ein Bild mit orangen und blauen Tönen vor einem weißen Hintergrund

Staat und Bürger:innen: Wie neues Vertrauen entstehen kann

Ein handlungsfähiger Staat, faire Bedingungen und echte Mitgestaltung: Das sind zentrale Voraussetzungen für ein neues Miteinander von Staat und Bürger:innen. Ein neuer Sammelband der Bertelsmann Stiftung bündelt Perspektiven aus den 5. Weimarer Gesprächen und zeigt, wie Politik und Gesellschaft gemeinsam Vertrauen stärken können.

Ansprechpartner

Foto Florian Bochert
Florian Bochert
Project Manager (JPP)
Foto Ulrich Kober
Ulrich Kober
Director

Content

Der Religionsmonitor 2026 zeigt, dass sich der gesellschaftliche Zusammenhalt in Deutschland teilweise erholt hat. Doch während soziale Beziehungen und Gemeinwohlorientierung wieder höhere Werte erreichen, bleiben das Vertrauen in die Bundesregierung und das Gerechtigkeitsempfinden schwach. Vor diesem Hintergrund fragt der neue Sammelband „Staat und Bürger:innen: Wege zu einem neuen Miteinander“, unter welchen Bedingungen das Verhältnis zwischen Staat und Bürger:innen verbessert werden kann.

Der Band bündelt zehn Beiträge aus den 5. Weimarer Gesprächen. Im Mai 2026 hatten die Deutsche Nationalstiftung und die Bertelsmann Stiftung rund 30 Teilnehmende aus Politik, Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Medien zusammengebracht, um über das problematisch gewordene Verhältnis von Staat und Bürger:innen zu diskutieren. Ihre Perspektiven verbinden grundsätzliche Überlegungen mit konkreten Vorschlägen.

Verantwortung braucht Gegenseitigkeit

Ein Leitgedanke zieht sich durch alle der zehn Beiträge: Staatliche Handlungsfähigkeit und gesellschaftliche Mitverantwortung gehören zusammen. Prof. Felix Heidenreich hinterfragt deshalb ein Verständnis des Staates als reinen Dienstleister. Demokratie lebt davon, dass Bürger:innen Verantwortung übernehmen. Was sie ihnen abverlangt, muss jedoch nachvollziehbar und fair verteilt sein.

Georg Maier, der Innenminister von Thüringen, betont die Bedeutung persönlicher Begegnungen zwischen Bürger:innen und Vertretern staatlicher Institutionen. Gerade der regelmäßige Austausch mit ehrenamtlich Engagierten kann gegenseitige Wertschätzung fördern und helfen, Probleme gemeinsam anzugehen.

Fairness schafft Voraussetzungen für Engagement

Wer mehr Gemeinsinn einfordert, muss auch dessen Voraussetzungen stärken. Verschiedene Analysen im Sammelband zeigen, auch anhand von Daten des Religionsmonitors 2026, dass ein höheres Gerechtigkeitsempfinden mit stärkerem Engagement einhergeht. Faire Chancen und Lastenverteilung sind deshalb zentrale Fragen für ein neues Miteinander

Junge Menschen brauchen wirksamen Einfluss

Prof. Andrea Römmele richtet den Blick auf das Ungleichgewicht zwischen den Generationen. Die langfristigen Folgen heutiger Entscheidungen betreffen besonders die Jüngeren, deren politisches Gewicht jedoch geringer ist. Sie schlägt unter anderem einen Generationen-Check für Gesetze und Jugendparlamente mit tatsächlichen Einflussmöglichkeiten vor. Beteiligung muss jungen Menschen ermöglichen, Entscheidungen wirksam mitzugestalten.

Vertrauen wächst durch gemeinsame Erfahrungen

Ob im Ehrenamt, beim Behördenbesuch oder in kommunalen Beteiligungsverfahren – das Verhältnis zum Staat wird im Alltag geprägt. Verlässliche Institutionen, zugängliche Begegnungsräume und erfahrbare Mitgestaltung können Vertrauen stärken. Medien können dazu beitragen, indem sie unterschiedliche Perspektiven sichtbar machen und faire Auseinandersetzungen ermöglichen.

Der Sammelband lädt dazu ein, Rechte, Erwartungen und Verantwortung neu zu diskutieren – und Wege zu einem tragfähigen Miteinander zu erproben.

Publikation