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Zwischenruf: Wenn Netzwerke zur Bedrohung werden

Man findet sie ebenso bei den Schlepperbanden wie auch Guerilla-Kämpfern, man kennt sie von der Piraterie bis zu der organisierten Kriminalität: in ihrem Handeln hoch flexible und in ihren Strukturen sehr stabile Netzwerke! Eines haben sie alle gemeinsam: mit herkömmlichen Mitteln ist ihnen nur schwer oder gar nicht bei zu kommen. Ohne einen Perspektivwechsel auf deren ureigenen Ziele, Verhaltensmuster sowie Identifikations- und Motivationslagen sind sie nicht zu zerschlagen.

Im Rahmen des Projektes „Krisenmanagement im 21. Jahrhundert“ haben der Bereich „High-Level-Dialoge“ und das Kompetenzzentrum der Bertelsmann Stiftung verschiedene Organisationstypen durchleuchtet. Um Organisationen - gerade auch in ihrer allerschlimmsten Ausprägung - zu verstehen, muss man die ungeschriebenen Regeln, die Glaubenssätze sowie die internen Anreizstrukturen und individuellen Motivlagen kennen: Wie nutzen derartige Netzwerke Krisen? Wie funktionieren diese Organisationen? Wen belohnen bzw. wen bestrafen sie? Wie rekrutieren und binden sie Mitglieder? Welches „Geschäftsmodell“ nutzen sie und wie „vermarkten“ sie sich?

Mit dem Gutachten „Die Strukturen und Hierarchien der organisierten Kriminalität am Beispiel des Menschenhandels" gibt Professor Dr. Friedrich Schneider (Institut für Volkswirtschaftslehre, Johannes Kepler Universität Linz) einen Einblick in Struktur und Funktionsweise von Organisationen der organisierten Kriminalität. Damit verbindet sich gleichzeitig eine Blaupause zur Bekämpfung derartiger Machenschaften. „Folgen sie dem Geld“ und „Denken sie wie die Netzwerke“ – so lauten u. a. die Empfehlungen des Experten.

Denn: Funktionierende, fluide Netzwerke sind grundsätzlich nichts Schlechtes – im Gegenteil: im Zeitalter von Globalisierung und Digitalisierung sind sie oft das Maß aller Dinge für den Erfolg von Organisationen. Aber in den falschen Händen und mit den falschen Zielen bleiben sie eine Gefahr überall auf der Welt und schädlich für jede Gesellschaft.