eine offene Tür mit Blick in das Klassenzimmer, dort sitzen Kinder an ihren Tischen
Symbolbild – © Veit Mette

Bildungsregion Gütersloh: "Vielfalt fördern" führt zu einem Gütersloher Weg

Autorinnen: Inge Michels und Angela Müncher

Die Region Gütersloh in der Bezirksregierung Detmold war eine der ersten fünf Pilotregionen im Projekt Vielfalt fördern – und eine sehr erfolgreiche. Von Beginn an war die Nachfrage nach der Fortbildung hier sehr hoch und hat auch mit der Zeit nicht nachgelassen: Bis jetzt haben rund zehn Schulen teilgenommen oder nehmen noch teil. Damit ist Gütersloh die erfolgreichste Projektregion. Was die Region so erfolgreich macht, hat jedoch weniger mit der Anzahl der beteiligten Schulen zu tun, sondern vielmehr mit dem besonderen Geist, mit dem sich die Verantwortlichen um alle Schulen kümmern. Das wiederum hat mit einer anspruchsvollen bildungspolitischen Lage zu tun: In der Region gibt es eine große Schulstrukturumwälzung. Viele Haupt- und Realschulen laufen aus, sieben Gesamtschulen, eine Sekundarschule und eine Gemeinschaftsschule entstehen.

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Angesichts dieser Herausforderungen war das Projekt Vielfalt fördern vom Bildungsbüro und Kompetenzteam als eine weitere Ressource gedacht, die Schulen in ihrer Schulentwicklungsarbeit zu unterstützen. In kaum einer anderen Region, die sich an Vielfalt fördern beteiligt hatte, wuchsen Kompetenzteam und das regionale Bildungsbüro so eng zusammen wie in der Region Gütersloh. Nah dran zu sein an den Schulen und ihren Erfolgserlebnissen, Sorgen und Nöten, war das Anliegen aller Akteure. Auch deshalb wurde hier ein Unterstützungssystem für alle teilnehmenden Schulen geschaffen, das es in dieser Form in keiner anderen Pilotregion gab.

Wie die Beteiligten das Projekt gemeinsam verantworten, haben sie in einem Gespräch erläutert und dabei einen ganz entscheidenden Faktor vor alle anderen gestellt: die reibungslose und gut abgestimmte Arbeit vom Bildungsbüro und Kompetenzteam, die von der Frage bestimmt wird, wie man die Schulen in ihrem Ziel, ihren Unterricht weiterzuentwickeln, bestmöglich unterstützt. Die Teilnehmer/-innen des Gesprächs waren:

  • Birgit Amhoff, Co-Leitung des Kompetenzteams
  • Norbert Kreutzmann, Vielfalt fördern-Moderator und pädagogischer Koordinator des regionalen Bildungsbüros
  • Gudrun Mackensen, Abteilungsleiterin Schule & Bildung / Leiterin des Bildungsbüros;
  • Achim Wörmann, pädagogischer Mitarbeiter im Bildungsbüro

Norbert Kreutzmann fasst das Engagement aller so zusammen: "Viel Kommunikation, viel Transparenz und viel Ehrlichkeit auf verschiedenen Ebenen – das ist eine sehr wichtige Voraussetzung, damit so eine wahnsinnig bunte Maßnahme überhaupt gelingen kann. Die teilnehmenden Schulen und wir, wir sind alle zusammengewachsen und es hat sich eine große Offenheit entwickelt. Wir sind jetzt nicht nur durch Vielfalt fördern verbunden, sondern diese Fortbildung war ein Türöffner für andere gemeinsame Maßnahmen, die daraus entstanden sind." Achim Wörmann lässt den Prozess für einen Moment Revue passieren: "Was Vielfalt fördern sicherlich begünstigt hat: Alle, die wir hier am Tisch sitzen, kommen ja auch direkt aus der Schule. Wir denken Schule mit und sind dadurch sehr kundenorientiert. Wir versetzen uns wirklich in die Lage: Was würden wir als Schule benötigen, was würde uns guttun? Das haben wir dann versucht umzusetzen und die entsprechenden Ressourcen angefasst."

Unterstützungsstruktur, die beeindruckt

Bevor die Fortbildung in die Region kam, gab es zwar in den Schulen schon Erfahrungen mit Unterrichts- und Schulentwicklung im Projekt "Selbstständige Schule", aber Kompetenzteam und Bildungsbüro hatten noch nicht zusammengearbeitet. Und so war Vielfalt fördern die Initialzündung dafür, dass nicht nur die Schulen in einen Entwicklungsprozess starteten, sondern die beiden großen operativen Schul-Bildungsakteure in der Region zusammenwuchsen. Sie schufen dabei eine beeindruckende Unterstützungsstruktur für Schulen, die deutlich über das Angebot der Maßnahme im engeren Sinne hinausging. Dazu gehören bis heute:

  1. Regelmäßige Schulbesuche unter Beteiligung von Kompetenzteam, Bildungsbüro, Schulaufsicht und Schulträger
  2. Einmal jährlich: ein Workshop für alle teilnehmenden Schulen in der Region, dessen Thema aus den Schulbesuchen generiert wurde.
  3. Angebot für Schulleitungen, gemeinsam Schulen zu besuchen, die ausgezeichnet wurden
  4. Steuergruppenqualifizierungen Vielfalt fördern nach jedem Modul inklusive eines strukturierten Austauschs der Steuergruppen verschiedener teilnehmender Schulen

Durch diese Unterstützungsstruktur, die innerhalb der Bezirksregierung Detmold auch in den anderen Regionen etabliert wurde, konnte Vielfalt fördern zu einem besonderen Erfolg geführt werden.

Schulbesuche bringen Kommunikation in Gang

Schaut man sich ein Element dieser Struktur genauer an, so fällt auf, dass die regelmäßigen Schulbesuche durch die Beteiligung der Schulaufsicht eine besondere Chance erhielten, nachhaltig wirkungsvoll zu sein. Erstens erlebten die Vertreter/-innen der Schulaufsicht, woran die einzelne Schule gerade arbeitet und demnächst weiterarbeiten wird. Zweitens konnten sie ein tieferes Verständnis von der Fortbildung und ihren Zielen und Möglichkeiten erlangen.

Diese Schulbesuche, die ungefähr einmal im Jahr an jeder der teilnehmenden Schulen stattfanden, gaben sowohl den Akteuren der Schule Raum, zu reflektieren, an welchem Punkt sie stehen, und ggf. noch einmal zu fokussieren, als auch den Projektverantwortlichen die Gelegenheit, sehr direkt und unmittelbar mitbekommen, was gut läuft oder wo der Schuh drückt. Während die Schulen über die Prozessdauer in engem Austausch mit den Projektmoderatoren waren, bestand während der Schulbesuche die Möglichkeit, das Geleistete den regionalen Projektverantwortlichen vorzustellen. Manchmal wurde dann erst bewusst, welche zusätzliche Unterstützung benötigt wurde – sei es in Form eines Schulentwicklungsberaters oder einer zusätzlichen Fortbildung – oder welche spezifische Lösung in die Kultur einer Schule passte – wie zum Beispiel das Teamteaching anstelle der Hospitationen an der Freiherr-vom-Stein-Realschule.
Birgit Amhoff bringt die Bedeutung der Schulbesuche so auf den Punkt: "Um die Kommunikation in Gang zu bringen, waren aus meiner Sicht die Schulbesuche ein unglaublich wichtiger Türöffner. Da sind Dinge angesprochen worden, die vorher manchmal nicht so ganz klar geworden waren. Bei den Schulbesuchen hatten wir Ort und Zeit, alle schwierigen Themen zu beleuchten, ohne Schuldzuweisungen, einfach durch eine objektive Beschreibung. Ich glaube, das war ein wirklich wichtiger Ansatzpunkt, um genau das in Bewegung zu setzen, was sich dann in dem neuen Konzept, in dem Gütersloher Weg, widergespiegelt hat."

Die Gütersloher organisierten auch Workshops für alle Vielfalt fördern-Schulen, wenn ein Thema im Fokus mehrerer Schulbesuche stand. So wurde zum Beispiel das Thema "Unterrichtshospitationen" angeboten, weil Schulen nach guten Wegen zur Umsetzung im Schulalltag suchten. Einen weiteren Workshop gab es zur Verstetigung der Unterrichtsentwicklung nach der begleiteten Phase von Vielfalt fördern, die in einer späteren Runde von Schulbesuchen häufig Thema war. Insgesamt lässt sich daran erkennen, dass Themen regelmäßig und systematisch aufgegriffen wurden, um drängende Herausforderungen für alle Schulen – auch jenseits des individuellen Schulsettings – zu diskutieren und zu lösen.

Klipp und klar: Eine Matrix klärt die Verantwortlichkeiten

Die Grundvoraussetzung, den Schulen überhaupt ein gutes Unterstützungsnetz bieten zu können, war darin angelegt, dass zwischen Bezirksregierung, Kompetenzteam und Bildungsbüro genau geklärt und transparent kommuniziert wurde, wer welche 3 Aufgabe übernimmt und wie man sich informiert. Die Beteiligten haben dazu eine Matrix entworfen. Gudrun Mackensen: "In diese Matrix haben wir eingepflegt: Wer macht was, wer ist dafür verantwortlich, wer wird informiert? Das war ganz einfach und hat auch nicht stundenlang gedauert; nach einer Stunde waren die nächsten Schritte klar. Je nach Anlass wurden auch andere Personen an den Tisch geholt und die Verantwortlichkeiten geklärt. Das hat sich wie ein roter Faden durch unsere Arbeit gezogen, eine solche Matrix benutzen wir auch für Veranstaltungen. Kurzum: Die Verantwortlichkeiten – ich glaube, das kann man wirklich sagen – sind bei uns wunderbar geklärt; da ist alles klipp und klar."

Kurzfristige Absprachen waren zudem dadurch möglich, dass die Büros von Kompetenzteam- und Bildungsbüromitarbeiter/-innen im Kreishaus der Stadt Gütersloh auf einem Flur liegen. Birgit Amhoff: "Es ist diese Mischung aus strukturellem Austausch und informellem Austausch, die für unsere Kommunikation wichtig ist. Dazu gehören die Festlegung und dadurch das Vereinfachen von Verantwortlichkeiten, aber eben auch – anlassbezogen – die kurzen Wege und die äußerst vertrauensvolle Zusammenarbeit. Das ist so eine gute Basis für jegliche gemeinsame Arbeit, die wir haben." Achim Wörmann ergänzt: "Über das Projekt haben wir, also Kompetenzteam und Bildungsbüro, in der Sache zusammengefunden. Das ist eine mittlerweile gut abgestimmte Arbeit. Auch die Bekanntheit von Bildungsbüro und Kompetenzteam in den Schulen ist viel größer als vorher."

Einig ist man sich, dass es vor allem der Bezirksregierung und dort einer bestimmten Person zu verdanken ist, dass Kompetenzteam und Bildungsbüro ihre Struktur sehr schnell gemeinsam aufbauen konnten. Es war der Dezernent Christof Höfer, der zu Beginn des Programms alle Beteiligten an einen Tisch holte. Als Koordinator für Vielfalt fördern in der Bezirksregierung Detmold hatte er sowohl die Klärung von Verantwortlichkeiten initiiert als auch den Prozess begleitet und Impulse gesetzt. Von ihm angeregt wurden zum Beispiel die Schulbesuche und die Hospitationen der Schulleitungen an der mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichneten Robert-Bosch-Gesamtschule in Hildesheim (s. separates Interview mit Christof Höfer).

Steuergruppenqualifizierung Vielfalt fördern: Diskurs und voneinander lernen

Wertschätzung ist ein Motiv, das sich in Gütersloh durch alle Ebenen zieht. Sie ist zu spüren zwischen den verantwortlichen Akteuren im Raum, wenn man mit ihnen spricht. Sie kommt den Moderatoren zugute und zielt letztlich vor allem auf die Schulen, denn diese Wertschätzung drückt sich in allen Angeboten aus, zum Beispiel in der Steuergruppenqualifizierung. Alle Projektschulen durchlaufen die Steuergruppenqualifizierung. Dort lernen sich die Steuergruppenmitglieder auch schulübergreifend kennen. Vielfalt fördern profitierte von dieser Grundlage in besonderer Weise.

Steuergruppenqualifizierung Vielfalt fördern

Die Grundstruktur der Qualifizierung sieht so aus: Eine Dozentin der Hochschule Ostwestfalen-Lippe und ein Moderator führen die Fortbildung passend zu den vier Modulen der Fortbildung durch. Dabei bringt die Dozentin Fragen rund um das Thema "Steuerung" ein, der Moderator schafft den Bezug zu den inhaltlichen Baustellen, an denen die Steuergruppen gerade arbeiten. Darüber entsteht ein Diskurs zwischen den Steuergruppenmitgliedern unterschiedlicher Schulen.

 

Von Wertschätzung zur Nachhaltigkeit – ein Netzwerk entsteht

Kommunikation, Wertschätzung, Ehrlichkeit und alles, was dahintersteckt – mit diesen Worten beschreiben die Gesprächsteilnehmer/-innen das Gütersloher Erfolgsrezept für Schul- und Unterrichtsentwicklung. Sie sind überzeugt: Wer Menschen und ihr Engagement wertschätzt, legt eine gute Grundlage dafür, dass sich die Erfolge eines Projektes im Sinne von Nachhaltigkeit verstetigen lassen.

In Gütersloh erleben die Schulen, dass sie mit ihren Anliegen nicht alleingelassen werden, sondern auch Rückhalt und Wertschätzung durch die Schulaufsicht finden. Zeitweise mussten Schulen, die ins Projekt wollten, zunächst vertröstet werden, da die Projektmoderator/-innen voll ausgelastet waren. Aber die Projektverantwortlichen und die Schulaufsicht behielten das Interesse der Schulen im Blick. Auch darüber hinaus zeigte die Schulaufsicht sich immer wieder bestens über das Projekt und dessen aktuellen Stand informiert. Sie mit einzubinden und gut informiert zu halten, sehen alle Beteiligten als eine wichtige Aufgabe an. Gudrun Mackensen: "Wichtig war der Input der Bezirksregierung beziehungsweise der Schulaufsicht, wenn es zum Beispiel darum ging, den möglichen rechtlichen Rahmen abzustecken. Die Schulen agieren ja teilweise in einer Grauzone, etwa im Hinblick auf Unterrichtsausfall, beim Einsatz von Kollegen und so weiter. Der Austausch mit der Schulaufsicht war dann für den Schulalltag wirklich hilfreich." Moderator Norbert Kreutzmann stimmt zu: "Das war eine wertschätzende Art uns gegenüber. Man konnte auch mal bestimmte Dinge loswerden, besprechen, sich eine Rückversicherung holen und fragen: Ist das in Ordnung, wie wir das machen? Das ist schon ein Gelingensfaktor, wenn die Schulaufsicht in dem Projekt gut informiert ist."

Kein Wunder, dass die Schulaufsicht in Gütersloh auch in der Phase der Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle spielt: Sie reflektiert mit den Schulen, ob und wie die Arbeit an den Themen läuft, die die jeweilige Schule sich selbst für die Zeit nach der Begleitung durch die Moderatoren auf die Agenda gesetzt hat. Zur Priorisierung dieser Themen gab es eigens einen Workshop. Norbert Kreutzmann gibt für diese Phase des Projektes den Tipp: "Konzentriert euch auf die Implementation von wenigen von euch als sinnvoll anerkannten Fässern, die ihr mitnehmen und weiter füllen wollt."

Fazit: Über Vielfalt fördern ist ein großes und lebendiges Netzwerk im Kreis Gütersloh entstanden: Davon profitieren bis heute alle Schulen in der Region.

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