EU-Kindergarantie

Bertelsmann Stiftung gibt Feedback an die EU zur Stärkung der Europäischen Kindergarantie

Ansprechpartner:innen

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Antje Funcke
Senior Expert Familie und Bildung
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Sarah Menne
Senior Project Manager

Inhalt

Die Bertelsmann Stiftung hat sich mit einem Feedback an die Europäische Union zur Weiterentwicklung und Stärkung der Europäischen Kindergarantie eingebracht. Wir regen an, die Europäische Kindergarantie zu stärken, so dass sie einen wirksamen Beitrag zur Vermeidung von Kinderarmut in Europa leisten kann. 

Seit vielen Jahren arbeitet die Bertelsmann Stiftung verschiedenen Handlungsfeldern der Europäischen Kindergarantie und begleitet auch den Umsetzungsprozess in Deutschland – so auch im Projekt „Aufwachsen in Wohlbefinden“. Dazu gehört unter anderem unsere Mitarbeit im Ausschuss des Nationalen Aktionsplans  Neue Chancen für Kinder

In unserem Feedback machen wir deutlich: Die Europäische Kindergarantie ist eines der wichtigsten Instrumente der EU, um Kinderarmut in ihrer Vielschichtigkeit wirksam zu bekämpfen. In Deutschland wird sie jedoch noch unzureichend umgesetzt. Der Nationale Aktionsplan hat zwar wichtige Impulse gesetzt für mehr Abstimmung und Kohärenz – zwischen zuständigen Ministerien, politischen Ebenen (Bund, Ländern und Kommunen) sowie zwischen Verwaltung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Aber es fehlt bislang an einer ausreichend ambitionierten, messbaren und verlässlich finanzierten Strategie mit klaren Zielen, verbindlichen Vorgaben und einer nachhaltigen Finanzierung. Auch eine systematische Bedarfsanalyse unter Beteiligung junger Menschen sowie ein belastbares Instrument zur Wirkungsmessung stehen bislang aus. 

Aus unserer Sicht braucht eine gestärkte Europäische Kindergarantie deshalb klarere Zielsetzungen, stärkere Governance-Strukturen und eine verlässliche Finanzierung. Gerade im föderalen System Deutschlands sollte die Vermeidung von Kinderarmut als gemeinsame öffentliche Verantwortung von Bund, Ländern und Kommunen verstanden werden. Des Weiteren ist der Zugang zu Leistungen und Unterstützungsangeboten zu verbessern, so dass Kinder und ihre Familien auch die Unterstützung bekommen, die sich brauchen und auf die sie einen Anspruch haben. Zugleich sollte Armutsprävention stärker mit Bildungspolitik zusammengedacht und mit echter Beteiligung junger Menschen verbunden werden.  

Wissenschaftliche Studien belegen, dass das Aufwachsen in Armut langfristige negative Effekte auf Gesundheit, Bildung sowie auf Teilhabe an der Gesellschaft, der Politik und auf dem Arbeitsmarkt hat – die wiederum mit hohen Folgekosten für unsere Gesellschaft verbunden sind. Die Vermeidung von Kinderarmut würde sich langfristig positiv auf Wirtschaftskraft und demokratischen Zusammenhalt auswirken. Entwickelt man die Europäische Kindergarantie zu einem verbindlichen, investitionsorientierten und verlässlich finanzierten Rahmen weiter, könnte sie einen wichtigen Beitrag dazu leisten, gleichzeitig Kinderarmut in Europa zu vermeiden und die europäische Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.