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Demokratie braucht Zukunft

Demokratie wird häufig anhand ihrer heutigen Leistungsfähigkeit bewertet. Unser Policy Brief zeigt jedoch: Auch der Blick auf die Zukunft prägt, wie Menschen Demokratie erleben. Wer erwartet, dass es kommenden Generationen schlechter gehen wird, ist deutlich häufiger unzufrieden mit dem Funktionieren der Demokratie. Zukunftserwartungen stehen damit in engem Zusammenhang mit der Bewertung der Demokratie und erweisen sich als wichtige Ressource demokratischer Legitimation.

 

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Dr. Regina von Görtz
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Dr. Jonathan M. Hoffmann
Senior Project Manager

Inhalt

Die öffentliche Debatte über Demokratie konzentriert sich häufig auf aktuelle Krisen, wirtschaftliche Entwicklungen oder das Vertrauen in Institutionen. Weniger Aufmerksamkeit erhält eine andere Voraussetzung demokratischer Stabilität: die Erwartung, dass gesellschaftliche Entwicklung zum Besseren möglich ist.

Unsere repräsentative Befragung zeigt, dass viele Menschen diese Erwartung nicht teilen. Mehr als die Hälfte der Menschen in Deutschland geht davon aus, dass es zukünftigen Generationen schlechter gehen wird als heute. Nur sieben Prozent erwarten eine Verbesserung.

Dieser Zukunftspessimismus steht in engem Zusammenhang mit politischen Einstellungen. Menschen mit optimistischen Zukunftserwartungen bewerten das Funktionieren der Demokratie deutlich positiver als Menschen mit pessimistischen Erwartungen – auch unter Berücksichtigung anderer Einflussfaktoren. Gleichzeitig unterstützen sie häufiger Parteien der politischen Mitte.

Die Ergebnisse deuten auf eine doppelte Herausforderung hin. Zum einen fehlt vielen Menschen eine positive Vorstellung davon, wie sich Gesellschaft künftig entwickeln könnte. Zum anderen nehmen sie Politik häufig als wenig langfristig orientiert wahr. Zukunft erscheint dadurch weniger als gestaltbarer Möglichkeitsraum denn als Risiko, das verwaltet werden muss.

Dabei zeigt ein differenzierter Blick nach Altersgruppen: Junge Menschen blicken spürbar optimistischer auf die Zukunft der Gesellschaft als ältere Generationen. Sie sind zudem seltener unzufrieden mit der Demokratie und sprechen sich häufiger dafür aus, politische Entscheidungen stärker an den Bedürfnissen zukünftiger Generationen auszurichten. Die junge Generation erweist sich damit als wichtiger Verbündeter einer zukunftsfähigen Demokratie. Umso wichtiger ist es, ihre Perspektiven und Zukunftsvorstellungen stärker in politische Entscheidungsprozesse einzubeziehen.

Demokratie braucht mehr als tragfähige Antworten auf aktuelle Probleme. Sie braucht politische Zukunftsbilder, die Orientierung schaffen und gesellschaftliche Entwicklung wieder als gestaltbar erfahrbar machen. Denn wie Menschen auf die Zukunft schauen, prägt schon heute ihren Blick auf die Demokratie.

 

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