Eine Hand hält einen ausgeschnitten Papierkopf.

Resilienz statt Reparatur: Mental Health Alliance startet für ein neues System der psychischen Versorgung junger Menschen

Mit der Gründung der Mental Health Alliance (MHA) startet heute eine unabhängige Allianz, die die psychische Gesundheit insbesondere der jungen Generation ins Zentrum rückt. Initiiert und unterstützt von unserer Stiftung, der Beisheim Stiftung, krisenchat, der alv Foundation, der Robert Bosch Stiftung und ProjectTogether, vereint die Allianz als wachsende und lernende Bewegung führende Akteur:innen aus Wissenschaft, Politik, Praxis, Versorgung, Wirtschaft und Jugendbeteiligung.

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Dr. Anja Langness
Senior Project Manager

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Gemeinsames Ziel ist ein präventiv ausgerichtetes System der mentalen Gesundheitsförderung und -versorgung in Deutschland, das junge Menschen frühzeitig so stärkt, dass sie nicht erkranken. Im Mittelpunkt steht somit ein grundlegender Wandel hin zu fundamental verbesserter mentaler Gesundheit – als Grundlage für ein selbstbestimmtes und selbstwirksames Leben, eine resiliente Gesellschaft, eine leistungsfähige Wirtschaft und ein demokratisches Mitwirken.

Dieser Fokus folgt einer klaren wissenschaftlichen und ökonomischen Logik:

Die Jugend ist entscheidend: Bis zu 75 Prozent aller psychischen Erkrankungen zeigen erste Symptome vor dem 25. Lebensjahr – hier wird die Grundlage für lebenslange Resilienz gelegt.

 

Das System muss früher greifen: Deutschland investiert bisher nur 4,8 Prozent der Gesundheitsausgaben in Prävention. Die MHA fordert ein System der Prävention und Frühintervention, bevor langwierige, kostspielige und belastende Behandlungen notwendig werden.

 

Prävention ist ökonomisch geboten: Frühzeitige Unterstützung verhindert individuelles Leid und senkt die immensen gesellschaftlichen Folgekosten von jährlich 147 Milliarden Euro.

Fachleute, Organisationen und Förderpartner sind eingeladen, sich aktiv einzubringen und bewährte Lösungen bundesweit in die Fläche zu bringen. Schon jetzt wird das Bündnis inhaltlich mitgestaltet von Expert:innen und Akteur:innen wie beispielsweise Prof. Dr. Jörg M. Fegert (Universitätsklinikum Ulm, Kompetenzzentrum Public Child Mental Health, ESCAP), Prof. Dr. Malek Bajbouj (Charité Campus Mitte, DZPG), Prof. Dr. Eva-Lotta Brakemeier (Universität Greifswald, DGPs, Wissenschaftsrat), dem Deutschen Zentrum für Psychische Gesundheit, der DAK-Gesundheit, kommunalen und zivilgesellschaftlichen Akteur:innen und jungen Menschen.

 

Prof. Dr. Jörg M. Fegert, Universitätsklinikum Ulm und Präsident der European Society for Child and Adolescent Psychiatry, sagt: “Die weltweite Youth Mental Health Crisis hat uns auch in Deutschland an einen Kipppunkt in der psychosozialen Versorgung junger Menschen geführt. Teilweise unendliche Wartelisten führen zu Frustration, schließen die Bedürftigsten aus und erhöhen das Risiko für Chronifizierung. More of the Same wird uns hier nicht weiterführen, es braucht Innovationen aus den Systemen, zusammen mit den wesentlichen Akteuren. In diesen Allianzen liegt unsere Chance für den nötigen Wandel.”

Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der DAK-Gesundheit, fügt hinzu: “Den Kindern und Jugendlichen in unserem Land geht es nicht gut – das zeigen die Studien und Reporte der DAK-Gesundheit sehr deutlich. Psychische Erkrankungen nehmen zu, problematische Social-Media-Nutzung wächst und viele junge Menschen fühlen sich einsam. Daraus entsteht ein klarer Auftrag zum Handeln. Deshalb schließen wir uns der Mental Health Alliance an.”

Maxim Seeck, freier Bildungsreferent für Demokratiebildung und Mentale Gesundheit und eine junge Stimme aus dem Youth Empowerment Hub, ergänzt: "Mentale Gesundheit wurde und wird noch immer oft ohne junge Menschen verhandelt und besprochen. Dass die Mental Health Alliance vorangeht und erkennt, dass zu den wichtigen Akteuren bei mentaler Gesundheit auch die Gruppe mit den meisten Betroffenen gehört, ist – wenn auch im System längst überfällig – ein großer Schritt. Nur wenn wir systemisch zusammenarbeiten, können wir Systeme verändern."

Prof. Dr. Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der BARMER, sagt: “Zunehmend viele junge Menschen sind psychisch belastet. Dem müssen wir mit adäquaten Hilfen in Prävention und Therapie begegnen. Eine gestufte Versorgung schöpft die Vielfalt der bestehenden digitalen, gruppen- und selbsthilfebasierten Unterstützungsmöglichkeiten aus und hilft den Betroffenen, neue Wege zu gehen. Dies ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, der wir uns gerne im Verbund mit der Mental Health Alliance stellen.”

Kai Lanz, Co-CEO von krisenchat, ergänzt: “Wir wollen mentale Gesundheit neu denken und den Fokus auf gesundheitsförderliche Lebenswelten, Prävention und Frühintervention legen. Das bedeutet, dass wir in Deutschland auch politisch und finanziell noch viel systemischer denken und handeln müssen. Wir wollen zeigen, wie ein Präventions- und Frühinterventionsökosystem von digital bis vor Ort aussehen kann und den Aufbau anschieben.”

Vanessa Gstettenbauer von ProjectTogether und Mission Lead der Mental Health Alliance, führt weiter aus: “Mentale Gesundheit darf nicht erst zum Thema werden, wenn Menschen erkranken. Wir machen uns stark für ein vernetztes, gestuftes und bedarfsorientiertes System, in dem Hilfe früh und einfach verfügbar ist. Wir vernetzen daher mit relevanten Stakeholdern bestehende Lösungen auf bundes- und lokaler Ebene und fördern Skalierung.”

Marek Wallenfels, Director “Bildung und Next Generation” bei der Bertelsmann Stiftung, fügt hinzu: “Wir wissen inzwischen, wie hilfreich Früherkennung und Prävention sind. Es braucht jetzt konkrete, gemeinsame Vorschläge und Schritte zu einem effizienteren, wirksamen System für psychische Gesundheit. Dabei ist es wichtig, junge Menschen ernsthaft in die Diskussion einzubinden.”

 

Weitere Informationen und Beteiligungsmöglichkeiten: www.mental-health-alliance.org 

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