Rund 231 Milliarden Euro beträgt in Deutschland auf kommunaler Ebene der Investitionsrückstand in der Infrastruktur. Die Bundesregierung steuert mit dem Sondervermögen von 500 Milliarden Euro gegen, 100 Milliarden Euro davon sollen in Infrastrukturmaßnahmen auf Landes- und kommunaler Ebene fließen. Dank zusätzlicher Aufträge profitiert insbesondere die Bauwirtschaft von dieser Finanzspritze. Bis zum April dieses Jahres sind bereits rund 22,6 Milliarden Euro des Sondervermögens in Projekte investiert worden. Das Problem: Sollte sich der Mittelabfluss weiter beschleunigen und auch die Wirtschaftsaktivität wieder anziehen, könnten sich die Baupreise weiter erhöhen. Dann würde nicht unbedingt schneller oder mehr gebaut, aber mehr öffentliche Gelder verausgabt.
Die neue Studie nimmt vor diesem Hintergrund die Preisentwicklungen und Treiber der vergangenen 15 Jahre in den Blick. Zwischen 2010 und 2025 stiegen die Verbraucherpreise um knapp 43 Prozent. Die Baukosten nahmen hingegen um 60 Prozent zu. Und die Baupreise haben sich sogar fast verdoppelt. Die Analyse zeigt, dass sich die überproportionalen Preissteigerungen in der Bauwirtschaft kaum durch eine flächendeckende Marktmacht erklären lassen. „Die Preisentwicklungen in der Bauwirtschaft während des Bau-Booms zwischen 2010 und 2020 sind vor allem die Folge begrenzter physischer Produktionskapazitäten“, sagt Thieß Petersen, Wirtschaftsexperte der Bertelsmann Stiftung. „Treffen sie auf eine kräftig steigende Nachfrage, die auch nicht durch Importe aus dem Ausland gedeckt werden kann, kommt es automatisch zu Preissteigerungen.“


