Mann und Frau im Gespräch

Mehr Fachkräfte in jeder Region

Immer mehr Branchen und Regionen sind vom Fachkräftemangel betroffen. Eine vielversprechende Lösung sind sogenannte Teilqualifikationen (TQs). Die Auswertung von 4,3 Millionen Online-Jobanzeigen für Hilfs- und Fachkräfte aus dem Jahr 2022 durch den Jobmonitor der Bertelsmann Stiftung zeigt: Oft reichen schon zwei bis vier von maximal sieben Teilqualifikationen eines Berufs aus, um den Großteil der freien Stellen zu besetzen. Diese lassen sich in mehrwöchigen Qualifizierungen erlernen.

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Dr. Martin Noack
Senior Expert Betriebliche Bildung und Weiterbildung
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Roman Wink
Senior Project Manager

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Alle 157 untersuchten Teilqualifikationen aus 27 verschiedenen Berufen werden tatsächlich am Arbeitsmarkt nachgefragt. Damit bestätigt die Studie Erkenntnisse aus Befragungen von Arbeitgeber:innen. In 82,5 Prozent aller einschlägigen Fachkraftstellen wird nicht das jeweilige berufliche Vollprofil gesucht. Im Durchschnitt sind es pro Fachkraftstelle 3,3 von 5 bis 7 möglichen Teilqualifikationen, bei entsprechenden Hilfskraftstellen 1,4 TQ, die die Arbeitgeber:innen explizit als Anforderung in ihren Online-Jobanzeigen aufführen.

Zum einen bieten TQs einen flexiblen und schnellen Weg, um die notwendigen Fachkräfte zum Beispiel für die so dringliche Energiewende zu qualifizieren. Die Auswertung zeichnet zum anderen auch einen Aufstiegspfad für Millionen von Geringqualifizierten in Deutschland: "Durch Teilqualifizierungen können sich Menschen ohne Berufsabschluss Schritt für Schritt erst Hilfskraft- und dann Fachkraftstellen erschließen, bis ihnen schließlich beim Nachholen des vollwertigen Berufsabschlusses alle angebotenen Stellen eines Berufs zur Verfügung stehen", sagt Studienautor Martin Noack.

TOP 10 der Teilqualifikationen aus Lager/Logistik, Verkauf, Büro und Elektronik

Die TOP 10 der meistgefragten TQs kommen aus den Bereichen Lager/Logistik, Verkauf, Büromanagement und Elektronik. So wird "Waren versenden" in mehr als 450.000 Stellen gesucht, "Bedienen, beraten und verkaufen" in mehr als 390.000 Jobangeboten, "Assistenz- und Sekretariatsaufgaben erledigen" in knapp 340.000 und "Elektrische Anlagen in Betrieb nehmen und instand halten" in knapp 180.000 Jobanzeigen.

Die Analysen der Jobmonitor-Daten zeigen darüber hinaus, dass es in jedem Berufsbild einige TQs gibt, die am Arbeitsmarkt deutlich häufiger nachgefragt werden als andere. Beim Beruf "Elektroniker/-in Energie- & Gebäudetechnik" sind das beispielsweise "Elektroinstallationen vor- und nachbereiten", "Elektrische Betriebsmittel montieren und installieren" und "Elektrische Anlagen in Betrieb nehmen und instand halten". Alle drei werden jeweils in rund zwei Drittel aller für das Berufsmodell relevanten Stellen gesucht. Die übrigen drei TQ kommen hingegen nur in einem kleinen Teil aller Stellen vor.

Regionale Unterschiede enthüllen lokale Weiterbildungsbedarfe

Die Bedeutung einzelner TQs innerhalb eines Berufs unterscheidet sich dabei von Region zu Region. Bei den Fachkraftstellen im Büromanagement zum Beispiel spielt in den östlichen Bundesländern die Teilqualifikation "Assistenz- und Sekretariatsaufgaben erledigen" eine größere Rolle als im Rest der Republik. "Einkaufsprozesse planen und durchführen" ist hingegen bei Bürokaufleuten im Westen und Süden wichtiger. Der Jobmonitor macht diese Unterschiede transparent und gibt damit wichtige Hinweise auf die konkreten Weiterbildungsbedarfe in einer Region. Diese lokal spezifische Nachfrage der Betriebe nach TQs sollte die  zuständige Qualifizierungspolitik im Blick haben. "Die Studie zeigt damit das große Potenzial von Teilqualifikationen, mit deren Hilfe sich der jeweilige Fachkräftebedarf vor Ort schneller decken lassen kann", sagt Noack.

Der Jobmonitor der Bertelsmann Stiftung: regional und aktuell

Das Arbeitsmarktportal jobmonitor.de erlaubt nicht nur den Blick auf die wichtigsten Teilqualifikationen. Es zeigt auch bis zur Kreisebene, wie sich die Nachfrage nach Berufen und Soft Skills entwickelt. Basis sind die Daten aus mehr als 76 Millionen Online-Jobanzeigen. Täglich kommen etwa 200.000 Stellenanzeigen hinzu. Bei normaler Lesegeschwindigkeit bräuchte ein Mensch etwa ein halbes Jahr, um die Stellenanzeigen eines einzigen Tages zu lesen. Die Algorithmen des Jobmonitors bewältigen das über Nacht. Damit sind monatsaktuelle Aussagen auf Bundes- und Landesebene sowie auf Ebene der rund 400 Kreise und kreisfreien Städte möglich. Dank des Jobmonitors lässt sich mit wenigen Klicks ablesen, wo welche Teilqualifikationen und Berufe gefragt sind, wo die Nachfrage steigt oder sinkt und welche Soft Skills gefordert werden. Damit bietet das Portal eine hervorragende Orientierung für Jobsuchende, vor allem aber für die regionalen Akteur:innen des Arbeits- und Weiterbildungsmarktes.

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