Mehrere Jugendliche mit Maske

Jugend und Corona: Das große Fragezeichen im Leben junger Menschen

Am 2. März 2022 fand der Web-Talk "Belastet und übergangen? Wie geht es weiter für Jugendliche nach zwei Jahren Corona?" statt, der vom Projekt "Familie und Bildung: Politik vom Kind aus denken" organisiert wurde.
Drei junge Menschen brachten eindrucksvoll ihre Perspektive auf die letzten zwei Corona-Jahre ein. Das Podium komplettierten die Parlamentarische Staatssekretärin des BMFSFJ, Ekin Deligöz, und Prof.‘in  Sabine Andresen, Universität Frankfurt/Main und Ko-Autorin der "JuCo"-Studien. TV-Moderator Johannes Büchs führte durch die Veranstaltung mit mehr als 250 Teilnehmer:innen.

Ansprechpartner

Foto Antje Funcke
Antje Funcke
Senior Expert Familie und Bildung
Foto Sarah Menne
Sarah Menne
Senior Project Manager
Foto Tobias Lentzler
Tobias Lentzler
Project Manager
Foto Mirjam Stierle
Mirjam Stierle
Project Manager

Inhalt

Nach einführenden Worten von Anette Stein, Director Bildung und Next Generation der Bertelsmann Stiftung, sprachen Lea Leidig vom JugendExpert:innenTeam des Teams „Familie und Bildung: Politik vom Kind aus denken“ und Dario Schramm (ehemaliger Sprecher der Bundesschülerkonferenz und Autor des Buches „Die Vernachlässigten“) in Bezug auf die letzten zwei Jahre von einer großen Unsicherheit im Leben junger Menschen.
​​​Die letzten zwei Jahre haben das Leben vieler junger Menschen auf den Kopf gestellt. Das, was für viele ganz normal zum Erwachsenwerden dazugehört – der erste Kuss, in eine andere Stadt ziehen, sich Vorlesungen im Audimax anhören – war eine ganze Weile nicht oder nur eingeschränkt möglich. Xueling Zhou von der Landesschüler:innen-Vertretung Nordrhein-Westfalen sprach einprägsam von „Verzweiflung, Wut und einem großen Fragezeichen im Leben“.

Jungen Menschen zuhören und mit Empathie begegnen

Die Parlamentarische Staatssekretärin des BMFSFJ, Ekin Deligöz (Bündnis 90/Grüne), die in Vertretung für die erkrankte Ministerin Anne Spiegel am Web-Talk teilnahm, zeigte sich von den Schilderungen der jungen Menschen sichtlich berührt. Auch sie habe zwei Kinder am Übergang zwischen Schule und Ausbildung bzw. Universität. Ihr Sohn, der studiere, frage sie manchmal, wo denn nun diese „beste Zeit im Leben“ bleibe, von der sie in der Rückschau auf ihre Zeit an der Uni immer erzählt habe. Aus ihrer Sicht sei es entscheidend, jungen Menschen nun mit Empathie zu begegnen und ihnen zuzuhören. Das bedeute Generationengerechtigkeit für sie. Denn während sich die meisten jungen Menschen in der Pandemie solidarisch gezeigt und sich an alle Regeln gehalten hätten, hätten Erwachsene nicht im gleichen Maße respektvoll gehandelt und Schüler:innen bzw. Studierende mit einbezogen, wenn es z. B. darum ging, Wege zu finden, die ​​​​Schulen oder Universitäten offen zu halten.

Sabine Andresen fasste im Anschluss die wichtigsten Befunde aus der letzten JuCo-Befragung aus dem Dezember 2021 zusammen. Dabei sind aus ihrer Sicht zwei Ergebnisse besonders wichtig:

  • Die Zukunftssorgen junger Menschen haben im Vergleich zu den vorherigen JuCo-Befragungen noch einmal zugenommen

  • Auch die Geldsorgen sind gewachsen. Dabei zeigt sich, dass junge Menschen die sich Sorgen um ihre finanzielle Situation machen, auch überdurchschnittlich häufig psychisch belastet sind.

Was junge Menschen jetzt brauchen

Was junge Menschen sich jetzt von der Politik für konkrete Maßnahmen wünschen, wurde im Anschluss breit diskutiert. Als erstes möchten junge Menschen durchgängig die Möglichkeit haben, ihre Sichtweise ebenso wie ihre Bedarfe und Sorgen an allen Orten einzubringen, die für sie wichtig sind. Daher sind Strukturen zu schaffen, die Beteiligung und Mitbestimmung strukturell verankern. Darüber hinaus war es allen Diskussionsteilnehmer:innen ein wichtiges Anliegen, dass sozial benachteiligte junge Menschen schnell besser unterstützt werden. Hier hat die Pandemie einmal mehr offenbart, dass sie viel zu wenig im Fokus der Politik sind. Zudem wurden Themen wie der eklatante Fachkräftemangel in allen pädagogischen Bereichen sowie die fehlenden Therapiemöglichkeiten bei psychischen Belastungen intensiv diskutiert. Hier müssen dringend ressortübergreifend Konzepte entwickelt werden, die diese Probleme angehen.

Der Web-Talk bot aber auch den über 250 Zuschauer:innen die Möglichkeit, Fragen und Anmerkungen in die Diskussion mit einfließen zu lassen. Johannes Büchs hob die vielen langen Beiträge der Teilnehmenden hervor und griff immer wieder Fragen aus dem Publikum auf. Zum Ende der Veranstaltung bat er um ein „Chat-Gewitter“. Jede:r sollte ein paar kurze Zeilen dazu schreiben, was er oder sie sich im Zusammenhang mit dem diskutierten Thema nun in den nächsten Wochen vornehme. Von „Kinder und Jugendliche in ihren politischen Aussagen ernst nehmen und ihnen richtig begegnen“ über „Ein Projekt zur zugehenden psychologischen Arbeit an Berufsschulen auf den Weg bringen“ oder „Das Thema in den Jugendhilfeausschuss bringen“, waren viele eindrückliche Kommentare dabei. 
Werfen Sie gerne einen Blick in die Zusammenfassung des Chats unten!

Publikationen