Moderne Stadtsilhouette mit Wolkenkratzern bei Einbruch der Dämmerung

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Impuls von über 40 Wirtschaftsführungspersönlichkeiten: Gemeinsam für einen zukunftsfähigen Wirtschaftsstandort

Über 40 Führungspersönlichkeiten der deutschen Wirtschaft haben im Rahmen der Initiative „Zusammen Zukunftsfähig“ über die Zukunft des Standorts Deutschland beraten. Aus dem Austausch ist ein Action Brief entstanden, der zentrale Empfehlungen für mehr Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz und Nachhaltigkeit formuliert. Die Initiative plädiert für klare Prioritäten, mehr europäische Koordination und ein entschlossenes Zusammenspiel von Politik und Wirtschaft.

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Fritz Putzhammer
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Jakob Christof Kunzlmann
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Geopolitische Verschiebungen, neue industriepolitische Allianzen und ein verschärfter globaler Wettbewerb prägen den Beginn des Jahres 2026: In Davos und auf der Münchner Sicherheitskonferenz wurde die wirtschaftliche Sicherheitsarchitektur neu vermessen, die Kriege im Iran und der Ukraine verschärfen die Energie- und Rohstoffdebatten. Die EU muss sich in dieser neuen Weltordnung auch industriepolitisch behaupten, wie der EU-Industriegipfel, der neue „Industrial Accelerator Act“ und neue Freihandelsabkommen zeigen. Zugleich befindet sich der Wirtschaftsstandort Deutschland vor seinem eigenen tiefgreifenden strukturellen Wandel. Rückläufige Produktivität, unzureichende Investitionen, Fachkräftemangel und der Druck einer beschleunigten ökologischen Transformation treffen auf eine Welt, in der Innovations- und Entscheidungszyklen immer schneller werden. 

Vor diesem Hintergrund hat die Initiative „Zusammen Zukunftsfähig” einen vertraulichen Wirtschaftsdialog organisiert und gemeinsam mit unterstützenden Organisationen und über 40 Führungspersönlichkeiten der deutschen Wirtschaft diskutiert, welche Weichenstellungen nun entscheidend sind und wie konkrete Umsetzungsmaßnahmen aussehen könnten. Dafür wurden im Vorhinein verschiedene Studien zum Standort Deutschland verglichen und Expertengespräche geführt. Als Produkt dieses Prozesses und des anschließenden Dialogs ist der vorliegende Action Brief entstanden. Ziel des Action Briefs ist es, die wichtigsten gemeinsam priorisierten Sichtweisen und Empfehlungen zu bündeln und an Politik und Wirtschaft heranzutragen.

Im Kern besteht eine themenübergreifende Überzeugung: Politik und Wirtschaft müssen mutiger und im Big-Picture-Modus handeln – weniger kleinteilig, schneller, strategischer und mit einer klaren gemeinsamen Zielrichtung. Gleichzeitig hat die Diskussion verdeutlicht, dass viele der strukturellen und geopolitischen Herausforderungen nur auf europäischer Ebene wirksam gelöst werden können. Für Wettbewerbsfähigkeit, technologische Souveränität und wirtschaftliche Resilienz braucht es ein starkes Europa, das handlungsfähig ist und Allianzen der Willigen ermöglicht. Die beteiligten Führungspersönlichkeiten bekennen sich ausdrücklich zu diesem europäischen Gestaltungsanspruch und zum gemeinsamen Binnenmarkt als Grundlage ihres wirtschaftlichen Handelns.

Was die Wirtschaft für einen zukunftsfähigen Standort beiträgt:

Die beteiligten Unternehmer*innen verstehen sich nicht nur als Adressaten politischer Reformen, sondern als aktive Gestalter der Transformation. Der Action Brief formuliert drei zentrale Selbstverpflichtungen:

  1. Innovation umsetzen und vorleben
    Digitale und KI-basierte Lösungen sollen schneller in Unternehmen eingeführt, Kooperationen mit Startups und Universitäten intensiviert und Zukunftstechnologien durch mehr Risikobereitschaft gezielt gefördert werden.
  2. Verantwortung übernehmen und Transformation beschleunigen
    Unternehmen wollen Energie- und Ressourcenverbräuche senken, transparente Transitionspläne zur Dekarbonisierung vorlegen und nachhaltige Wertschöpfungsketten stärken.
  3. Talente fördern und Potenziale heben
    Flexible Arbeitsmodelle, stärkere Erwerbsbeteiligung von Frauen, schnellere Integration internationaler Fachkräfte sowie gezielte Weiterbildungsinitiativen sollen den Fachkräftemangel entschärfen.

Drei inhaltliche, zentrale Empfehlungen an die Politik:

Neben unternehmerischer Selbstverpflichtung formuliert der Action Brief drei prioritäre Handlungsfelder für die Politik:

  1. Innovations- und Produktivitätsrahmen stärken
    Gefordert werden ein konsequenter Bürokratieabbau, digitale Verwaltungsprozesse („digital first“), eine stärkere Nutzung öffentlicher Beschaffung als Innovationsmotor sowie Fortschritte bei der europäischen Kapitalmarktunion. Experimentier- und Innovationsräume sollen Markteinführungen neuer Technologien beschleunigen.
  2. Dekarbonisierung und Energieinfrastruktur beschleunigen
    Dekarbonisierung und Wettbewerbsfähigkeit dürfen kein Widerspruch sein. Nötig sind verlässliche CO₂-Preissignale, schnellere Genehmigungsverfahren, der zügige Ausbau von Netzen und Speichern sowie mehr Planungssicherheit für private Investitionen. Gleichzeitig gilt es, Europas Energie- und Rohstoffunabhängigkeit strategisch zu stärken.
  3. Arbeits- und Fachkräftestrategie neu ausrichten
    Um Wachstumspotenziale zu heben, braucht es eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen, bessere Rahmenbedingungen für längere Lebensarbeitszeiten, eine nationale Qualifizierungsoffensive sowie ein digitales, beschleunigtes System für Fachkräftezuwanderung.

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Über die Initiative „Zusammen Zukunftsfähig“

„Zusammen Zukunftsfähig“ ist eine Initiative von Mission Wertvoll, der Bertelsmann Stiftung und der ReAct-Initiative, unterstützt von enkelfähig e.V., dem Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft (BNW) und score4impact. Ziel ist es, zentrale Akteurinnen und Akteure aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft in einen lösungsorientierten Dialog über die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Deutschland zu bringen.