Vorstellung der Studie "Aufbruch nach Westen" in Berlin durch Liz Mohn
Sebastian Pfütze

, Asia Briefing 23. April 2013: Aufbruch nach Westen – chinesische Direktinvestitionen in Deutschland

Über chinesische Investitionen in Deutschland diskutierten Shi Mingde, chinesischer Botschafter der VR China in Deutschland, Dr. Martin Brudermüller, China-Sprecher der deutschen Wirtschaft und stellvertretender Vorstandsvorsitzender der BASF SE, Norbert Scheuch, Leiter der Geschäftsführung der Putzmeister Holding GmbH, Armin Schild, Bezirksleiter des Bezirks Mitte, IG Metall und Ralf Neukirch, Redakteur des Spiegel.

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Am 23. April stellte die Bertelsmann Stiftung die Studie "Aufbruch nach Westen – Chinesische Direktinvestitionen in Deutschland" in Berlin vor. Zu diesem Anlass hatte das Programm Deutschland und Asien vier hochrangige Experten aus Politik und Wirtschaft eingeladen, um die Chancen und Herausforderungen steigender Investitionen chinesischer Unternehmen in Deutschland zu analysieren. Auf dem Podium diskutierten Shi Mingde, chinesischer Botschafter der VR China in Deutschland, Dr. Martin Brudermüller, China-Sprecher der deutschen Wirtschaft und stellvertretender Vorstandsvorsitzender der BASF SE, Norbert Scheuch, Leiter der Geschäftsführung der Putzmeister Holding GmbH, und Armin Schild, Bezirksleiter des Bezirks Mitte, IG Metall. Ralf Neukirch, Redakteur des Spiegels, moderierte durch die Veranstaltung.

Dr. Martin Brudermüller setzte den in Teilen der Öffentlichkeit vielfach geäußerten Bedenken gegenüber chinesischen Übernahmen deutscher Unternehmen entgegen, dass Deutschland eine offene Marktwirtschaft sei. Derartige Transaktionen würden auf Basis freier unternehmerischer Entscheidungen durchgeführt. Wo es einen Käufer gäbe, gäbe es auch einen Verkäufer, so Brudermüller.

Botschafter Shi Mingde ergänzte, dass Kooperationen in einer zunehmend vernetzten Welt notwendig seien, neuere Entwicklungen aber ihre Zeit bräuchten, um akzeptiert zu werden. Zudem investierten chinesische Unternehmen erst seit wenigen Jahren in Deutschland, während deutsche Unternehmen in China schon lange aktiv und schon immer willkommen gewesen seien.

Putzmeister-Geschäftsführer Norbert Scheuch beschrieb den neuen, international noch wenig erfahrenen chinesischen Eigentümer als verständig und konziliant. Die Einflussnahme auf das operative Geschäft sei ausgesprochen gering. In China selbst stellten sprachliche Barrieren – insbesondere auf der Ebene des Senior Management – und stark hierarchische Entscheidungsstrukturen jedoch eine große Herausforderung dar. Armin Schild lobte die durchaus gelungene Kooperation zwischen den chinesischen Besitzern und Putzmeister beziehungsweise Waldrich-Coburg – einem Maschinenbauer, der bereits 2005 von einem chinesischen Investor gekauft wurde. Das langfristige Interesse am Standort Deutschland sei hier ausschlaggebend ebenso wie die Bereitschaft des Investors das deutsche System der Mitbestimmung zu akzeptieren, so Schild.

Einig waren sich die Podiumsteilnehmer schließlich darin, dass chinesische Investitionen in Deutschland eine wichtige Facette der gegenseitigen Beziehungen darstellten und noch viel stärker als Chance begriffen werden sollten. Allerdings sollten die doch erheblichen Unterschiede auch nicht klein geredet werden. Während Brudermüller in dieser Hinsicht eine zunehmende Annäherung chinesischer Unternehmen an internationale Gepflogenheiten erwartet, gab sich Scheuch aufgrund der historischen und kulturellen Entwicklung Chinas eher skeptisch. Auch der Botschafter betonte, dass es hierbei wichtig sei, Unterschiede zu akzeptieren und gleichzeitig nach Gemeinsamkeiten zu suchen. Dies gestalte sich allerdings nicht immer so einfach, resümierte Schild, da deutsche Gewerkschaften in China keine vergleichbaren Organisationen als Ansprechpartner hätten und sich der gemeinsame Austausch über die gegenseitigen Unterschiede damit schwierig anlasse.

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