Eine nicht sichtbare Person hält ein Tablet in die Kamera, auf der ein Stadtplan von Hamburg mit eingezeichneten Baustellen-Standorten zu sehen ist. Im Hintergrund ist verschwommen eine Baustelle mit einem Bagger auf einem Sandhaufen zu erkennen.
Achim Multhaupt

, Smart Country: Welche Chancen bietet die Digitalisierung für Kommunen?

Kommunen stehen vor großen Herausforderungen – dazu zählen vor allem der demographische Wandel und die Digitalisierung. Wir wollen Kommunen unterstützen, die digitale Transformation als Chance zu begreifen. Wie kann sie helfen, den demografischen Wandel zu meistern und Regionen attraktiv zu halten?

Open Data im Internet frei zugängliche statische Daten, und neue digitale Daten haben zahlreiche Vorteile für Bürger, Kommunen und die Wirtschaft. Daten bilden die Grundlage für Entscheidungen und sind ein wichtiger Baustein für mehr Transparenz und Innovation in Kommunen. Besonders den offenen Daten kommt hier eine große Bedeutung zu. Seit einigen Jahren unterstützen wir in der nordrhein-westfälischen Stadt Moers den Hackday. Dort zeigt sich anschaulich, wie Kommunen ihre Daten für jedermann so anschaulich aufbereiten können, dass sogar zunächst trocken erscheinende Statistiken Spaß machen. Für die kommunale Ebene liegt hier ein wichtiges und bislang wenig ausgestaltetes Entwicklungsfeld. Im Sinne von mehr Transparenz und Partizipation sollen Kommunen Daten und Schriftstücke möglichst offen, d.h. maschinenlesbar und über Programmierschnittstellen, bereitstellen, auswerten und visualisieren. Wir werden die Entwicklung hin zu mehr offenen Daten auf kommunaler Ebene fördern. Unsere Aktivitäten im Bereich Open Data sind eng verknüpft mit dem Informationsportal Wegweiser Kommune.

Für unsere Beispielsammlung "Smart Country entdecken" haben wir uns nach Best-Practice-Beispielen für digitale Lösungen auf kommunaler Ebene umgesehen - von einem digital-analogen Dorfladen bis hin zu Coworking Spaces auf dem Land. 

Doch in Sachen Digitalisierung hinkt die Bundesrepublik im weltweiten Vergleich an mancher Stelle deutlich hinterher. Unsere öffentliche Verwaltung muss endgültig im digitalen Zeitalter ankommen. Wir empfehlen, wie das gehen kann. Und auch was schnelles Internet angeht, ist die Wirtschafts- und Dienstleistungsgesellschaft Deutschland immer noch auf der Kriechspur unterwegs. Doch Verwaltung und Internetqualität sind nur zwei von vielen Punkten, bei denen unser Land aufholen muss, will es in Sachen Digitalisierung nicht international den Anschluss verlieren. Unser Forderungskatalog listet auf, wo was zu tun ist.

Und nicht nur die jungen Generationen, die mit Smartphone, Tablet und Co. aufwachsen, können profitieren, wenn Deutschland zu einer digitalen Top-Nation wird. Digitale Technologien werden auch von der 

Generation 65 plus immer stärker genutzt. In einer neuen Studie werden wir untersuchen, wie digitale Technologien souverän bedient werden können. Ein Fokus liegt dabei auf älteren Menschen und ihren Anforderungen an die Teilhabe in der digitalen Gesellschaft.

Wie der digitale Wandel erfolgreich ablaufen kann, zeigen unsere Recherchen im Ausland. Flächendeckendes freies WLAN, e-Learning als fester Teil des Schulunterrichts, Behördengänge online erledigen oder bei Wahlen die Stimme via Smartphone abgeben: In Estland ist all das bereits Realität. Staatspräsident a.D. 

Toomas Hendrik Ilves, dem wir im Jahr 2017 unseren Reinhard Mohn Preis verliehen haben, trug wesentlich dazu bei, dass der baltische Staat eine digitale Vorzeigenation ist. Österreich wiederum füllt "Open Government" mit Leben: Wien und andere Städte kooperieren miteinander, stellen ihren Bürgern nützliche Daten online zur Verfügung und binden die Menschen frühzeitig in digitale Veränderungsprozesse ein. Schweden zeigt, wie der Staat mit einer breit angelegten digitalen Gesamtstrategie erfolgreich sein kann. Und in Israel gilt: Silicon Wadi statt Silicon Valley. Im High-Tech-Areal nahe Tel Aviv sprießen zahlreiche Digital-Startups aus dem Boden. 

Eine digitale Gesamtstrategie des Staates – die fehlt bei uns noch. Sie sollte bald kommen, denn unsere Kreise und kreisfreien Städte sind in Sachen Digitalisierung sehr unterschiedlich aufgestellt. Gerade digitale Anwendungen sind besonders gut geeignet, Unterschiede zwischen Stadt und Land im Sinne gleichwertiger Lebensverhältnisse auszugleichen. Sie ermöglichen auch kleinen Städten und Gemeinden, als Lebens- und Arbeitsort attraktiv zu bleiben oder werden.