am Beispiel von Teilqualifizierungen, wie die Ergebnisse in der bbw-Gruppe genutzt werden, um die passgenaue Auswahl von Qualifizierungsmodulen zu bestimmen.