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Interview: Digitale Bildungsrevolution

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Herr Dräger, in Ihrem neuen Buch beschreiben Sie die Auswirkungen der digitalen Bildungsrevolution. Worum genau geht es dabei?


Das Buch handelt von Schülern, für die ein Rechenzentrum über Nacht einen individuellen Lernplan erstellt, von Universitäten, deren Software für jeden Studenten die passendsten Fächer inklusive der voraussichtlichen Abschlussnoten ermittelt, und von Konzernen, die bei Bewerbungen den Erkenntnissen aus zwanzig Minuten Computerspielen mehr vertrauen als Zeugnissen oder Abschlussnoten. Das sind nur einige Beispiele, die zeigen, wie Internet und Big Data die Bildung verändern. Noch passiert all das überwiegend in den USA oder Asien. Es ist aber nur eine Frage der Zeit, bis die Digitalisierung auch hierzulande die Bildung erfasst. In meinem Buch geht es darum, wie wir diese Entwicklung nutzen können, um chancengerechte Teilhabe für alle zu ermöglichen.  

Lösen Ihre Beispiele nicht auch Ängste aus?

Es gibt ohne Frage Risiken, insbesondere droht der Missbrauch von Lerndaten. Aber für die Digitalisierung gibt es keinen Stopp-Knopf. Wer sie nicht gestaltet, wird gestaltet. Mein Plädoyer ist es, den digitalen Wandel nicht als Problem, sondern als Teil der Lösung für mehr Chancengerechtigkeit zu verstehen. Es geht zum Beispiel nicht darum, Lehrer und Professoren zu ersetzen, sondern ihnen eine neue Rolle zu geben. Digitale Hilfsmittel schaffen mehr Zeit für das Wesentliche: dank Lernvideos und Computerprogrammen können Lehrer viel individueller auf ihre Schüler eingehen anstatt nur Standardwissen zu vermitteln. Und gegen den Datenmissbrauch brauchen wir zeitgemäße Regulierung, die einen souveränen Umgang mit eigenen Daten gewährleistet. Hier muss der Gesetzgeber handeln.

Hat die Digitalisierung auch Auswirkungen auf die Unternehmenskultur?

Ja, denn globale, virtuelle Netzwerke werden in ihrer Bedeutung weiter steigen – beim Lernen und Arbeiten gleichermaßen. Das verändert auch die Unternehmenskultur: Wer sich früh in virtuellen Teams übt, der schätzt Sachverstand weit mehr als Hierarchie und Autorität; statt alter Wissensmonopole pflegt er eine Kultur des Austauschs und der Kooperation. Zugespitzt könnte man sagen: WeQ ist mehr wert als der größte IQ.

Mehr Informationen zum Buch finden Sie unter Die digitale Bildungsrevolution und auf der Projektseite „Teilhabe in einer digitalisierten Welt“. Warum WeQ sich gleich doppelt lohnt, wirdhier anhand eines Videos in zwei Minuten erklärt.