Luftaufnahme einer im Bau befindlichen Autobahnbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal.

Schnell bauen, Kosten begrenzen: Wie das Sondervermögen wirksam eingesetzt werden kann

Anfang 2025 hat die Bundesregierung ein Sondervermögen von 500 Milliarden Euro für Infrastruktur und Klimaneutralität beschlossen, seither haben die Preise im Bausektor weiter kräftig angezogen. Bei steigenden öffentlichen und privaten Investitionen sowie begrenzten Kapazitäten besteht die Gefahr, dass sich dieser Trend weiter beschleunigt – die kreditfinanzierten Mittel aber nicht in den gewünschten realen Baufortschritt übersetzen. Das zeigt ein Gutachten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Die Experten raten, den Mittelabfluss nicht nur an Schnelligkeit zu orientieren sowie die Produktivität der Bauwirtschaft zum Beispiel durch serielles Bauen zu erhöhen. 

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Rund 231 Milliarden Euro beträgt in Deutschland auf kommunaler Ebene der Investitionsrückstand in der Infrastruktur. Die Bundesregierung steuert mit dem Sondervermögen von 500 Milliarden Euro gegen, 100 Milliarden Euro davon sollen in Infrastrukturmaßnahmen auf Landes- und kommunaler Ebene fließen. Dank zusätzlicher Aufträge profitiert insbesondere die Bauwirtschaft von dieser Finanzspritze. Bis zum April dieses Jahres sind bereits rund 22,6 Milliarden Euro des Sondervermögens in Projekte investiert worden. Das Problem: Sollte sich der Mittelabfluss weiter beschleunigen und auch die Wirtschaftsaktivität wieder anziehen, könnten sich die Baupreise weiter erhöhen. Dann würde nicht unbedingt schneller oder mehr gebaut, aber mehr öffentliche Gelder verausgabt.

Die neue Studie nimmt vor diesem Hintergrund die Preisentwicklungen und Treiber der vergangenen 15 Jahre in den Blick. Zwischen 2010 und 2025 stiegen die Verbraucherpreise um knapp 43 Prozent. Die Baukosten nahmen hingegen um 60 Prozent zu. Und die Baupreise haben sich sogar fast verdoppelt. Die Analyse zeigt, dass sich die überproportionalen Preissteigerungen in der Bauwirtschaft kaum durch eine flächendeckende Marktmacht erklären lassen. „Die Preisentwicklungen in der Bauwirtschaft während des Bau-Booms zwischen 2010 und 2020 sind vor allem die Folge begrenzter physischer Produktionskapazitäten“, sagt Thieß Petersen, Wirtschaftsexperte der Bertelsmann Stiftung. „Treffen sie auf eine kräftig steigende Nachfrage, die auch nicht durch Importe aus dem Ausland gedeckt werden kann, kommt es automatisch zu Preissteigerungen.“ 

Entwicklung von Baupreis- und Kostenindizes sowie Verbraucherpreisindex (2010 bis 2025)

Das schnelle Ausgeben von Milliarden-Summen darf nicht das zentrale Ziel sein

Neben den gestiegenen Kosten sind also auch die Kapazitäten der Bauwirtschaft ein Faktor, der auf die Preise einwirkt. Die Bundesregierung ist unter Zugzwang, die vielen Milliarden des Sondervermögens möglichst zügig in konkrete, vorzeigbare Projekte umzusetzen. Die Unternehmen der Branche sind aber nicht unbedingt in der Lage, die steigende Zahl von Aufträgen abzuarbeiten. Selbst in Phasen, in denen die Nachfrage im privaten Bausektor zurückgeht, kommt es zu Engpässen, die auch länger anhalten können, weil in den kommenden Jahren viele Fachkräfte in den Ruhestand gehen. Zudem dürfte es in Zukunft noch schwieriger werden, die entstehenden Lücken durch Fachkräfte aus dem Ausland aufzufüllen. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass die Produktivität in der Bauwirtschaft seit vielen Jahren sogar rückläufig ist. Diese Effekte können sich preissteigernd auswirken. 

Politische Entscheidungsträger sollten das im Blick behalten. „Das schnelle Abfließen der Milliardensummen darf nicht die alleinige Zielsetzung der Politik sein, auch wenn der öffentliche Druck hoch ist“, sagt Marcus Wortmann, Wirtschaftsexperte der Bertelsmann Stiftung. „Eine effiziente Mittelverwendung ist ebenso wichtig.“ Dazu sollte die öffentliche Hand die verfügbaren Kapazitäten der Bauwirtschaft bei Planung und Ausschreibung berücksichtigen. Die Verwaltungen müssten sich die Instrumente schaffen, um die Kapazitäten realistisch einzuschätzen. Auch eine vorausschauende Investitionsplanung ist angezeigt. „Ein zentraler Schlüssel zur Vermeidung unnötiger Kosten und zur Erreichung der Investitionsziele ist die Steigerung der Produktivität.“ 

Entwicklung der Bruttobetriebsüberschussquote in der deutschen Wirtschaft (2010 bis 2025)

Stärker auf serielles Bauen und Robotik setzen

Eine Steigerung der Produktivität in der Bauwirtschaft kann etwa durch mehr serielle oder modulare Vorfertigung von Bauelementen gelingen. Weitere Faktoren können die Anpassung von Standards sowie eine beschleunigte und durchgängig digitale Planungs- und Genehmigungsverfahren sein. Das Infrastruktur-Zukunftsgesetz, derzeit im parlamentarischen Verfahren, ist dazu ein erster, wichtiger Schritt. Ein weiterer Hebel ist ein stärkerer Einsatz von Robotik auf den Baustellen. Allerdings gibt es hier neben technischen Herausforderungen auch noch rechtliche und haftungsbezogene Probleme. Die öffentliche Hand als Auftraggeber ist für Pilotprojekte prädestiniert, da der Gesetzgeber ohnehin die Ausnahmegenehmigungen erteilen muss und die Risiken eher tragen kann als private Unternehmen.