Zwei Hände halten zwei Puzzleteile, die ineinander passen, aneinander.

Unternehmen als gesellschaftspolitische Akteure

Erwartungen, Legitimation und Rahmenbedingungen – in zwei Interviews werden die Determinanten verantwortungsvollen Unternehmertums dargelegt.

Foto Jakob Christof Kunzlmann
Jakob Christof Kunzlmann
Project Manager

Unternehmen sind gesellschaftspolitische Akteure, können gesellschaftlichen Fortschritt gestalten und tragen Verantwortung. Einerseits durch ihr Produkt- und Dienstleistungsangebot, andererseits über Engagement, das über das betriebswirtschaftliche Soll hinausgeht.

Unternehmen können Fortschritt durch ihre Produkte und Dienstleistungen gestalten

Dies unterstreicht der Wirtschaftspsychologe Professor Timo Meynhardt von der Leipzig Graduate School of Management in einem Interview im Rahmen des Reinhard Mohn Preises 2016. Die Wirtschaft, so Meynhardt, greife gesellschaftliche Bedürfnisse und Erwartungen durch ihre Produkte und Dienstleistungen auf und gestalte somit gesellschaftlichen Fortschritt. Denn Unternehmen müssen sich an Bewertungen orientieren, die aus der Gesellschaft kommen und ihre Produkte und Dienstleistungen danach ausrichten. Wenn sich die gesellschaftlichen Anforderungen ändern, müssen demnach auch Produkt- und Dienstleistungspaletten der Unternehmen verändert werden, damit sie die aktuellen gesellschaftlichen Bedürfnisse und Erwartungen spiegeln. Nur dann, so Meynhardt, können Unternehmen langfristig am Markt bestehen.

Gesellschaftliche Legitimation erhalten Unternehmen durch ihr Engagement im Sozial- und Umweltbereich

Grundsätzlich müssen sich Unternehmen betriebswirtschaftlich rechnen, und das geht mittel- bis langfristig nur, wenn sie als legitimer Akteur in der Gesellschaft auftreten. Dabei reicht es nicht mehr nur gesetzliche Vorschriften einzuhalten, vielmehr erwartet die Gesellschaft von Unternehmen zunehmend Engagement über Unternehmensgrenzen hinweg. Dies können verstärkte Anstrengungen im Bereich Corporate Social Responsibility sein oder Projekte und Initiativen, die gezielt zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen beitragen. Erfüllt ein Unternehmen diese Erwartungen über einen längeren Zeitraum nicht – legitimiert es sich also nicht über Engagement –, fehlt die "licence-to-operate" und Kunden und die Gesellschaft werden sich peu à peu abwenden.

Internationale Rahmenbedingungen als Unterstützung

Der Leiter des OECD-Centers in Berlin, Heino von Meyer, verweist in einem Interview auf einen weiteren wichtigen Punkt für verantwortungsvolles Unternehmertum: die Weiterentwicklung internationaler Rahmenbedingungen. Um Unternehmen in Zukunft einen anschlussfähigen Rahmen für verantwortungsvolles Handeln zu geben, werden von politischer Seite wichtige Voraussetzungen dafür geschaffen.  Einen großen Schritt haben die G7-Staaten auf ihrer Konferenz auf Schloss Elmau mit dem Beschluss zu konkreten Umsetzungsschritten für Arbeits-, Sozial- und Umweltstandards in der Textilindustrie gemacht. Die Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen sind ein weiterer wichtiger Schritt. Diese Agenda der Transformation, hin zu einer nachhaltigeren Lebens- und Wirtschaftsweise bis 2030, weist insbesondere den Industrieländern und der Wirtschaft eine tragende Rolle für das Gelingen der SDGs zu.

In welchem Maße Unternehmen in Zukunft ihre Rolle als gesellschaftspolitischer Akteur verstärkt aktiv wahrnehmen, also zu gesellschaftlichem Fortschritt beitragen, hängt also einerseits von gesellschaftlichen Erwartungen ab, andererseits müssen die Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit diese Erwartungen von Unternehmen auch erfüllt werden können. Und es kann optimistisch in die Zukunft geblickt werden, denn es liegt im ureigenen Interesse von Unternehmen, gesellschaftlichen Erwartungen zu entsprechen, und ein Wirtschaftswachstum "inklusiv", also unter Mitnahme aller Stakeholder, sowie innerhalb der Grenzen des Planeten zu gestalten.