Roboter und weißer Hintergrund
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Buch: Wir und die intelligenten Maschinen

Der Einsatz von Algorithmen ist längst keine Science-Fiction mehr, sondern Realität. Wir müssen deshalb das Verhältnis von Mensch und Maschine neu bewerten. Wie wirkt Künstliche Intelligenz auf uns und unsere Gesellschaft? Wo können uns Algorithmen bereichern, wo gilt es, ihrer drohenden Allmacht Einhalt zu gebieten? Ein neues Buch sucht Antworten auf die drängendsten Fragen.

Den Krebs besiegen, bevor er entsteht. Das Verbrechen verhindern, ehe es geschieht. Den Traumjob bekommen, auch ohne Vitamin B. Gerechtigkeit walten lassen, ohne unterbewusst zu diskriminieren. So vielversprechend sich das anhört, so bedrückend kommen die Negativ-Szenarien daher: Das solidarische Gesundheitssystem aufgekündigt, bestimmte Bevölkerungsgruppen benachteiligt, manche komplett vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen, Menschen als Spielball und Opfer digital ermittelter Wahrscheinlichkeiten. Ob Verheißung oder Verderben – Algorithmen verändern unser Leben und diese Veränderungen werden radikal sein.  

In ihrem neuen Buch „Wir und die intelligenten Maschinen“ veranschaulichen Jörg Dräger und Ralph Müller-Eiselt in über 40 plastischen und überraschenden Fallbeispielen die Reichweite von Algorithmen und zeigen ihre soziale Relevanz auf. Das Buch ist weder Dystopie noch Verklärung. Es verdeutlicht die Chancen für eine bessere Gesellschaft, ohne die Risiken von Algorithmen aus den Augen zu verlieren.

Buchcover "Wir und die intelligenten Maschinen"
Buch von Jörg Dräger und Ralf Müller-Eiselt: Wir und die intelligenten Maschinen

Wir Menschen sind nicht perfekt: Zu viele Information überfordern uns, wir entscheiden inkonsistent und wir diskriminieren unbewusst. Als „Erweiterte Intelligenz“ helfen uns Algorithmen, diese menschlichen Schwächen auszugleichen. In vielen Bereichen ist das längst Realität, oft ohne dass es uns richtig bewusst ist. Dabei ist der Grat zwischen mehr Chancengerechtigkeit und mehr sozialer Ungleichheit schmal. Denn Algorithmen können Diskriminierungen und gesellschaftliche Vorurteile auch verstärken. Künstliche Intelligenz und Algorithmen sind nur so gut, wie wir sie machen. Menschen formulieren die Ziele einer Software, sie programmieren ihren Code und setzen sie in einem ganz konkreten Kontext ein.

Die Autoren sind sich sicher: 

Programmierkunst ist politisch! Wir haben es in der Hand, Algorithmen für das gesellschaftlich Sinn-volle statt für das technisch Mögliche zu nutzen.

Wir können sie nutzen, um unsere Gesellschaft fairer, effizienter und menschlicher zu machen. Das zu erreichen ist die politische Gestaltungsaufgabe unserer Zeit.

Wir sollten nicht versuchen, den Fortschritt zu verhindern, sondern ihn in den Dienst der Gesellschaft zu stellen.

Um das zu erreichen, schlagen sie vier konkrete Lösungen vor:

Erstens: Eine breite gesellschaftliche Debatte. Wir als Gesellschaft müssen darüber diskutieren, wo wir Algorithmen zu welchem Zweck und nach welchen Regeln nutzen. Nicht alle algorithmischen Systeme sind gleichermaßen relevant für unsere Gesellschaft. Aber wo intelligente Maschinen unser Leben bestimmen, muss über ihre Ziele, ihr Design und ihre Wirkung öffentlichen gestritten werden.

Zweitens: wirksame Kontrolle. Algorithmische Entscheidungen müssen als solche klar erkennbar und für Nutzer oder unabhängige Dritte überprüfbar, nachvollziehbar und im Zweifel anfechtbar sein. Dafür braucht es keinen Algorithmen-TÜV und kein eigenes Algorithmengesetz. Stattdessen sollte der Gesetzgeber vor allem bestehende Gesetze ergänzen und Kontrollinstitutionen wie die Finanzaufsicht oder die Arzneimittelkontrolle stärken.

Drittens: Vielfalt statt Monopole. Monopole sind wie überall auch beim Einsatz von Algorithmen schädlich. Nur eine Vielfalt algorithmischer Systeme und Ziele kann gesellschaftliche Pluralität angemessen abbilden, Diskriminierung vermeiden und Innovation fördern.

Viertens: Algorithmen-Kompetenz auf allen Ebenen. Jeder Bürger muss bewerten können, wann und wie die Entscheidungen eines Algorithmus für ihn relevant sind. Wer Software beauftragt, entwickelt und anwendet, muss deren soziale Konsequenzen und ethische Aspekte mitdenken. Und der Staat muss nicht nur in der Lage sein, Algorithmen klug zu regulieren, sondern diese auch selbst fürs Gemeinwohl einsetzen.

Den aktuellen Rückstands Europas lassen die Autoren dabei nicht als Hindernis gelten, sondern sehen darin sogar eine Chance.  „Wir müssen die Fehler anderer nicht wiederholen und können einen eigenen europäischen Weg gehen, der Werte und Wettbewerbsfähigkeit nicht als Gegensatz versteht. Dieser europäische Weg räumt dem Gemeinwohl einen höheren Stellenwert ein als in den USA und wahrt anders als in China ein hohes Maß an individueller Freiheit.

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