Leuchtmittel und Papierflieger

Ganzheitliche Nachhaltigkeit in Unternehmen – wir stehen erst am Anfang

Mit der seit Jahren sich dahinziehenden betrieblichen digitalen Transformation und der immer mehr in den Fokus kommenden betrieblichen nachhaltigen Transformation stehen sowohl die Kleinen und Mittleren Unternehmen wie auch die Großunternehmen vor gewaltigen Herausforderungen. 

Ansprechpartner:in

Foto Ole Wintermann
Dr. Ole Wintermann
Senior Project Manager
Foto Birgit Wintermann
Birgit Wintermann
Project Manager

Unsere Ausgangslage

Wir haben in der vorliegenden Metastudie, die das Fraunhofer IAO in unserem Auftrag durchgeführt hat, versucht, mit entsprechender umfänglicher Hypothesenbildung alle Studien in den Blick zu nehmen, die in den letzten Jahren in irgendeiner Weise die betriebliche nachhaltige (und im Idealfall auch digitale) Transformation betrachtet haben. Es ging uns aber nicht nur darum, einen quantitativen und qualitativen Studienüberblick zu gewinnen. Vielmehr hatten wir auch das Ziel, einen empirisch fundierten Überblick über die thematischen Verknüpfungen von Nachhaltigkeit, Digitalisierung, New Work, Arbeitsorganisation, Unternehmensstrategien und Ressourceneinsatz zu erhalten.  

Die Ergebnisse sind eindeutig:

1. Unternehmen und damit letztlich auch Studien haben die systemische Verbindung zwischen beiden Arten der Transformation noch nicht wirklich in den Fokus genommen. Einige quantitativ basierte Frühindikatoren deuten aber darauf hin, dass sich dies derzeit ändert. 

2. Die ökologische Dimension der Nachhaltigkeit dominiert die Unternehmenspolitik. Dass damit auch soziale und ökonomische Aspekte von Nachhaltigkeit tangiert werden, wird noch nicht erkannt. 

3. Es kann – bei dünner Studienlage – nicht bestätigt werden, dass es v.a. KMU nur um ein Imagethema geht. 

4. Interessanter Weise haben Unternehmen bisher nicht den Kontext von Nachhaltigkeit, New Work, Arbeitskultur und Arbeitgeberattraktivität in den Blick genommen. So ist Remote Work allein ein Thema der Arbeitgeberattraktivität; dass damit natürlich auch Nachhaltigkeitsthemen adressiert werden, wird nicht wahrgenommen. 

5. Der strategische Stellenwert von Nachhaltigkeit wird bisher nicht erkannt. 

6. Es sind vor allem die Wünsche der Kunden nach Nachhaltigkeit in den Unternehmen, die diese antreiben. Politische Regulierungen werden dagegen eher als eine Frage der Pflichterfüllung gesehen, während Kundenwünsche das eigene Geschäftsmodell herausfordern. 

7. Nachdem gerade auch unter dem Druck der Pandemie die Digitalisierung ein gewisses Momentum in den Unternehmen erreicht hat, sind diese bisher noch nicht an dem Punkt, die Digitalisierung systematisch für die Erreichung von mehr Nachhaltigkeit zu nutzen. 

8. Ein Zusammenhang zwischen dem Grad der betrieblichen Digitalisierung und dem Bewusstsein für die Notwendigkeit zu mehr Nachhaltigkeit ist studienseitig nicht erkennbar. Gleiches gilt für eine parallele Vorreiterrolle von Unternehmen bei beiden Arten der Transformation. 

Metastudie Doppelte Transformation

Wie geht es weiter?

Die Frage, die wir uns selbst mit Blick auf die weitere Befassung mit dem Thema stellen ist, welches der erfolgversprechendste methodische Ansatz wäre, um Vorschläge für Politik oder Wirtschaft zu erarbeiten, die die nachhaltige betriebliche Transformation unterstützen. Folgende Ansätze sind denkbar: 

  • Untersuchungsgegenstand könnten die entsprechenden Stabsabteilungen in erfolgreich transformierenden Unternehmen sein, die wie auch in anderen Change-Fragen „verantwortlich“ sind. Ist der Chief Sustainability Officer die Rolle, die eine nachhaltige Transformation voranbringt? Ist es Tax and Finance, die mit Blick auf die veränderten Anforderungen auf dem Kapitalmarkt für eine nachhaltigere Wirtschaftsweise Sorge tragen können?
  • Ist die staatliche Ordnungspolitik der passende Hebel, mit dem Unternehmen zur Nachhaltigkeit „gelenkt“ werden können? Könnte mit Steuerpolitik und einer veränderten Förderkulisse am ehesten flächendeckend Nachhaltigkeit erreicht werden?
  • Sollten vielleicht einfach Entscheiderinnen in den Unternehmen gefragt werden, inwiefern der Staat für die regulativen Spielregeln sorgen könnte und wie diese Spielregeln am besten ausgestaltet sein sollten?
  • Oder ist die nachhaltige betriebliche Transformation am ehesten eine Frage der Unternehmenskultur und Arbeitsorganisation? Geht es am Ende darum, dass ein Vorstand und eine Geschäftsführung – ähnlich wie bei der digitalen Transformation – Nachhaltigkeit vorlebt und den Menschen in Unternehmen mit Elementen von New Work die Möglichkeit gegeben wird, Nachhaltigkeit bei sich am Arbeitsplatz umzusetzen und zu leben?