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Jan Voth

KiTa-Leitung: KiTa-Leitungskräfte als zentrale Akteure im FBBE-System

Leitungskräfte in Kindertageseinrichtungen haben eine Schlüsselposition im System der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung (FBBE). Empirisch fundierte Kenntnisse über diese Berufsgruppe existieren jedoch kaum. Dieser Forschungslücke soll mit vier Studien in der Schwerpunktreihe „KiTa-Leitung“ begegnet werden.

Lange Zeit beschränkten sich die Reformen im System der Frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung (FBBE) auf den quantitativen Ausbau der Kindertagesbetreuung in Deutschland. Da nur eine qualitativ hochwertige Bildung, Betreuung und Erziehung in den Kindertageseinrichtungen (KiTas) positive Entwicklungs- und Lebensbedingungen für KiTa-Kinder gewährleisten kann, rückte in den vergangenen Jahren zunehmend auch die Qualität der FBBE-Angebote in den Fokus der Diskussionen.

Dass KiTa-Leitungskräfte einen entscheidenden Beitrag für eine „gute“ Qualität in den KiTas leisten, ist empirisch bereits belegt. Trotz dieser hohen Bedeutung, die dem Leitungshandeln in einem professionellen FBBE-System beigemessen werden kann, zeigt eine Studie der Bertelsmann Stiftung, dass es in mehr als jeder zehnten KiTa in Deutschland gar keine geregelten Arbeitszeiten für Leitungs- und Verwaltungsaufgaben gibt. Dass jedoch in jeder KiTa – unabhängig ihrer Größe – diese Aufgaben anfallen, ist unbestritten.

Leitungskräfte in KiTas sind verantwortlich für die pädagogische Qualität, aber auch für Personal, Budget und Öffentlichkeitsarbeit. Führung ist nötig und braucht Zeit. KiTa-Leitungskräfte haben für Führungsaufgaben zu wenig Zeit
Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung

Neben den unzureichenden Rahmenbedingungen, die zudem im Bundesländervergleich deutliche Unterschiede aufweisen, steigen die Anforderungen an das Leitungshandeln seit Jahren immer weiter an. Empirische Kenntnisse zu den Aufgaben, Funktionen und Orientierungen von KiTa-Leitungskräften sowie einer angemessenen (Arbeitszeit-)Ausstattung dieser Führungsrolle in KiTas existieren allerdings kaum. Diese sind jedoch notwendig, um Reformmaßnahmen in diesem Arbeitsfeld anzustoßen und damit die Arbeitssituation von KiTa-Leiterinnen und -Leitern zu verbessern.

Für die politische Ausgestaltung der finanziellen und strukturellen Rahmenbedingungen für Leitungskräfte in KiTas sollen vier Forschungsprojekte in der Schwerpunktreihe „KiTa-Leitung“ Grundlagen schaffen. Der Einsatz verschiedener Forschungsmethoden – ob qualitativ, quantitativ oder in einer Verbindung der beiden Ansätze als Mixed-Methods-Design – ermöglicht es, das zu untersuchende Thema sowohl in der Tiefe als auch in der Breite zu analysieren und vielfältige Erkenntnisse zu generieren.

Bei der ersten Veröffentlichung in der Schwerpunktreihe handelt es sich um die Studie „KiTa-Leitung als Schlüsselposition. Erfahrungen und Orientierungen von Leitungskräften in Kindertageseinrichtungen.“ von Prof. Dr. Iris Nentwig-Gesemann, Katharina Nicolai und Luisa Köhler der Alice Salomon Hoch­schule Berlin. Einen Überblick zu den Forschungsergebnissen bekommen Sie hier. Die gesamte Studie ist hier als Download erhältlich.

Die Studie „Leitung von Kindertageseinrichtungen. Eine Bestandsaufnahme von Leitungskräften und Leitungsstrukturen in Deutschland“ stellt die zweite Veröffentlichung in der Schwerpunktreihe „KiTa-Leitung“ dar. Sie wurde von Jens Lange vom Forschungsverbund DJI/TU Dortmund an der Technischen Universität Dortmund durchgeführt und ist hier als Download erhältlich. Das Ziel der Studie ist es, anhand der Daten der Kinder- und Jugendhilfestatistik einen aktuellen Gesamtüberblick zu Leitungskräften und -strukturen von Kindertageseinrichtungen in Deutschland zu geben.

Die dritte Studie „Auf Augenhöhe. Leitung von Elterninitiativen in gemeinsamer Verantwortung von Eltern, Erzieherinnen und Erziehern“ wurde von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Elterninitiativen (BAGE e. V.) durchgeführt. Mit Blick auf die Besonderheiten von Elterninitiativen stellte sich das Projektteam, zusammengesetzt aus Dr. Hilke Falkenhagen, Tim Frauendorf, Norbert Bender und Iris Hentschel, die Frage, wie Leitungstätigkeiten und -rollen in dem selbstorganisierten System Elterninitiative ausgeübt werden. Die Studie liefert eine empirische Wissensbasis über Potentiale und Risiken für Leitungsprozesse in Elterninitiativen, die von Dachverbänden sowie Fort- und Weiterbildungsinstituten genutzt werden kann, um ihre (Unterstützungs-)Angebote weiterzuentwickeln. Die Studie ist hier als Download erhältlich. 

Das vierte Forschungsprojekt wird Ende des Jahres 2017 veröffentlicht. Über die Forschungsergebnisse und die Veröffentlichungen der Studie wird in den folgenden Monaten auf dieser Seite berichtet.“

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