Bertelsmann Stiftung (Hrsg.)

Digitalisierung in der beruflichen Bildung - drängender denn je!

Thesen aus der Initiative "Chance Ausbildung"

  • 1. Auflage 2020, 16 Seiten (PDF)
  • DOI 10.11586/2020015
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Das Schlagwort Digitalisierung ist auch in der beruflichen Bildung in aller Munde. Weitestgehend herrscht Einigkeit darüber, dass dies eines der zentralen Themen für die Zukunft der beruflichen Bildung ist. Diese Einigkeit beginnt jedoch schon bei der Frage zu schwinden, was eigentlich mit Digitalisierung gemeint ist: Geht es um die Veränderung von Produktionsprozessen, die in den Ausbildungsordnungen der jeweils betroffenen Berufe ihren Niederschlag finden sollten? Oder geht es um das Lernen mit digitalen Medien, wie dem Einsatz von Lern-Apps in der Berufsschule und Virtual-Reality-Brillen in der Lehrwerkstatt? Oder geht es schließlich um die Frage, welche Berufe von der Bildfläche verschwinden werden und welche im Zuge der Digitalisierung neu entstehen? Allein die Unterschiedlichkeit der Fragen zeigt: Digitalisierung markiert einen komplexen, langfristigen Veränderungsprozess mit unterschiedlichen Facetten und weitreichenden Folgen. Wichtig ist es, die Chancen und Risiken in diesem Veränderungsprozess zu erkennen und jetzt zügig die Weichen für eine zukunftsfähige berufliche Bildung zu stellen.

Die Initiative „Chance Ausbildung“ hat sich diesen Fragen gewidmet und bildungspolitische Handlungsfelder bei der Digitalisierung in der beruflichen Bildung identifiziert. Diese beziehen sich auf berufliche Schulen, Betriebe sowie überbetriebliche Ausbildungsstätten. Dabei positioniert sich die Initiative „Chance Ausbildung“ klar gegen die Annahme, Digitalisierung sei ein rein technologischer Prozess, dem alle gesellschaftlichen Teilbereiche ausgeliefert sind und auf den sie nur reagieren können. Grundanliegen ist vielmehr, einen gestaltenden und wertebasierten Umgang mit den Herausforderungen der Digitalisierung zu finden. Dazu werden drei Ebenen unterschieden, auf denen die berufliche Bildung mit der Digitalisierung umgehen muss. Für alle drei Ebenen hat die Initiative Thesen zum konkreten Gestaltungsbedarf formuliert:

Ausbildungsorganisation

  • Technologische Ausstattung sicherstellen
  • (Gemeinsame) Qualifizierung des Lehr- und Ausbildungspersonals
  • Kooperation innerhalb und zwischen Lernorten stärken
  • Beschulung in der Fläche sicherstellen

Didaktik

  • „Digital Literacy“ für alle Jugendlichen sicherstellen
  • Erschließung neuen Wissens ermöglichen
  • Stärkung der Kompetenzen, die schwer durch Maschinen ersetzt werden können
  • Didaktischen Mehrwert prüfen

Ordnungsarbeit

  • Berufsprofile anpassen
  • Weiterbildung bereits in der Ausbildung anlegen und – auch institutionell – verbinden

Die Initiative „Chance Ausbildung“ setzt sich seit 2013 dafür ein, dass jedem jungen Menschen in Deutschland ein Berufsabschluss ermöglicht wird. In der 2. Phase (2017-2021) arbeiten hierbei Ministerien aus mehreren Bundesländern gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit und der Bertelsmann Stiftung an neuen Perspektiven für die berufliche Bildung.