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Ostdeutsches Wirtschaftsforum 2026: Neue Daten zum Innovationsstandort Ostdeutschland

Beim Ostdeutschen Wirtschaftsforum 2026 hat die Bertelsmann Stiftung den Policy Brief „OWF26: Innovationsstandort Ostdeutschland – anders stark“ vorgestellt. Die Analyse zeigt: Ostdeutschland verfügt über ein eigenständiges Innovationsprofil – mit sichtbaren Stärken bei Wissenschaftskooperationen, Prozessinnovationen, technologischen Ökosystemen und grünen Transformationsfeldern.

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Armando García Schmidt
Senior Expert
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Dr. Dominik Hierlemann
Senior Advisor
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Katja Mayer
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Eine Woche nach dem Ostdeutschen Wirtschaftsforum in Bad Saarow veröffentlichen wir den Policy Brief „OWF26: Innovationsstandort Ostdeutschland – anders stark“. Er entstand als Impuls für das Working Breakfast der Bertelsmann Stiftung zum Thema „Demokratie und Innovation: Was macht den Standort stark?“ und verbindet aktuelle Befunde zur Innovationsfähigkeit ostdeutscher Unternehmen mit der Frage, welche Rolle Vertrauen, Kooperation und demokratische Resilienz für wirtschaftliche Stärke spielen. 

Die zentrale Botschaft: Ostdeutschland sollte nicht entlang einfacher Ost-West-Rangfolgen beschrieben werden. Die Daten zeigen vielmehr ein eigenes Standortprofil. Dieses Profil ist durch technologische Spitzen, starke Wissenschaftsbezüge, kooperative Innovationsformen und eine besondere Bedeutung von Prozessinnovationen geprägt. 

Das Ostdeutsche Wirtschaftsforum war für uns ein wichtiger Ort, um Expertise aus unterschiedlichen Bereichen der Stiftung zusammenzubringen. Gerade die Verbindung von Innovationspolitik, Demokratiefragen und regionaler Perspektive macht sichtbar, wie eng wirtschaftliche Transformation und gesellschaftlicher Zusammenhalt miteinander verbunden sind.

Katja Mayer, Pressesprecherin und Mitglied des Netzwerks Ost der Bertelsmann Stiftung

Vier Datenzugänge, ein Standortprofil 

Der Policy Brief bündelt Ergebnisse aus vier aktuellen Studien des Programms „Nachhaltig Wirtschaften“ der Bertelsmann Stiftung. Ausgangspunkt ist eine Sonderauswertung der Studie „Innovative Milieus 2026“ für Unternehmen in Ost- und Westdeutschland. Ergänzt wird sie durch Befunde aus einer Patent- und Forschungsanalyse der deutschen Industrie, einer Untersuchung zur industriellen Investitionstätigkeit sowie einer Auswertung des Jobmonitors zur Green Economy. [VERLINKEN!] 

Zusammengenommen entsteht ein differenziertes Bild: Ostdeutschland ist in innovationsstarken Unternehmensmilieus sichtbar vertreten. Der Anteil der Technologieführer liegt in Ostdeutschland bei rund zehn Prozent, in Westdeutschland bei rund fünf Prozent. Auch bei den forschungsorientierten Innovatoren liegt Ostdeutschland über dem westdeutschen Vergleichswert. 

Besonders auffällig ist zudem die Stärke bei Prozessinnovationen. 36 Prozent der ostdeutschen Unternehmen berichten von erfolgreich umgesetzten Prozessinnovationen; in Westdeutschland sind es 32 Prozent. Diese Form der Innovation ist oft weniger sichtbar als neue Produkte, aber für Transformation, Produktivität, Ressourceneffizienz und organisationale Anpassungsfähigkeit zentral.

Ostdeutschland ist kein Innovationsstandort zweiter Ordnung. Die Daten zeigen ein eigenes Profil: wissenschaftsnah, kooperativ, stark bei Prozessinnovationen und eingebunden in wichtige Zukunftsfelder. Die Aufgabe besteht nun darin, diese Stärken besser zu verbinden – mit Investitionen, Fachkräfteentwicklung, regionaler Wertschöpfung und demokratischer Resilienz.

Armando García Schmidt, Senior Expert der Bertelsmann Stiftung

Wissenschaft und Kooperation als Standortressource 

Ein weiteres Merkmal des ostdeutschen Innovationsprofils ist die hohe Bedeutung von Wissenschaftskooperationen und Unternehmensnetzwerken. Innovation entsteht hier häufig an Schnittstellen: zwischen Unternehmen und Forschung, zwischen unterschiedlichen Branchen, zwischen öffentlicher Förderung und betrieblicher Anwendung sowie zwischen regionalen Netzwerken und internationalen Technologiedynamiken. 

Das macht Kooperation selbst zu einem Standortfaktor. Wo Unternehmen, Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Kommunen, Start-ups und größere industrielle Akteure gut zusammenwirken, entstehen nicht nur neue Ideen. Es entstehen auch Lernprozesse, Vertrauen und gemeinsame Problemlösungskompetenz. 

Zukunftsfelder: Patente, Investitionen und Green Economy 

Auch die ergänzenden Studien zeigen relevante ostdeutsche Stärken. Die Patent- und Forschungsanalyse macht technologische Ökosysteme unter anderem in Jena, Sachsen und Berlin-Brandenburg sichtbar. Die Investitionsstudie verweist auf aktuelle und geplante Industrieinvestitionen, etwa im Halbleiterbereich in Sachsen. Die Green-Economy-Auswertung zeigt eine starke Präsenz ostdeutscher Regionen bei Stellenanzeigen mit Bezug zu Kreislaufwirtschaft, Umweltschutz und Emissionsminderung. 

Damit wird deutlich: Die ökologische und industrielle Transformation ist für Ostdeutschland nicht nur Herausforderung, sondern auch ein Feld konkreter wirtschaftlicher Chancen. Entscheidend ist, ob Investitionen, Forschung, Fachkräfteentwicklung, regionale Wertschöpfung und Unternehmenspraxis gut miteinander verbunden werden. 

Standortpolitik ist auch Demokratiepolitik 

Das Working Breakfast der Bertelsmann Stiftung beim OWF machte zudem deutlich, dass wirtschaftliche Stärke und demokratische Stabilität enger zusammenhängen, als es in klassischen Standortdebatten oft erscheint. Kapital, Fachkräfte und Infrastruktur bleiben zentrale Voraussetzungen für wirtschaftlichen Erfolg. Doch gerade in Transformationsregionen sind auch Zuversicht, Vertrauen in Institutionen, Offenheit und die Erfahrung wichtig, dass Wandel vor Ort gestaltbar ist.

Demokratie ist kein weicher Standortfaktor. Wo Vertrauen schwindet, Kooperation schwieriger wird und Institutionen an Leistungsfähigkeit verlieren, geraten auch Innovationsprozesse unter Druck. Deshalb müssen wir Standortpolitik und demokratische Resilienz stärker zusammendenken.

Dr. Dominik Hierlemann, Senior Advisor im Programm Demokratie und Zusammenhalt

Der Policy Brief formuliert deshalb eine erweiterte Perspektive auf Standortpolitik: Innovation, Investitionen und Fachkräfteentwicklung müssen so gestaltet werden, dass sie wirtschaftliche Dynamik erzeugen und zugleich vor Ort sichtbar machen, dass Transformation verlässlich, fair und gestaltbar ist. 

Handlungsperspektiven 

Aus den Befunden ergeben sich mehrere Ansatzpunkte für Politik, Wirtschaft und regionale Standortentwicklung. Wissenschaftskooperationen sollten stärker in konkrete Innovationspfade übersetzt werden – von Forschung über Prototypen und Pilotanwendungen bis zu Markteintritt und Skalierung. Prozessinnovationen verdienen mehr Sichtbarkeit als eigenständige Innovationsleistung. Große Investitionen entfalten ihre größte Wirkung, wenn sie regional eingebettet werden – etwa über Zuliefernetzwerke, berufliche Bildung, Hochschulen, Forschungseinrichtungen und lokale Wertschöpfung. 

Auch Patent- und Eigentumsfragen gewinnen an Bedeutung. Für kleinere und mittlere Unternehmen sowie Start-ups kann IP-Kompetenz ein wichtiger Hebel sein, um aus Innovation wirtschaftliche Wirkung zu erzeugen. Schließlich sollte die Green Economy stärker als Fachkräfte- und Qualifizierungsthema behandelt werden. 

Die gemeinsame Linie lautet: Standortstärke entsteht nicht durch ein einzelnes Instrument. Sie entsteht durch Verbindung – von Unternehmen, Forschung, Investitionen, Fachkräften, Patenten, Green Economy und demokratischer Resilienz. 

Policy Brief