Dieses in einer Hightech-Umgebung aufgenommene Bild zeigt eine Metallbearbeitungsmaschine in Aktion, wobei die Funken für Innovation und industrielle Effizienz stehen.

Industrieinvestitionen: Viel Schatten, wenig Licht

Die Industrie ist von großer Bedeutung für Innovation, Wohlstand und Produktivität in Deutschland: das Verarbeitende Gewerbe hat einen Anteil von mehr als 80 Prozent an den privaten Forschungsausgaben, trägt etwa ein Fünftel zur Bruttowertschöpfung der gesamten Volkswirtschaft bei und ist zudem ein wichtiger Nachfrager nach hochwertigen Unternehmensdienstleistungen. Eine breite Deindustrialisierung – etwa durch unfaire Handelspraktiken, schlechte Standortbedingungen oder unzureichende Unterstützung im Rahmen der Dekarbonisierung – könnte für Deutschland daher schwere Wohlstandseinbußen bedeuten.

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Otto Meyer zu Schwabedissen
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Dr. Marcus Wortmann
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Mit der Studie „Investitionstätigkeit der Industrie in Deutschland – Struktur und Ausblick“, die das ifo-Institut im Auftrag der Bertelsmann Stiftung erstellt hat, kann erstmals ein umfassendes und differenziertes Bild der Investitionstätigkeit deutscher Industrien gewonnen werden. Dabei werden nicht nur verschiedene Investitionskategorien (ausländische Direktinvestitionen, Bruttoanalageinvestitionen, Unternehmensbilanzen) bis zum aktuellen Rand ausgewertet, sondern auch neue Daten und innovative Analyseverfahren verwandt, die einen Ausblick auf die nahe Zukunft erlauben. Insgesamt liefert die Studie damit einen Beitrag zur Versachlichung der aufgeheizten Debatte rund um das Thema Deindustrialisierung in Deutschland.

Investitionsneigung für das Jahr 2026 leicht gestiegen

In der Gesamtheit aller Industriebranchen zeigen die kurzfristigen Investitionsplanungen ein durchwachsenes Bild: Nachdem Unternehmen für das Jahr 2025 angaben, ihre Investitionen mehrheitlich reduzieren zu wollen, zeigt sich insgesamt eine leichte Aufhellung bei den Investitionsabsichten für das Jahr 2026. Während für das laufende Jahr noch weniger Unternehmen planen, in Bauten zu investieren, gibt es mehr Unternehmen, die Ausrüstungsinvestitionen planen.

Automobilindustrie weiterhin bedeutsam, Pharma und Halbleiterfertigung zukunftsträchtig

Der Blick auf die einzelnen Industriebranchen zeigt: Neue High-Tech-Industriebranchen investieren dynamisch und dürften künftig für Deutschland eine zunehmende Bedeutung haben: Besonders die Pharmaindustrie (+42 Prozent) und die Mikroelektronik (+89 Prozent) haben zwischen 2015 und 2024 ihre Investitionen sehr stark gesteigert. Langfristig könnte die Mikroelektronik mit einem Anteil von einem Fünftel am geplanten Gesamtinvestitionsvolumen eine der wichtigsten Branchen für die Zukunft der deutschen Volkswirtschaft werden. 

Auch die Autoindustrie wird weiterhin von großer Bedeutung sein: Zwar ist alarmierend, dass die Investitionsplanungen der einzelnen Unternehmen deutlich unter dem aus der früheren Investitionstätigkeit zu erwartenden Niveau liegen. Jedoch dürfte die Autobranche auch künftig für etwa ein Drittel des erwartbaren Investitionsvolumens in der Industrie verantwortlich sein. 

Sachsen profitiert vom Silicon Saxony

Der Blick auf die Regionen zeigt, dass neben den traditionellen Industrieregionen Bayern und Baden-Württemberg vor allem Sachsen eine dynamische Investitionstätigkeit verzeichnet, mit einem Anteil von 16 Prozent am zu erwartenden Investitionsvolumen. Dies ist vor allem auf die stark investierende Mikroelektronik-Branche im sogenannten Silicon Saxony zurückzuführen.

Politik sollte High-Tech-Branchen ansiedeln und die Autoindustrie gezielt unterstützen

Zur weiteren Förderung von Industrieinvestitionen ist branchenübergreifend von großer Bedeutung, dass Infrastruktur und öffentliche Daseinsvorsorge in der Fläche verfügbar sind. Dies ist vor allem für Deutschlands dezentrale Industrie mit vielen kleineren Betrieben außerhalb urbaner Zentren relevant. Daher sollten die im Rahmen des Sondervermögens Infrastruktur und Klimaneutralität geplanten öffentlichen Investitionen zeitnah für die Aufwertung der Bildungs- und Verkehrsinfrastruktur realisiert werden.

Außerdem gilt es, die Verbreitung und Nutzung von Spitzentechnologie in Deutschlands Mitteltechnologiebranchen zu fördern. Mit mehr High-Tech-Investitionen können neue Wachstumspotenziale entstehen. Dazu können staatlich geförderte regionale Matching-Plattformen einen Beitrag leisten, bei denen Technologie-Anbieter und etablierte Unternehmen zueinander finden, um neue Technologien in eine breite Anwendung zu überführen.

Auch branchenspezifische Instrumente sollten Teil des industriepolitischen Politikmixes sein. So sollte angesichts der großen Relevanz der Investitionen der Automobilindustrie ein Scheitern der Branche an der Transformation zur Elektromobilität auch politisch verhindert werden. Kaufanreize für Elektroautos können hier einen Beitrag leisten, um Planungssicherheit und Nachfrage für die angeschlagene Branche zu stärken. Angesichts der außenwirtschaftlichen Herausforderungen durch Handelsbeschränkungen und die chinesische Konkurrenz erscheinen europäische Lösungen etwa im Rahmen des Industrial Accelerator Acts sinnvoll. 

Außerdem sollte die Ansiedlung von Halbleiterfertigung weiterhin unterstützt werden. Dies ist zur Steigerung der Resilienz von Lieferketten notwendig und kann gleichzeitig dabei helfen, die stark investierende Branche langfristig an den Standort zu binden.

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