Ein Pfleger steht hinter einer Dame im Rollstuhl und beugt sich zu ihr hinunter

Der Job-Turbo – Konzept und Praxis

Das große Interesse an dem Thema zeigte sich daran, dass 108 Personen an dem Willkommen: Online Austausch – Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten und Schutzsuchenden von Bertelsmann Stiftung und Welcome Alliance teilnahmen. Es ging um den „Job-Turbo“ für Geflüchtete, den Bundesarbeitsminister Hubertus Heil angekündigt hatte: „Die Bundesregierung wird ihre Anstrengungen verstärken, um Geflüchtete schnell und möglichst nachhaltig in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Denn Arbeit und Integration bedingen sich gegenseitig“, so Heil. Geflüchtete sind hier, weil sie vor Krieg, politischer Verfolgung und Gewalt geflohen sind. Nach der ersten Phase der Orientierung und des Ankommens gilt es, die Integration auf dem Arbeitsmarkt zu forcieren – denn eine Integration in den Arbeitsmarkt ist der erste Schritt einer ganzheitlichen Integration in die Gesellschaft.

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Seitens der Bundesarbeitsagentur (BA) stellten Djawaneh Hamdi und Andrea Hölzl den „Job-Turbo“ und den aktuellen Stand zur Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten und Schutzsuchenden vor. Aus der Praxis schilderte Hermann Jägle (Jobcenter) seine Erfahrungen in der Stadt Freiburg und die Struktur des Freiburger Competence Centers.

Der Jobturbo hat das Ziel, die Arbeitsmarktintegration von geflüchteten Menschen schnell und nachhaltig zu unterstützen, so Djawaneh Hamdi von der Bundesagentur für Arbeit. Und zwar durch einen engen Schulterschluss aller beteiligten Akteure, durch eine gemeinsame Kraftanstrengung. Es wird insgesamt von einem Potenzial von fast 400.000 Menschen ausgegangen, die durch den Job-Turbo schneller in ein Arbeitsverhältnis gebracht werden sollen. Auch das voneinander lernen spielt beim Job-Turbo eine große Rolle. Zur Rolle des Sonderbeauftragten gehört auch die Debatte im internationalen Kontext zur Arbeitsmarktintegration von geflüchteten Menschen zu objektivieren. Im Sinne dieser Transparenz im internationalen Vergleich gilt es voneinander zu lernen, gute Beispiele zu übernehmen und Unterschiede in den Arbeitsmarktstrukturen der jeweiligen Länder zu erkennen, so Frau Hamdi.

Mit dem Job-Turbo wird ein 3-Phasenmodell eingeführt, um zu ermöglichen, dass die Geflüchteten schnell und nachhaltig die ersten Arbeitserfahrungen in Deutschland sammeln: 1. Orientierung und grundständiger Deutscherwerb, 2. Arbeiten und Qualifizierung in Beschäftigung, 3. Beschäftigung stabilisieren und ausbauen. Davon profitieren alle Beteiligten: Die geflüchteten Menschen finden finanzielle Sicherheit und Autonomie, die Unternehmen sichern sich wertvolle Arbeits- und zukünftige Fachkräfte und nicht zuletzt profitiert daraus die Gesamtgesellschaft und Wirtschaft. Neu ist das Prinzip: „Weg vom Nacheinander, hin zum Nebeneinander“, erläutert Frau Hamdi. „Hieran knüpfen Jobcenter und andere Akteure vor Ort an“, so Andrea Hölzl von der BA. Auch die Job-Berufssprachkurse sind neu. „Auf die Zusammenarbeit kommt es an,“ so Frau Hölzl. So sei beispielsweise wichtig, dass ein enger Austausch zwischen Wirtschaft, Sozialpartnern, den verantwortlichen Behörden, Migrantenberatungsstrukturen und den Communities der geflüchteten Menschen gepflegt werde. „Es gilt, keine Zeit zu verlieren und Chancen aufzuzeigen!“ (zur Präsentation)

In Freiburg ist eine Besonderheit das Competence-Center: Arbeitsmarktakteure aus Stadtverwaltung, Arbeitsagentur, Jobcenter, Diakonie sind im selben Haus untergebracht. „So können wir unsere Arbeit gegenseitig befruchten und eng zusammenarbeiten“; so Hermann Jägle vom Jobcenter der Stadt Freiburg. „Eine Wartezeit von 3 Monaten kennen wir bei uns nicht“, so Hermann Jägle weiter. Es werden konkrete Termine vergeben. Durch die 3 Phasen und das neue Prinzip des „Nebeneinanders“ statt „Nacheinanders“ werde genauer hingeschaut, ob beispielsweise ein Wiederholungskurs möglich ist, so Hermann Jägle. So werden beispielsweise Anpassungsqualifizierungen durchgeführt, wo es nötig ist. Das Jobcenter entwickelt auch „Matching“-Maßnahmen zwischen Arbeitssuchenden und Unternehmen und führt diese durch. Die Bewerber:innen haben jeweils sehr unterschiedliche Hintergründe und Herausforderungen, ob es um die Qualifikation oder die Gesundheit geht. „Ich hab’s doch schließlich mit Menschen zu tun!“, so Hermann Jägle. Im anschließenden Austausch wurde betont, dass Integration immer auch Zeit brauche und ein funktionierendes Netzwerk zwischen Stadtverwaltung, Jobcenter, Arbeitsagentur, Wirtschaft, zivilgesellschaftlichen Organisationen das A und O des Erfolges ist. (zur Präsentation)

Der nächste Online-Austausch von Bertelsmann Stiftung und Welcome Alliance (welcome-alliance.org) findet am 27. Februar 2024 statt. Das Format wird auch künftig einmal pro Monat, dienstags in der Mittagszeit, in der Regel von 12:30 Uhr bis 13:30 Uhr angeboten.