Studie : Ländermonitor berufliche Bildung 2017

Wie leistungsfähig und chancengerecht ist die berufliche Bildung in Deutschland? Unter dieser Fragestellung untersucht die Studie die Ausbildungssysteme der 16 Bundesländer im Vergleich. Das Ergebnis: die Ausbildungschancen für Jugendliche haben sich insgesamt verbessert, hängen aber stark vom Wohnort und vom Schulabschluss ab. Jugendliche mit maximal einem Hauptschulabschluss und Jugendliche ohne deutsche Staatsbürgerschaft haben es dabei besonders schwer einen Ausbildungsplatz zu finden. Allerdings unterscheiden sich ihre Chancen zwischen den Bundesländern erheblich.

Zusammenfassung: Ländermonitor berufliche Bildung 2017

Video: Ländermonitor berufliche Bildung 2017 - Lars Thies zu den Ergebnissen

Infografiken

Weniger Auszubildende und mehr Beschäftigte

Im Vergleich zur Zahl der Beschäftigten in Deutschland gibt es immer weniger Auszubildende. Kamen 2007 bundesweit noch 6,4 Auszubildende auf 100 Beschäftigte, waren es 2015 nur noch 5,1.

Der Anteil der ausbildenden Betriebe sinkt

Immer weniger Betriebe bilden aus. Die Ausbildungsbetriebsquote ist in allen Bundesländern seit 2010 rückläufig, am stärksten bei kleinen Betrieben mit bis zu 50 Beschäftigten und am stärksten bei großen Betrieben mit mehr als 500 Beschäftigten. Besonders stark ist die Ausbildungsbetriebsquote der kleinen Betriebe in den östlichen Bundesländern zurückgegangen.  Die Ausbildungsbetriebsquote sagt aber nichts über die Ausbildungsleistung aus. Kleine Betriebe, die ihren einzigen Ausbildungsplatz nicht mehr anbieten, werden als nicht-ausbildend gezählt. Große Betriebe können ihre Ausbildungsaktivität um die Hälfte reduzieren, werden aber trotzdem zu den ausbildenden Betrieben gezählt.

Die Perspektiven für Ausbildungsbewerber haben sich verbessert

Da die Nachfrage nach dualer Ausbildung in den vergangenen Jahren stärker gefallen ist als das Angebot an Stellen, haben sich die Perspektiven für den einzelnen Bewerber verbessert. 2007 standen 100 Bewerben rechnerisch nur 85 Ausbildungsplätze zur Verfügung. 2016 waren es bereits 94. Allerdings bestehen hier erhebliche regionale Unterschiede.

Die Passungsprobleme auf dem Aubsildungsmarkt nehmen zu

2016 blieben mehr als 40.000 Ausbildungsstellen unbesetzt. Das entspricht 7,7 Prozent aller angebotenen Stellen. Gleichzeitig waren etwa doppelt so viele Bewerber für eine Ausbildung erfolglos. Diese Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt entstehen, wenn Betriebe Ausbildungsberufe anbieten, die die Jugendlichen nicht nachfragen und umgekehrt. Auch geografisch kommen Bewerber und Betriebe oft nicht zusammen.

Ein Viertel aller Ausbildungsverträge wird vorzeitig gelöst

Verträge in der dualen Ausbildung sind seit 2007 instabiler geworden. Bundesweit jeder vierte von Ihnen wird vorzeitig gelöst. Vertragslösungen sind nicht gleich Ausbildungsabbrüche. In vielen Fällen setzen die Jugendlichen ihre Ausbildung einfach in einem anderen Betrieb fort. Vertragslösungen verursachen aber Kosten sowohl bei Jugendlichen als auch bei Betrieben. Besonders viele Ausbildungsverträge werden im Handwerk gelöst, besonders wenige im öffentlichen Dienst.