Zahlreiche Geschäftsleute laufen in der Londoner City, dem Finanzdistrikt der britischen Hauptstadt, über eine Brücke.
Shutterstock / alice-photo

Aart De Geus, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung, bedauert das knappe Votum für den Brexit. Der Austritt sei ein Verlust für alle Europäer, so De Geus in einem Videostatement (siehe unten). "Aber das Projekt Europa geht weiter, denn es ist ein wichtiges, ein historisches Projekt, das schon sehr viel Frieden, Wachstum und Wohlstand gebracht hat", unterstreicht De Geus.

Wie umgehen mit dem Brexit?

Die Entscheidung Großbritanniens für den Brexit markiert einen Wendepunkt in der Geschichte der europäischen Integration. Zum ersten Mal verlässt ein Mitgliedsstaat die EU. Wie sollte sie darauf reagieren? Kann das europäische Integrationsprojekt, wie wir es bisher kennen, überhaupt noch gerettet werden? Lesen Sie dazu Kommentare unsres Vorstandsvorsitzenden Aart De Geus und unserer Europa-Expertin Stefani Weiss.

Welche wirtschaftlichen, rechtlichen und finanziellen Folgen könnte der Brexit nach sich ziehen?

Welche konkreten wirtschaftlichen Folgen könnte der Brexit für Großbritannien und die EU haben? Das haben wir in einer Studie anhand verschiedener Szenarien untersucht. Das Ergebnis: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) von Großbritannien könnte im Extremfall langfristig um bis zu 313 Milliarden schrumpfen, das von Deutschland um bis zu 58 Milliarden sinken. Die möglichen BIP-Einbußen zeigt auch ein Faktenblatt zur Studie.

Auch die rechtlichen Herausforderungen, die der Brexit mit sich bringt, sind beträchtlich. Darüber sprachen wir mit dem Europa-Rechtler Federico Fabbrini. Daneben bedeutet der Brexit einen erheblichen Einschnitt für den EU-Haushalt. Unsere Analyse geht davon aus, dass mit einer jährlichen Fehlsumme von 10 Milliarden Euro zu rechnen ist. Doch zugleich könnte das Ausscheiden der Briten auch den Anstoß für eine Reform des EU-Haushalts geben.

Und was denken die direkt betroffenen Unternehmer? In einer repräsentativen Unternehmensbefragung haben wir im Vorfeld des Referendums herausgefunden, dass deutsche und britische Unternehmer den Brexit sehr kritisch sehen.

Die Infografik zeigt, mit welchen Erwartungen deutsche und britische Unternehmen auf einen möglichen EU-Austritt Großbritanniens, den sogenannten Brexit, blicken. Die wichtigsten Ergebnisse unsrer Unternehmensbefragung zum Brexit. Sie können die Infografik über den Download-Link neben diesem Artikel herunterladen.

Brexit beflügelt Zustimmung zur EU

"Zu bürokratisch, bürgerfern und undemokratisch" – die EU wird nicht nur in Großbritannien oft negativ wahrgenommen, einige Klischees halten sich hartnäckig. Doch das Bild der Bürger ist komplexer als vielfach angenommen. Das zeigen unsere regelmäßigen europaweiten Umfragen aus der Reihe "eupinions". Schon Ende 2016, kurz nach dem Referendum, kam bei einer unserer Umfragen heraus: Der Brexit befördert die Zustimmung zur Europäischen Union - auch in Großbritannien.

Die "eupinions" zeigen außerdem, dass ein Thema, das auch beim EU-Referendum im Vereinigten Königreich eine wichtige Rolle spielte, die politischen Einstellungen der Europäer maßgeblich beeinflusst: Globalisierung und die damit verbundenen Ängste. Globalisierungsskeptiker sind laut Umfrage deutlich EU- und demokratie-kritischer.

Selbst bei einem Verbleib der Briten in der Europäischen Union wäre die Zusammenarbeit in Europa kompliziert geworden. Durch den EU-Reform-Deal, den Premier Cameron im Februar 2016 mit den anderen EU-Staaten verhandelte, sogar noch schwieriger, wie unsere Analyse der Sondervereinbarungen zeigt.

Sie wollen mehr über die wirtschaftlichen und politischen Folgen des Brexit erfahren? Unser Projekt "Global Economic Dynamics" schreibt dazu regelmäßig im Blog. Daneben untersuchen unser Brüsseler Büro und die Bertelsmann Foundation in Washington D.C. das Thema Brexit aus internationaler Perspektive.

Ähnliche Artikel


 

Analyse

Neuwahlen in Großbritannien: Wird aus Härte Feindschaft?

Am 8. Juni stehen in Großbritannien Neuwahlen an. Stärken die Briten Premierministerin May den Rücken für die kommenden Brexit-Verhandlungen? weiterlesen

Kommentar

Gewonnen – aber (noch) nicht gesiegt

In die Erleichterung über die Wahl Emmanuel Macrons zum französischen Präsidenten mischt sich auch Skepsis. Joachim Fritz-Vannahme kommentiert. weiterlesen

Umfrage

Mehrheit der jungen Mittel- und Osteuropäer steht fest hinter der EU

Zahlreiche Krisenherde und anti-europäische Kampagnen nationalistischer Kräfte: Die EU kämpft derzeit an vielen Fronten. Eine Mehrheit der jungen Mittel- und Osteuropäer steht aber hinter ihr und schätzt sie vor allem als Friedensgarant. weiterlesen

Generationengespräch

"Europa ist so selbstverständlich geworden"

Wir trafen für "change" in München eine Rentnerin und eine junge Unternehmerin zum Generationengespräch über Europa. weiterlesen